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30.07.2013

Vortrag: Biologische Evolution ist permanente Schöpfung

Prof. Dr. Werner Arber, Nobelpreisträger für Medizin/Physiologie und Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, hält am 10.09.2013 in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste einen Votrtrag zum Thema "Biologische Evolution ist permanente Schöpfung ". Während die Naturwissenschaften noch keine sichere Erklärung für die ursprüngliche Schöpfung von Lebewesen gefunden haben, ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, die schrittweise Schöpfung von großer biologischer Vielfalt, ausgehend von einzelligen Lebewesen, im Laufe langer Zeiträume zu erklären. Im Vortrag soll zunächst die wissenschafts-historische Entwicklung dieser Erkenntnisgewinnung dargestellt werden.

Prof. Dr. Werner Arber, Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

Prof. Dr. Werner Arber, Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

Die verfügbaren Resultate zeigen auf, dass die Natur ein eigenständiges Potenzial besitzt, die herkömmliche Erbinformation der Lebewesen zwar zu wahren, aber auch gelegentlich Veränderungen in der Erbinformation einzelner Lebewesen zu veranlassen. Die dabei entstehenden genetischen Varianten sind die Triebkraft der biologischen Evolution. Hinter dieser Evolutionsdynamik stehen spezifische Genprodukte als Variationsgeneratoren und als Modulatoren der Mutationsraten, aber auch nicht-genetische Faktoren, wie Zufälligkeit der Begegnung, natürliche Mutagene und strukturelle Flexibilitäten von biologisch aktiven Molekülen.

Im zweiten Teil des Vortrags folgen weltanschauliche Aspekte der verfügbaren Kenntnisse. Dazu gehört die Dualität des Genoms, der in jedem Lebewesen vorgefundenen Erbinformation, wovon ein Großteil zur Lebensgestaltung des Individuums beiträgt, aber ein anderer Teil zur biologischen Evolution der Art der betroffenen Lebewesen. Von weltanschaulichem Interesse ist auch die Kenntnis, dass im Hinblick auf die nachgewiesene gelegentliche Übernahme von einzelnen Genen aus andersartigen Lebewesen alle Lebewesen nicht nur einen gemeinsamen Ursprung haben (eine Schlussfolgerung von Darwin), sondern auch eine gemeinsame Zukunft. Abschließend soll auf die Übermittlung der erlangten neuen Kenntnisse an die Katholische Kirche hingewiesen werden, ebenso wie auf die Bedeutung dieser Erkenntnisse für das menschliche Orientierungswissen.

Professor Dr. Werner Arber,

wurde 1929 im Schweizer Kanton Aargau geboren und ist auch dort aufgewachsen. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich studierte er Naturwissenschaften mit Diplomabschluss 1953. In seiner Doktoratsarbeit an der Universität Genf zeigte er auf, wie bakterielle Viren gelegentlich als Genvektoren Erbinformation der bakteriellen Wirtszellen auf andere Bakterien übertragen können. Nach einem postdoktoralen Forschungsjahr in den USA kehrte er 1960 an die UniversitätGenf zurück, wo es ihm gelang, die Hintergründe aufzuklären, wie Bakterien in die Zelle eindringend Erbinformation aus andersartigen Lebewesen als fremd erkennen und deren Abbau veranlassen. Die zum Abbau von fremder Erbinformation dienenden Restriktionsenzyme wurden einige Jahre später von anderen Forschern isoliert, und diese Enzyme dienten schon bald zu strukturellen und funktionellen Studien von Erbgut. Dafür wurden Arber und seine amerikanischen Kollegen Smith und Nathans mit dem Nobelpreis in Medizin/Physiologie 1978 geehrt. Inzwischen erforschte Arber seit 1971 als Ordinarius am Biozentrum der Universität Basel die grundlegenden Mechanismen der biologischen Evolution. Unter seine wissenschaftspolitischen Aktivitäten fallen die Mitgliedschaften im Schweizerischen Wissenschaftsrat und im Rektorat der Universität Basel, die Präsidentschaft des International Council for Science (ICSU) und seit 1981 die Mitgliedschaftin der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, die er seit Dezember 2010 präsidiert.

Programm

Begrüßung (18 Uhr)
Prof. Dr. Dr. Hanns Hatt
Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste

Vortrag
Biologische Evolution ist permanente Schöpfung
Prof. Dr. Werner Arber, Basel

Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem Umtrunk ein.