AWK - Nachruf auf Karl Friedrich Knoche

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Karl Friedrich Knoche, 1933 – 2016

Nachruf auf Karl Friedrich Knoche

Gehalten von Professor Dr.-Ing. Thomas Gries in der Sitzung der Klasse der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften am 8. November 2016

Liebe Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren,

am 14. Mai dieses Jahres verstarb unser Kollege in der Akademie, Herr Prof. Karl Friedrich Knoche. Er wurde 82 Jahre alt. Es ist eine ehrenvolle Aufgabe für mich, Ihnen heute den Nachruf auf Herrn Knoche zu geben.

Herr Kollege Knoche als Hochschullehrer:

Als Student des Maschinenbaus an der RWTH Aachen lernte man Herrn Prof. Knoche über viele Jahrzehnte im dritten Semester mit dem Fach Thermodynamik kennen. Das Fach Thermodynamik ist eine der Herausforderungen im Maschinenbau-Grundstudium. Dennoch erlebten wir alle Prof. Knoche als sehr geduldigen, stets freundlichen Lehrer dieses Stoffes. Auch im dritten Semester gibt es noch Versuche, Papierflieger fliegen zu lassen. Wie kein anderer Kollege kommentierte er diese Versuche auf eine freundliche, nicht verletzende, zurückhaltende Art, ohne jegliche Form von Ironie und Zynismus.

Danach hatte keiner mehr Lust, Papierflieger fliegen zu lassen. Warum ich das erwähne? Das ist ganz typisch für Herrn Knoche. Stets freundlich, klar in der Aussage und stets bei sich und nicht den anderen anklagend. Das sind die wesentlichen Charakterzüge, die wir als Studenten damals schon kennenlernen durften.

Persönlich hatte ich danach die Gelegenheit, Herrn Prof. Knoche kennenzulernen, da ich als Stipendiat für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen wurde. Man muss dazu ja, wie Sie wissen, zwei Fachgutachten beibringen. Das ist bei dem Massen-Grundstudium an der RWTH nicht ohne weiteres möglich, da die Studenten zu den Professoren natürlich nur einen entfernten Kontakt haben. Dennoch nahm sich Herr Knoche Zeit für mich, und auch für andere für ein persönliches Gespräch. Er stellte auf seine Art wohlwollende offene Fragen, sodass ich zum ersten Mal in meinem Studium das Gefühl hatte, von einem Professor ernst genommen zu werden. Es sprudelte nur so aus mir heraus, wie ich dachte völlig chaotisch, aber offensichtlich hat Herr Prof. Knoche ein wohlwollendes Gutachten verfasst, sodass meine Bewerbung letztendlich von Erfolg gekrönt war. Prof. Knoche war über Jahrzehnte Vertrauensdozent der Studienstiftung und hat sich hierbei insbesondere über die automatische Vorauswahl von Studierenden an unserer Hochschule beliebt gemacht und er hat auch stets für Gutachten und andere Aufgaben der Studienstiftung bereitgestanden. Aus Schilderungen seiner Mitarbeiter weiß ich, dass ihm die Lehre sein höchstes Gut war. So verließ Herr Knoche selbst wichtigste interne Besprechungen am Lehrstuhl, um seinen Pflichten in der Lehre nachzugehen.

Herr Kollege Knoche als Institutsleiter:

Prof. Knoche hat während seiner Amtszeit über hundert Promovierende zum Doktortitel geführt. Viele von ihnen leiten heute eigene Lehrstühle. Dabei hatten die Promovierenden ein hohes Maß an Freiheit in den Projekten. Natürlich half er ihnen, aber er ließ ihnen auch alle Freiheiten, ihre Projekte zu leiten. Diese Form des Hochschulmanagements von mittelgroßen Lehrstühlen in den 70er-, 80erund 90er-Jahren war von großem Erfolg gekrönt.

