AWK - Niklas Luhmann

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

Auf einen Blick
  • Beginn: 2015
  • Laufzeit: 2030
  • Ziel: Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses Niklas Luhmanns
  • Leitung: Professor Dr. André Kieserling
  • Standort: Universität Bielefeld
  • Kontakt: E-Mail schreiben
  • Webseite (extern): besuchen

Niklas Luhmann -Theorie als Passion.

Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses

 

Niklas Luhmann (1927-1998) ist neben Max Weber der bedeutendste deutsche Soziologe des 20. Jahrhunderts. Seine in über dreißig Jahren kontinuierlich entwickelte Sozial- und Gesellschaftstheorie, die sich in einer Vielzahl von Publikationen niedergeschlagen hat, ist international herausragend. Der umfangreiche wissenschaftliche Nachlass Luhmanns, den die Universität Bielefeld, an der Luhmann von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1993 gelehrt hat, im Jahr 2010 erwerben konnte, lässt nun den Autor und sein Theoriegebäude diesseits seiner publizierten Werke sichtbar werden. Dabei wird der Nachlass in seinem Informationsgehalt in der neueren Ideengeschichte allenfalls durch den Edmund Husserls übertroffen.

Dieser Erkenntniswert gilt insbesondere für das Zentrum der Luhmannschen Theoriearbeit, den ca. 90.000 Notizzettel umfassenden Zettelkasten. Diese zwischen 1951 und 1996 entstandenen Aufzeichnungen, die Luhmann nicht nur als Archiv, sondern auch als Denkwerkzeug nutze, dokumentieren die Theorieentwicklung auf eine einzigartige Weise, so dass man die Sammlung als seine intellektuelle Autobiografie verstehen kann. Neben dem Zettelkasten enthält der Nachlass über 150 bislang unveröffentlichte Manuskripte, unter anderem vier umfangreiche Fassungen seiner Gesellschaftstheorie aus den 1960er bis 1990er Jahren sowie eine Reihe von Frühwerken.

Die im Nachlass dokumentierte Entwicklung der Luhmannschen Forschung soll in dem Akademieprojekt erschlossen und wissenschaftlich aufbereitet werden. Neben einer Veröffentlichung der Manuskripte im Druck ist insbesondere eine Edition der Manuskripte und des Zettelkastens auf einem Online-Portal geplant, das daneben Audio- und Videodokumente sowie eine komplette Bibliographie Luhmanns anbieten wird, um so der Forschung wie der interessierten Öffentlichkeit diesen außergewöhnlichen Soziologen und sein intellektuelles Vermächtnis zugänglich zu machen.

 

 


08.04.2019: Internetportal zum Luhmann-Nachlass geht online

Niklas Luhmann (1927-1998), der von 1968 bis 1993 an der Universität Bielefeld forschte und lehrte, ist neben Max Weber der berühmteste und wirkmächtigste deutsche Soziologe des 20. Jahrhunderts. Luhmanns funktionalistisch orientierte Systemtheorie stellt den Versuch dar, auf der Basis der philosophischen Tradition einerseits und der Rezeption der unterschiedlichsten Konzepte der modernen Wissenschaften andererseits die Grenzen der Soziologie so zu erweitern, dass eine angemessene Beschreibung der modernen Gesellschaft möglich wird. Der umfangreiche wissenschaftliche Nachlass Luhmanns, den die Universität Bielefeld 2010 erwerben konnte, lässt den Autor und sein Theoriegebäude diesseits seiner publizierten Werke sichtbar werden. Dieser Erkenntniswert gilt insbesondere für den 90.000 Notizzettel umfassenden Zettelkasten. Diese zwischen 1952 und 1997 entstandene Sammlung, die Luhmann als Denkwerkzeug verstand und die zugleich eine ungeheuer erfolgreiche Publikationsmaschine mit über 600 Veröffentlichungen war, dokumentiert seine Theorieentwicklung auf eine einzigartige Weise, so dass der Zettelkasten auch als seine intellektuelle Autobiographie verstanden werden kann, die zugleich die Geschichte des wissenschaftlichen Reflektierens über die Gesellschaft dokumentiert.

Seit 2015 wird der Nachlass im Rahmen des von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste geförderten Langzeitprojekts „Niklas Luhmann – Theorie als Passion“ an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld in Kooperation mit dem Cologne Center for eHumanities der Universität zu Köln erschlossen und ediert. Nachdem bereits Ende 2017 mit dem mehr als tausendseitigen Band „Systemtheorie der Gesellschaft“ aus dem Jahr 1975 eine gewichtige Publikation aus dem Nachlass im Druck publiziert werden konnte, geht das Projekt jetzt mit seinem Forschungsportal online. Unter der Adresse https://niklas-luhmann-archiv.de werden in den kommenden Jahren die wissenschaftlich relevanten Bestandteile des Luhmannschen Nachlasses in digitaler Form veröffentlicht werden. Ein Schwerpunkt des Online-Bestandes, der kontinuierlich erweitert wird, ist die transkribierte und editorisch bearbeitete Version des Zettelkastens. Durch die digitale Rekonstruktion der für die Sammlung spezifischen Verweisungsstruktur sowie eine eigens entwickelten Navigationsmöglichkeit wird eine Lesbarkeit der Sammlung ermöglicht, die das analoge Material so nicht bieten kann. Prof. André Kieserling, der Leiter des Projekts: „Man fühlt sich wie in Luhmanns Kopf und ist beeindruckt von dem Ausmaß an Neugierde und an Ordnung, das dort herrscht.“ Neben dem Zettelkasten werden auf dem Portal zukünftig auch ausgewählte Typoskripte in faksimilierter Form bereitgestellt. Ein Bestandsregister ermöglicht die Durchsuchbarkeit des gesamten Datenbestands, so dass Querverbindungen zwischen den einzelnen Nachlassbeständen hergestellt werden können. Darüber hinaus bietet das Portal durch die Präsentation von Audio- und Videodokumenten sowie eines umfassenden Schriftenverzeichnisses weitergehende Informationen zum Werk und seinem Autor.

https://niklas-luhmann-archiv.de

Luhmann und die Kultur.

