AWK - Wissenschaft und Politik des Klimawandels

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

Wissenschaft und Politik des Klimawandels

Der anthropogene Klimawandel stellt eine der großen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft dar. Die Frage nach dem Energiehaushalt, der Erhaltung der Artenvielfalt auf der Erde und den sozialen Folgen des Klimawandels bedürfen verschiedenster Fachdisziplinen, um das globale Problem des Klimawandels insgesamt anzugehen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt "Wissenschaft und Politik des Klimawandels" nutzt daher die disziplinäre Breite des Jungen Kollegs, um den Klimawandel aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Es setzt sich aus vier Teilprojekten, die konkret bearbeitet und verknüpft werden, zusammen:

Green Photonics: Stromsparen mit neuen Materialen

Hauptverantwortlich: Dr. Nils Gerhardt
Kooperationspartner: Prof. Dr. Kerstin Volz, Struktur- & Technologieforschungslabor (Univ. Marburg)

Die Abschwächung des Klimawandels erfordert eine drastische Reduktion des Energiebedarfs in allen Bereichen moderner Technik, weit über die öffentliche Debatte um Elektromobilität und erneuerbare Energien hinaus. Allein der Energiebedarf heutiger Kommunikationssysteme, wie sie für die Datenübertragung im Internet benötigt werden, macht bereits mehr als 3% des gesamten Energiebedarfs in Europa aus und steigt weiterhin ungebremst an. In diesem Projekt sollen neue Materialien und Bauelementkonzepte identifiziert und analysiert werden, mit denen der Energiebedarf elektronischer Systeme zukünftig stark reduziert werden kann.

Das politische und gesellschaftliche Klima des Klimawandels

Hauptverantwortlich: Dr. Rüdiger Graf
Kooperationspartner: Prof. Dr. Timothy C. Weiskel, Geschichte/Anthropologie (Cambridge, USA)

Seit das Intergovernmental Panel on Climate Change in den 1990er Jahren seine ersten Berichte über den Klimawandel vorlegte, ist international wie auch in verschiedenen Ländern ein politischer Prozess initiiert worden, der den Klimawandel abschwächen und seine Folgen mindern soll. Während der Klimawandel in vielen Ländern als Faktum gilt, dem sich die Politik stellen muss, wird er in anderen wie vor allem den USA von weiten Teilen der Politik und Gesellschaft als Glaubensfrage behandelt. In dem Projekt soll untersucht werden, wie es zur Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in nationale und internationale Politik kommt und welche Kräfte dem entgegenstehen.

Klimawandel und Bedrohung der Biologischen Vielfalt

Hauptverantwortlich: Dr. Florian Leese
Kooperationspartner: Dr. David K.A. Barnes, British Antarctic Survey (Cambridge, Großbritannien)

Die globale Erderwärmung bedroht eine der zentralen Ressourcen unseres Planeten elementar: Die biologische Vielfalt. Starke Erwärmung, Hochwässer, Dürreperioden sowie das Abschmelzen der Polkappen verändern die Lebensräume zahlreicher Arten fundamental und das in Zeiträumen, die eine Anpassung für viele unmöglich macht. In dem Beitrag sollen die biologischen Hotspots des Klimawandels ausgemacht und spezifische Probleme aufgezeigt werden. Hierzu soll mit international führenden Forschern in Kooperation eine Quellen- und Datensichtung durchgeführt werden, sowie eigene Forschungsergebnisse eingebracht werden. Insbesondere soll die Anpassungsfähigkeit der meeresbewohnenden Organismen in polaren Gewässern untersucht werden. Im Rahmen des Projekts soll auch das Geoengineering am Beispiel der großflächigen Meeresdüngungen mit Eisen kritisch auf
seine wissenschaftliche Wirksamkeit sowie die öffentliche Wahrnehmung hin untersucht werden. Hierzu soll ein kurzer Dokumentarfilm erstellt werden.

Vermittlung klimarelevanter Forschung in der Öffentlichkeit

Hauptverantwortlich: Dr. Julia Tjus
Kooperationspartner: Prof. Dr. Brigitte Mral, Rhetorik (Univ. Örebro, Schweden)

In der Medienlandschaft werden oft Begrifflichkeiten aus den Naturwissenschaften übernommen, ohne zu reflektieren, wie gut diese von der allgemeinen Öffentlichkeit verstanden werden. Beispiele sind Einheiten wie Dosis oder Sievert, die im Zusammenhang mit radioaktiver Strahlung und Atomkraft oft unerklärt bleiben. In diesem Projekt soll untersucht werden, inwiefern die naturwissenschaftlichen Ergebnisse zur Untersuchung des Klimawandels momentan in den Medien dargestellt werden und inwiefern man die Darstellung für ein tieferes Verständnis der Sachverhalte in der Öffentlichkeit  verbessern kann.