Herr Knoche meinte einmal, dass er froh sei, dass es zu seiner aktiven Zeit noch keine formalen Betreuungsvereinbarungen und strukturierten Promotionsprogramme gab. Bei ihm durften, nein, mussten wissenschaftliche Mitarbeiter eigenständig forschen, Ideen entwickeln, ihm ihr Promotionsthema vorschlagen und ihre Ergebnisse selbst präsentieren. Dies alles erfordert keine festen Arbeitszeiten und keine detaillierten Planungsvorgaben, wohl aber ein besonders großes Maß an Vertrauen.

Herr Kollege Knoche als Wissenschaftler:

Prof. Knoche promovierte an der Universität Stuttgart unter Prof. Bosnjakovic. Er ist ein Beispiel dafür, dass wissenschaftliche Arbeiten klar und prägnant, aber vor allem kurz gefasst sein können. So ist zum Beispiel die vom VDI verfasste Forschungsschrift aus dem Jahr 1968 zum Thema „Enthalpie-Dichte-Diagramme für Hochtemperaturplasmen und Anwendungsbeispiele“ legendäre 25 Seiten kurz. Sie ist lesenswert, immer noch aktuell und gleichzeitig ist sie seine Lebensschrift gewesen.

Nach Prof. Knoche ist keine Kennzahl benannt, aber: Seine große Leidenschaft war die Arbeit an seinem Lehrbuch, das er zeit seines Lebens weiterentwickelt hat und das heute ein Standardwerk im Bereich der Thermodynamik ist.

Im Jahr 1969 folgte er einem Ruf an die RWTH Aachen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1999, also 30 Jahre lang, den Lehrstuhl für Technische Thermodynamik leitete. Trotz dieses langen Wirkens konnte er, wie zuvor von ihm angekündigt, problemlos loslassen: Er mischte sich weder in die Auswahl noch in die Arbeit seiner Nachfolger, zunächst Kollege Lucas, heute Kollege Bardow, ein. Er blieb dem Lehrstuhl und der RWTH jedoch weiterhin verbunden, kam zu Seminarvorträgen und Ehemaligen-Treffen und Jahresveranstaltungen nach Aachen.

Prof. Knoche als Kollege:

Eine der wenigen Ausnahmen stellten Termine für die Deutsche Forschungsgemeinschaft dar, für die er über viele Jahre aus der festen Überzeugung heraus mitwirkte, dass Forschung sich am besten selbst kontrolliert. Er war Hauptgutachter und zeitweise Vizepräsident der DFG. Weiterhin war er für den VDI tätig und als berufenes Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Akademien aktiv.

Als ich 2001 an die RWTH zurückkam, war Prof. Knoche bereits zwei Jahre emeritiert. Dennoch stand er als Pate dem Institut und der RWTH weiter zur Verfügung. Ich sprach ihn an, weil ich mich für das Amt als Vertrauensdozent der Studienstiftung interessierte. Wieder hörte er aufmerksam zu und stellte entwickelnde Fragen. Ich lernte von ihm, dass er sich um die Vordiplomsauswahl, vor allem im Bereich der Ingenieurswissenschaften an der RWTH, bemüht hatte und ich habe dann dieses System gerne weitergeführt. Später traf ich Prof. Knoche vor allem hier in der Akademie und bei großen Veranstaltungen der RWTH Aachen. Er kam immer freundlich auf mich zu, wir sprachen darüber, wie man mit dem Fahrrad zum Institut fährt und über allerlei Alltäglichkeiten. Aber gerade auch hier in der Zeit in der Akademie habe ich darüber hinaus seine äußerst scharfsinnigen Kommentare im Rahmen von Diskussionen geschätzt. Er hörte stets aufmerksam zu, stellte kurze, prägnante Fragen, die sehr deutlich seine Meinung zu dem Vortrag erkennen ließen, aber ohne dabei den Vortragenden zu verletzen, selbst wenn er den Vortrag bodenlos grottig fand – wie man heute sagen würde. Ich habe Prof. Knoche als Menschen kennengelernt, der stets freundlich, aber nie kumpelhaft, der zugänglich, aber nie vereinnahmend war und der stets wertvolle Beiträge geleistet hat. Auch wenn wir nie in unserem Fachgebiet eng zusammengearbeitet haben, so kann ich doch heute, und ich glaube auch im Sinne aller der hier Anwesenden, einfach sagen:

„Danke.“