Podiumsdiskussion am 08.12.2016

Podiumsdiskussion. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016

Welchen Einfluss hatte und hat Niklas Luhmann, einer der bedeutendsten Soziolo-gen des 20. Jahrhunderts, auf Kunst, Literatur, Rechtsprechung, Religion und die Massenmedien? Dieser Frage ging eine prominent besetzte Diskussionsrunde am 08.12.2016 in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf nach.

An der Universität Bielefeld wird seit 2015 der Nachlass dieses außergewöhnlichen Wissenschaftlers erschlossen. Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissen-schaften und der Künste fördert dort im Rahmen des Akademienprogramms das Langzeitforschungsprojekt „Niklas Luhmann – Theorie als Passion. Wissenschaftli-che Erschließung und Edition des Nachlasses“. Der Leiter der dortigen Forschungsstelle Prof. Dr. André Kieserling hatte für die Podiumsdiskussion unterschiedliche Persönlichkeiten zusammengeführt, die durch ihre Tätigkeit in Kontakt mit der Theorie oder auch der Person Niklas Luhmanns gekommen sind: den Rechtswissenschaftler Prof. Dieter Simon, den Kunsttheoretiker Prof. Bazon Brock, den Religionswissenschaftler Prof. Dierk Starnitzke, den FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube und den Künstler Frederick Bunsen.

In seiner Einführung beschrieb Prof. Dr. André Kieserling die große Breitenwirkung der Luhmannschen Theorie; ihm sei es wie kaum einem Zweiten gelungen, aus dem Inneren der Wissenschaft breit in die Gesellschaft zu wirken. In der von Prof. Dr. Rudolf Stichweh moderierten Runde gaben die Diskussionsteilnehmer Einblick in ihren ganz individuellen Zugang und die ersten Begegnungen mit Theorie und Person Luhmanns. Vielfach war es zunächst Zufall, der das Interesse an dem Bielefelder Soziologen entstehen ließ, sei es in Form eines kleinen Zeitungsartikels (Bunsen), eines zufällig besuchten Seminars (Kaube, Starnitzke) oder der Vorberei-tung eines Habilitationsvortrages zum Thema „Gewissen“ (Simon). Prof. Bazon Brock wusste von Luhmanns besonderer Fähigkeit des Zuhörens zu berichten, die ihn von Anfang an fasziniert habe. Ein praktisches Beispiel für die Wirkung Luhmanns gab Prof. Dr. Dierk Starnitzke. Als Leiter einer diakonischen Einrichtung gibt die Luhmannsche Theorie Starnitzke einen Werkzeugkasten an die Hand, mit der er sowohl die Rolle der Diakonie als Organisation mit all ihren Bezügen zu Gesellschaft und Kirche reflektieren, als auch der Frage nachgehen kann, wie Religion als System dort inkludierend wirken kann, wo andere Systeme bereits exkludiert haben. Skeptisch blieb der FAZ-Chefredakteur Jürgen Kaube bei der Frage nach der Breitenwirkung im Journalismus. Zwar stelle er sich beim Zeitungsmachen immer wieder die Frage „Was würden die Massenmedien, wie sie Luhmann beschrieben hat, jetzt machen und wie können wir es anders machen?“, die Kenntnis und der Zugang zu Luhmann sei unter seinen Kolleginnen und Kollegen jedoch nicht wirklich weit verbreitet. Einig waren sich alle Teilnehmer darüber, dass die Theorie Luhmanns nach wie vor einen extrem hohen Erschließungswert für die Analyse unserer modernen Gesellschaft besitze. Wichtig sei es zudem „Luhmann über Luhmann hinaus zu denken“, also in den Feldern, die Luhmann nicht mehr beschreiben und analysieren konnte (z.B. die Systeme der digitalen Kommunikation), seine Theorie weiter zu entwickeln.

Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Einführung durch Prof. Dr. André Kieserling. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Prof. Dr. sc. Tc. H.c. Bazon Brock. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Frederick D. Bunsen. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Prof. Dr. Dierk Starnitzke. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Dieter Simon. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Jürgen Kaube. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Prof. Dr. André Kieserling. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
Moderator Prof. Dr. Rudolf Stichweh. - Luhmann und die Kultur. Fernwirkungen eines Theoretikers. Projektvorstellung „Niklas Luhmann -Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ am 08.12.2016
 

Programm
Begrüßung 17.00 Uhr

  • Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste

Einführung

  • Prof. Dr. André Kieserling, Bielefeld, Leiter der Forschungsstelle

Diskussionsteilnehmer

  • Prof. Dr. sc. Tc. H.c. Bazon Brock, Berlin
  • Frederick D. Bunsen, Ammerbuch-Breitenholz
  • Jürgen Kaube, Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. André Kieserling, Bielefeld
  • Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Bad Oeynhausen
  • Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Dieter Simon, Berlin

Moderation

  • Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Bonn