Abschlussbericht: „Wissenschaft und Politik des Klimawandels“

Antragsteller: PD Dr. Nils C. Gerhardt, PD Dr. Rüdiger Graf, Dr. Florian Leese, Prof. Dr. Julia Tjus (Junges Kolleg, AWK NRW)

Hintergrund
Der anthropogene Klimawandel gilt seit zwei Jahrzehnten als die größte ökologische und damit auch politische, gesellschaftliche und ökonomische Herausforderung unserer Zeit. Seine wissenschaftlich genaue Feststellung, die Abschätzung seiner Folgen und die Entwicklung von Maßnahmen, um ihn abzuschwächen („mitigation“) bzw. seine negativen Auswirkungen zu mindern („adaptation“), ist zugleich eine der größten interdisziplinären Forschungsunternehmungen der letzten 25 Jahre. Klimaforschung und Klimapolitik waren und sind hierbei eng miteinander verwoben. Im Rahmen des interdisziplinären Projekts „Wissenschaft und Politik des Klimawandels“ wurde aus Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, vertreten durch die Gruppen der vier Mitglieder des Jungen Kollegs, die Beiträge verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zur Diagnose des Klimawandels, der Abschätzung seiner Folgen sowie Strategien zu seiner Abmilderung analysiert und diskutiert. Dies wurde teils in eigenen kleinen Forschungsprojekten durchgeführt, welche bereits in Teilen in Drittmittel-finanzierte Folgeprojekte mündeten. Höhepunkt des Projekts war die interdisziplinäre Konferenz am 20.3.2014 an der AWK in Düsseldorf, zu welcher führende Forscher und Politiker als Redner und Diskutanten gewonnen werden konnten. In diesem Kontext wurde ebenfalls der im Rahmen des Projekts erstellte Dokumentarfilm „Politik und Wissenschaft des Klimawandels“ präsentiert und diskutiert. Im Folgenden sind die Ergebnisse des Projekts zusammengefasst:

1) Teilprojekt Gerhardt: „Green Photonics: Stromsparen mit neuen Materialien“
Projektbeteilligte: Markus Finkeldey (wiss. Mitarb.), Krisztian Neutsch (HiWi), Marcel Lenz (HiWi) und Dr. Nils C. Gerhardt.

Inhaltliche Arbeit und Ergebnisse: Die Reduktion der weltweiten CO2-Emissionen stellt die größte Herausforderung unserer Zeit dar. Derzeit wird die CO2-Mitigation größtenteils mit der Energiewende und dem Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Elektromobilität verbunden. Im Rahmen des Teilprojekts wurde anhand von Literaturarbeiten wurde analysiert was die bisherigen Anstrengungen bewirkt haben, was das Potenzial dieser Technologien ist, sowie welche Technologien es abseits der öffentlichen Debatten wie z.B. Green Photonics und Green- IT gibt, um die Ziele der CO2-Mitigation zu erreichen? Eine Bewertung der Fragen basierend auf eigenen Ergebnissen wurde auf Abschluss-tagung vorgestellt. Die beantragten Gelder wurden zum einen für wissenschaftliche Hilfskräfte und Mitarbeiter verausgabt, welche neben der Technologierecherche und -bewertung an Laboruntersuchungen zu metastabilen Materialien gearbeitet und an der Konferenzorganisation mitgewirkt haben. Weiter Gelder wurden für die Teilnahme am „e21.klimakongress west“ sowie für Literatur, Druckkosten und die Finanzierung der Tagung ausgegeben.

2) Teilprojekt Graf „Das politische und gesellschaftliche Klima des Klimawandels“

Projektmitarbeiter: Rüdiger Graf, Philipp Urban (wiss. Hilfskraft), Jonas Fischer (wiss. Hilfskraft)

Inhaltliche Arbeit und Ergebnisse: Im Rahmen dieses Teilprojekts wurden die Mittel vor allem für Hilfskräfte verausgabt, die zunächst die deutsche und internationale nicht-naturwissenschaftliche Forschung zum Klimawandel systematisch erfasst und dann gemeinsam mit dem Projektleiter ausgewertet haben. Dabei wurden drei Schwerpunkte der sozial- und geisteswissenschaftlichen Klimawandelforschung ausgemacht: 1. die historische Analyse der Mensch-Klima-Interaktion sowie die Entwicklung von Szenarien zum gesellschaftlichen Umgang mit den Folgen des Klimawandels; 2. die wissenssoziologische Untersuchung der Produktion von Klimawissen vor allem im Kontext des IPCC; 3. die medienwissenschaftliche Erforschung des öffentlichen Klimadiskurses. Führende Repräsentanten dieser Forschungsrichtungen wurden zur Diskussion auf dem Symposium „(K)eine Wissenschaft für sich. Klimaforschung und die politische Herausforderung des Klimawandels“ eingeladen, an dessen Ausgestaltung die Teilprojektmitarbeiter genauso wie an der Konzeption des Dokumentarfilms wesentlich mitgewirkt haben.

