AWK - Technik und Gesellschaft

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Technik und Gesellschaft

Technik erscheint – je nach Wahrnehmung – als Fluch oder Segen, als Retter oder Zerstörer von Umwelt und Zukunftschancen, als Wohlstandsmotor oder Entfremdungsmechanismus. In unserer Gruppe versuchen wir, anhand von ausgewählten Fallbeispielen verschiedene Aspekte dieses weiten Themenbereichs zu bündeln und, ausgehend von unseren fachspezifisch geprägten Perspektiven, einen konstruktiven Dialog in Gang zu bringen. Ingenieurwissenschaftliche, biologische und medizinische Perspektiven werden dabei konfrontiert mit philosophischen, geschichts- und rechtswissenschaftlichen Wahrnehmungen. Gegenseitige Information soll helfen, am gegenwärtigen Stand der Forschung orientierte Werturteile zu finden, um so übertriebene Hoffnungen in die Technik zurückzuweisen, aber auch einer pauschalen Ablehnung vorzubeugen.

Ein erstes Projekt beschäftigte sich mit einem hoch aktuellen Thema, den Chancen und Risiken der pränatalen Diagnostik und Therapie. Ein Ergebnis der Arbeitssitzungen ist das inzwischen veröffentlichte Buch „Designer-Baby“ (erschienen 2009 im Verlag Ferdinand Schöningh), das Beiträge aus Medizin, Biologie, Philosophie, Theologie, den Rechtswissenschaften und des Ingenieurwesens versammelt. Es bietet einen Überblick über fachspezifische Aspekte des Themas und dokumentiert zugleich ein breites Spektrum an unterschiedlichen, aber jeweils ausführlich begründeten Meinungen.

In unserem zweiten Projekt setzten wir uns mit dem potenziellen Nutzen wie auch möglichen Gefahren der Biometrie auseinander. Wir diskutierten unter anderem biometrische Erkennungsverfahren, die Ausmessung biologischer Merkmale zur Identifizierung des Individuums und die Folgen von Biostatistiken sowie der Sammlung und Speicherung personenbezogener medizinischer Daten. Ansatzpunkte für kritische interdisziplinäre Betrachtungen bieten hier beispielsweise die Anwendung verschiedener Teilgebiete der Biometrie in der medizinischen Diagnostik und Epidemiologie, die Identifizierung von Individuen in der Kriminalistik mittels molekularbiologischer Methoden, die „Normierung des Menschen“ aus wirtschaftlicher, ethischer und anthropologischer Sicht und die Frage nach dem Schutz der Rechte des Individuums im Zeitalter des biometrischen Reisepasses und der Chipkarte im Gesundheitswesen.

Cover der Publikation Biometrie - Sicherheit für den gläsernen Menschen?

Auf der Grundlage dieser Arbeiten und aus den Beiträgen eines von uns 2010 in der Akademie der Wissenschaften und der Künste veranstalteten Workshops ist nun die zweite Veröffentlichung dieser Arbeitsgruppe mit dem Titel „Biometrie – Sicherheit für den gläsernen Menschen?“ (erschienen 2012 im Verlag Ferdinand Schöningh) hervorgegangen.

Mitglieder der Arbeitsgruppe waren Agnes Flöel, Bernd J. Hartmann, Wim Martens, Eva Maria Neuhaus, Stefanie Scheu (Ansprechpartnerin), Daniel Siemens, Klaus von Stosch, Christoph Thole, Gottfried Vosgerau, Martin F.-X. Wagner