AWK - Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya

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Auf einen Blick
  • Beginn: 2014
  • Laufzeit: voraussichtlich bis 2028
  • Ziel: Erschließung der Hieroglyphenschrift der vorspanischen Mayakultur und Aufbau eines Wörterbuchs des Klassischen Maya sowie einer korpusbasierten Datenbank der bislang rund 10.000 bekannten Schriftträger.
  • Leiter: Prof. Dr. Nikolai Grube
  • Standort: Rheinische Friedrich Wilhelms-Universität Bonn
  • Webseite (extern): besuchen
  • Kontakt: E-Mail schreiben

Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya

Forschungsgegenstand ist die Hieroglyphenschrift der vorspanischen Mayakultur, die in der Zeit zwischen 500 v. Chr. und 1500 n. Chr. auf dem Gebiet der heutigen Staaten Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras verwendet wurde. Ziel des auf 15 Jahre angesetzten Vorhabens (Beginn 2014) ist die Erschließung der bislang rund 10.000 bekannten Schriftträger in einem maschinenlesbaren Textkorpus auf der Basis epigraphischer und linguistischer Analysen. Darauf basierend soll ein Wörterbuch des Klassischen Maya (WKM) erstellt werden, das als Datenbank und in gedruckter Form den gesamten Sprachschatz und dessen Verwendung in der Schrift abbildet. Hier wurde eine Forschungslücke erkannt, die im Rahmen dieses Projekts in fünf Arbeitspaketen zu je drei Jahren bis Ende 2027 geschlossen werden soll.

Es handelt sich um das erste Projekt, das mittels maschinenlesbarer Erfassung des Ausgangsmaterials alle Vorkommen der Maya-Hieroglyphen mit Angabe der originalen Hieroglyphenschreibung, Umschrift und Übersetzung sowie Rahmeninformationen in einer korpusbasierten Datenbank integriert. So werden die Grundlagen für ein systematisches Verständnis der Struktur des Schriftsystems und des Klassischen Maya, der dem Schriftsystem zugrunde liegenden Hochsprache, gelegt.

Das Textkorpus wird so angelegt, dass es regelmäßig erweitert und aktualisiert werden kann. Neue Entwicklungen in der Schriftforschung können auf diese Weise verfolgt, Revisionen ergänzt und aktuelle Interpretationen und Beschreibungen integriert werden.
Die korpusbasierte Arbeitsweise ermöglicht es, alle Schrift- und Sprachdaten einschließlich unentzifferter Textstellen zu berücksichtigen, Zitate der jeweiligen Textstellen in originaler hieroglyphischer Schreibung abzubilden, zeitliche und räumliche Angaben einzubinden, epigraphische und sprachwissenschaftliche Analysen durchzuführen, kulturhistorische Kommentierungen sowie Verweise auf Sekundärliteratur zu integrieren.

Aufgrund der umfangreichen Datenmenge ist ein korpusbasiertes Wörterbuchprojekt und somit eine weitergehende Schriftentzifferung nur mittels der datenbanktechnischen Erfassung der Texte und mit Hilfe computergestützter Konkordanz-, Kollokationsanalyse und Textmustererkennung möglich. Dadurch wird erstmals ein vollständiges Inventar sowohl der Schrift als auch der durch sie repräsentierten Sprache erstellt, wodurch die Entwicklung von Schrift und Sprache in historischer Perspektive verfolgt werden kann.

Der Blick in die einschlägige Literatur der jüngeren Vergangenheit zu Typologie und Schriftgeschichte macht deutlich, dass mittelamerikanische Schriftsysteme trotz rasanter Entzifferungserfolge im Fall der Mayaschrift in der vergleichenden Schriftforschung bislang kaum zur Kenntnis genommen werden. Das Akademie-Vorhaben will als Grundlagenprojekt nicht nur den kulturellen Wortschatz und die Summe der Forschungen zur Mayaschrift und -sprache abbilden, sondern gleichzeitig mit dem Datenmaterial einen fundamentalen Beitrag für die vergleichende Schriftforschung leisten.