Folgeaktivitäten: Unter anderem basierend auf den Arbeiten im Projekt wurde am 9.4.2015 in Kooperation mit drei anderen Historikern ein HERA-Antrag zum Vergangenheitsbezug der Prognosen von Energie, Klima, Rohstoffen und Biodiversität eingereicht.

3) Teilprojekt Leese „Klimawandel und Bedrohung der Biologischen Vielfalt“

Projektbeteiligte: Jan N. Macher (Wiss. Hilfskraft), Dr. Florian Leese und Kooperationspartner

Inhaltliche Arbeit und Ergebnisse: In dem Teilprojekt wurde in Kooperation mit Wissenschaftlern vom British Antarctic Survey (Cambridge, GB) sowie der Universität von Barcelona Studien durchgeführt, um den Effekt vergangener Klimawandelereignisse sowie des gegenwärtigen Klimawandels auf die Biodiversität zu untersuchen. Hierbei konnten wir zeigen, dass mit z.T. von uns neu entwickelten genetischen Verfahren präzise Daten zum Einfluss vergangener Klimawandelereignisse auf die demografische Struktur von Tierpopulationen gewonnen werden können. Für die Antarktis wurde ein konzeptioneller Rahmen geschaffen, um die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die kälteangepassten Meerestiere zu untersuchen. Im Rahmen der Konferenz wurden die Ergebnisse präsentiert. Die Gelder wurden für den Projektstudenten (Jan Macher), die Filmproduktion, Konferenzorganisation sowie Forschungsaufenthalte genutzt. Folgeaktivitäten: Basierend auf den im Projekt durchgeführten Analysen wurde zum 1.12.2013 ein Antrag bei der DFG zur Förderung eingereicht. Dieser wurde zum 1.8.2014 zur Förderung bewilligt. Weiterhin befindet sich eine internationale Publikation der Ergebnisse in Vorbereitung.

4) Teilprojekt Tjus „Vermittlung klimarelevanter Forschung in der Öffentlichkeit“

Projektbeteiligte: Leonie Bornfeld (Studentische Hilfskraft), Emelie Bröms (Studentische Hilfskraft), Prof. Dr. Brigitte Mral (Universität Örebro), Prof. Dr. Julia Tjus (Projektleiterin)

Inhaltliche Arbeit und Ergebnisse: Zur Untersuchung der Darstellung des Klimawandels in den Medien wurden in diesem Teilprojekt die Reaktion von Zeitungsmedien bezüglich der Veröffentlichung des 5. IPCC Berichts untersucht. Artikel aus den Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung, TAZ, WAZ und BILD, sowie der Wochenzeitschrift Spiegel wurden analysiert. Hauptergebnis des Teilprojekts ist die Feststellung, dass in den Texten hauptsächlich wissenschaftliche Fakten wiedergegeben werden (zum Beispiel Temperaturanstieg). Dieser fehlende emotionale Bezug zum Leser wurde durch dramatische Bilder der Konsequenzen des Klimawandels durch Naturkatastrophen kompensiert. Die Ergebnisse wurden in mehreren Arbeitstreffen in Schweden, Bochum und in der Akademie mit Projektbeteiligten und anderen interessierten diskutiert. Zwischenergebnisse wurden von Prof. Dr. Brigitte Mral in der Abschlusskonferenz des Projekts präsentiert. Folgeaktivitäten: Aktuell befindet sich ein Antrag für eine Konferenz "Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse in der Öffentlichkeit“ in Vorbereitung. Die Konferenz soll im Zusammenhang mit dem "Wissenschaftsfestival" in Göteborg (Mai 2016) stattfinden, der Antrag im Mai 2015 bei dem schwedischen Förderer "Riksbankens Jubileumsfond" eingereicht werden. Dieses Projekt soll als Vorbereitung für einen weiteren Antrag beim gleichen Förderer dienen („Analyse der medialen Auffassung der Energiewende - Vergleich Schweden / Deutschland“).

Abschluss Symposium „(K)eine Wissenschaft für sich: Klimaforschung und die politische
Herausforderung des Klimawandels“

Als offizieller Abschluss des Projekts fand ein vom Jungen Kolleg organisiertes interdisziplinäres Symposium an der AWK in Düsseldorf am 20.3.2014 statt. Nach einer Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Klimaforschung (Vortrag Prof. Latif) wurde in drei Panels die Beiträge verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zur Diagnose des Klimawandels und zu seiner Abmilderung vorgestellt und diskutiert. Hierzu konnten namenhafte Wissenschaftler aus dem Inund Ausland gewonnen werden. Auch die eigenen Forschungsergebnisse wurden in Vorträgen sowie in Postern vorgestellt. Der im Rahmen des Projekts selbst erstellte Dokumentarfilm mit dem Titel „Wissenschaft und Politik des Klimawandels“ wurde am Abend vorgestellt und die Protagonisten diskutierten zu dem Thema gemeinsam mit der Vorsitzenden des Bundesumweltausschusses, Fr. Bärbel Höhn (Moderation: Hr. Prof. Dr. Braun, AWK).

nach oben