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25.10.2012

Plagiate bei Doktorarbeiten: Junge Wissenschaftler fordern "Gütesiegel Promotion"

Das Junge Kolleg fordert ein neues "Gütesiegel Promotion", um die Qualität von Doktorarbeiten sicherzustellen. Die jungen Spitzenwissenschaftler der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste warnen vor „Promotionen als Nebenbeschäftigung“ und sprechen sich dafür aus, dass jeder Doktorand an einer Forschungseinrichtung angestellt sein sollte und externe Gutachter bei der Beurteilung hinzugezogen werden. In der aktuellen Diskussion über Plagiate stelle sich die Frage, inwieweit die Fälle prominenter Politiker nur die Spitze des Eisbergs sind.

Wissenschaft und Politik müssten „Konsequenzen ziehen, um unwissenschaftliche Doktorarbeiten mit wenig Substanz zu verhindern“, so das Kolleg in einer Stellungnahme.

Die Anzahl von Plagiaten in Doktorarbeiten und die folgerichtige Aberkennung von Doktortiteln, die in den vergangenen Jahren publik wurden, sind für das Junge Kolleg ein „alarmierendes Zeichen“. Nur ein regelmäßiger Austausch des Doktoranden mit anderen Wissenschaftlern an der beheimatenden Institution könnten zu einer Doktorarbeit mit Gütesiegel führen. „Der Doktortitel muss einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung entsprechen. Als reines Statussymbol darf er nicht herhalten“, erklärte das Kolleg, das bei nachweislichem Fehlverhalten der Fakultäten an Universitäten Konsequenzen fordert: „Dann sollte über eine Aberkennung des Promotionsrechtes nachgedacht werden.“ 

In vielen Fächern beschäftigten sich Doktoranden mehrere Jahre ihres Lebens als Angestellte an Universitäten oder Forschungseinrichtungen intensiv mit ihrem Promotionsthema, erhielten einen Arbeitsplatz und beteiligten sich mit ihrer Forschung und Lehre am Wissenschaftsbetrieb ihrer Fakultäten, so das Junge Kolleg. „Sie stehen im direkten und häufigen Kontakt mit der Promotionsbetreuerin, die somit über die Zeit der üblicherweise zwischen drei bis fünf Jahre dauernde Promotion ein sehr gutes Bild des Doktoranden und seiner Forschungsleistung bekommt. Es liegt auf der Hand, dass es in einem solchen Umfeld kaum zu den oben angesprochenen Problemen kommen wird. Es ist nur in absoluten Ausnahmefällen zu erwarten, dass eine Promotion, die nur in Nebentätigkeit und außerhalb der Wissenschaft angefertigt wird, ein entsprechendes Forschungsniveau haben kann.“

Auch die Politik sei gefragt, um die Weichen für ein neues "Gütesiegel Promotion" zu stellen. Hier bemängelt das Junge Kolleg die sogenannte leistungsorientierte Mittelvergabe, bei der sich Geld nach der Zahl der Promotionen richtet. In Nordrhein-Westfalen wurde diese Kennzahl nach dem Fall zu Guttenberg gestrichen. Die Politik sollte ein Kriterium „Anzahl Promotionen nach neuem Gütesiegel“ einführen, schlägt das Junge Kolleg vor. Die komplette Herausnahme der Promotionszahl aus leistungsorientierten Mitteln hingegen hingegen bestrafe Fakultäten, die sich hervorragend um ihre Doktoranden kümmerten.