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Geschichte

Die Idee der Gründung einer allgemeinen Gelehrtengesellschaft in Nordrhein- Westfalen reicht zurück ins 19. Jahrhundert. Aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang die Gründung der „Rheinischen Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung“, die von 1911 bis 1915 eine größere Zahl von wissenschaftlichen Vorhaben förderte.

Durch den 1. Weltkrieg wurde ihre erfolgreiche Tätigkeit zunächst beendet. Nach Ende des 2. Weltkrieges gründete Ministerpräsident Karl Arnold auf Anregung von Ministerialdirektor Professor Dr.-Ing. Leo Brandt 1950 die „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen“. Ziel des Zusammenschlusses von zunächst naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen war die Beratung der Landesregierung beim Wiederaufbau des durch den Krieg stark zerstörten Landes an Rhein und Ruhr und später die Beratung in allen Fragen der Forschungsförderung. Als bislang einzige Akademie konnte die Arbeitsgemeinschaft in ein eigens für sie errichtetes Gebäude einziehen.

Es wurde von dem bedeutenden Architekten Hans Schwippert erbaut und im Jahre 1960 als „Karl Arnold-Haus der Wissenschaften“ eingeweiht. Damit verfügt die Akademie über sowohl funktionale wie repräsentative Räumlichkeiten, insbesondere einen Vortragssaal für rund 400 Personen, einen Klassensitzungssaal und eine Bibliothek. 1970 wurde die Arbeitsgemeinschaft in die „Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften“ umgewandelt und erhielt den Rechtsstatus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Um der Bedeutung der Ingenieurwissenschaften Rechnung zu tragen, wurde im Mai 2000 die bisherige zweigliedrige Struktur durch die Schaffung einer dritten Klasse „Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften“ ergänzt. Ihren heutigen Namen „Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste“ erhielt die Akademie im Jahre 2008 mit der Erweiterung um die Klasse der Künste. Sie ist damit die erste und bisher einzige Wissenschaftsakademie, die die Künste als eigenständige Klasse integriert hat.

1911 bis 1915Förderung von Projekten durch die neu gegründete „Rheinische Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung“
25. April 1950Gründung der „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen“ mit naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen durch Ministerpräsident Karl Arnold auf Anregung von Ministerialdirektor Professor Dr.-Ing.Leo Brandt.
24. März 1952Erweiterung der Akademie um die Klasse für Geisteswissenschaften
14. Mai 1958Grundsteinlegung für das Karl Arnold-Haus der Wissenschaften
11. Mai 1960Einweihung des Karl Arnold-Hauses der Wissenschaften
1. Januar 1970Umwandlung der „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen“ in die „Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften“ mit dem Rechtsstatus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts
6. Mai 1970Feierliche Eröffnungssitzung der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften
6. Juli 1993Umbenennung in die „Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften"
24. Mai 2000Gründung der Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften durch Abspaltung von der Klasse für Naturwissenschaften und Medizin
1. September 2006Gründung des Jungen Kollegs zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
24. Juni 2008Erweiterung um eine vierte Klasse der Künste

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Prof. Dr.-Ing. Hans Schwippert: Bauaufgabe und Baugedanke

Der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen fehlte in den ersten zehn Jahren ihrer Arbeit der Sitz, ein ihren Zwecken und Aufgaben angemessenes Haus. Sie erhielt es am 11. Mai 1960 mit dem Karl-Arnold-Haus, Haus der Wissenschaften, in Düsseldorf.

Der Bau ist Gemeinschaftswerk der Entwerfer Professor Dr.-lng. Hans Schwippert mit Dipl.-Ing. Friedrich Kohlmann und seiner Ateliergruppe mit Dipl.-Ing. Wolfgang Himmel, Architekt Ernst Kayser, Dipl.-Ing. Dieter Seliger; des Beraters der Arbeitsgemeinschaft, Professor Dr.-lng. Volker Aschoff, TH Aachen; des Wiederaufbauministeriums Nordrhein-Westfalen, Ministerialdirigent Dr.-lng. Ludwig Fütterer; der beratenden Ingenieure Dipl.-Ing. O. H. Brandi, Dr.-lng. Kösters, Dipl.-Ing. Lewenton, Dipl.-Ing. von Lieben, Dr.-lng. Ludwig Müller (Westdeutscher Rundfunk), Direktor Schulz, Technischer Direktor des Westdeutschen Rundfunks, Dr.-lng. habil. Wiechowski, TH Aachen, Walter Freund, (Leitz) Wetzlar, Oberingenieur Nagel (Telefunken); des Bauleiters Dipl.-Arch. Heinrich Speckhan; der Bauabteilung der Bezirksregierung Düsseldorf, Oberregierungs- und -baurat Döhring; des Staatshochbauamtes Düsseldorf, Oberregierungs- und -baurat Blasberg und Mitarbeiter.

Die Erbauung solcher Bauwerke ist nicht zuletzt durch die ständig wachsenden Anforderungen an ihre funktionale und technische Tauglichkeit auf Gemeinschaftsleistungen angewiesen. Die Aufzählung der Beteiligten kann nur annäherungsweise deutlich machen, in welchem Umfang solche Bauten heute nicht eines Mannes oder weniger Köpfe, sondern vieler in der Arbeit verbundener Leute Sache sind.

Die Arbeitsgemeinschaft für Forschung setzt die Tradition der Akademien der Wissenschaften mit einer neuen organisatorischen Form in enger Zusammenarbeit mit Staat und Öffentlichkeit fort. Dieser Gemeinschaft, damit also dem Fortschritt der Wissenschaften und ihrer Nutzung für das öffentliche Wohl durch Kontakt, Aussprache und Information, sollte das Haus dienen, und in solchem Sinne der heutigen wissenschaftlichen Arbeit in neuer Weise eine eigene Heimat geben. Es versucht, dieser neuen Aufgabe in einer typischen Form gerecht zu werden.

Das Haus enthält im Kern zwei Säle.

Der Diskussionssaal ist kreisrund. Er vereinigt Wissenschaftler, Vertreter von Staat und Wirtschaft und Gäste zu Vortrag und Austausch in den häufigen Regelsitzungen der Arbeitsgemeinschaft. Aus der Aufgabe ist diese Raumform erstmalig entwickelt. Sie prägt mit ihrer Sitzanordnung im Kreise den Gedanken des unter Wissenschaftlern, Politikern, Wirtschaftlern und Gewerkschaftlern gemein­sam geführten Arbeitsgespräches am runden Tisch nachdrücklich aus. Dieser Raum ist das eigentliche Herz des Hauses. 30-40 Teilnehmer sind in ihm nicht verloren, 50-60 Teilnehmer faßt er in der Regel, doch finden auch 70-80 Personen Platz. Der Kongreßsaal erlaubt Kongresse der Arbeitsgemeinschaft und Feiern mit 400 Personen. Zugleich ist er für kulturelle Veranstaltungen allgemeiner Art verfügbar.

Wie beide Säle, der Diskussionssaal und der Kongreßsaal, mit den jüngsten technischen Mitteln für ihre Aufgabe tauglich gemacht, voll klimatisiert, akustisch auf optimale Hörsamkeit gebracht, gegen Geräuschstörungen von außen abgeschirmt wurden, in welcher Weise sie über Dolmetscheranlagen für sechs Sprachen verfügen, die jeden Sitzplatz erreichen, wie zugleich zahlreiche Mikro­fone die Diskussion von allen Plätzen aus ermöglichen, wie mehrere Projek­tionsgeräte den heutigen Anforderungen nachkommen, wie das Studio des Westdeutschen Rundfunks eingerichtet ist und arbeitet, dies alles wird durch die folgenden Berichte dargestellt.

Die beiden Säle werden durch ein durchgehendes, rundum laufendes großzügiges Raumband von Foyers umschlossen und erschlossen. Von den zwei Hausein­gängen ist der eine dem Diskussionssaal, der andere dem Kongreßsaal zugeordnet. Vier gläserne Schiebewände erlauben verschiedene Unterteilungen des Foyer-Raumbandes und damit die Zuteilung von Foyer-, Wandelgang-, Garderoben- und Bewirtungsflächen variabler Größe zu dem einen oder anderen Saale. So wurde Übersichtlichkeit des Raumgefüges mit hoher Anpas­sungsfähigkeit an vielerlei Nutzungen verbunden.

Im Obergeschoß enthält das Haus das Studio des Westdeutschen Rundfunks für die Landeshauptstadt Düsseldorf, mit neuzeitlichen Aufnahmeräumen und den Büros für die Leitung des Studios. Ferner die Verwaltungsräume der Arbeitsgemeinschaft für Forschung und Ruheräume für Mitglieder, Teilnehmer und Sprecher. Die Bibliothek des Hauses wird nach besonderen Plänen zu einem Raume ausgebaut, welcher neben dem Umgang mit Büchern auch stilleren Ruheaufenthalt und Gespräch kleiner Gruppen erlaubt und begünstigt.

Eine der Aufgabe angemessene Einfachheit des Hausinneren wurde wohl be­dacht. Das Äußere des Hauses versucht mit Zurückhaltung den strengen Geist zu repräsentieren, der entscheidend ist für die Arbeit, die in ihm um des öffentlichen Wohles willen getan wird. Seine Gestalt will ausdrücken, daß Wissenschaft und Werkstatt dicht beieinanderliegen, daß es in diesem Hause nicht wesentlich um Fest oder Freude, sondern um Arbeit geht, daß es eine Laborarbeit des Geistes gibt, die Respekt fordern darf. Seine Form will ebenso nahelegen wie ermöglichen, dieser Arbeit ab und zu ein wenig zuzusehen. Das Haus setzt sich somit ab von den gebauten Repräsentationen anderer Art, sei es des Geldes, der Politik, der Wirtschaft, des Handels, der Produktion oder der Verwaltung. Der Baumeister hofft, daß die ruhige Strenge des Bauwerks angemessenes Dokument seiner Zeit sei und ungeduldigere Exaltationen modernen Bauens gelassen überdauere.