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25.11.2013

10,7 Millionen Euro für zwei neue Langzeitforschungsprojekte

In ihrer Sitzung am 22.11.2013 hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz die Aufnahme von 5 Langzeitforschungsprojekten in das von Bund und Ländern geförderte Akademienprogramm beschlossen. Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste hat den Zuschlag für zwei neue Forschungsvorhaben erhalten. In den beiden Projekten sollen ein Wörterbuch und eine Textdatenbank des klassischen Maya erstellt sowie die fränkischen Herrschererlasse (Kapitularien) kritisch editiert werden. Die beiden Projekte werden an den Universitäten Bonn und Köln angesiedelt; sie starten 2014. Die Gesamtfördersumme beträgt 10,7 Millionen Euro für eine Laufzeit von 15 bzw. 16 Jahren. Damit ist NRW im größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramm Deutschlands mit insgesamt 15 Vorhaben vertreten.

Die Forschungsprojekte

 1. Wörterbuch und Textdatenbank des klassischen Maya

Das Projekt „Wörterbuch und Textdatenbank des klassischen Maya“ wird mit 5,42 Millionen Euro gefördert und hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Es ist angesiedelt am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik der Universität Bonn.
Projektleiter ist Professor Dr. Nikolai Grube, der ein international ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Mayaforschung und Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste ist. Professor Grube gehört seit vielen Jahren zu dem engen Kreis von Experten, die den Durchbruch bei der Entzifferung der klassischen Mayaschrift ermöglicht haben.

Forschungsgegenstand des Projektes ist die Hieroglyphenschrift der vorspanischen Mayakultur, die in der Zeit zwischen 500 v. Chr. und 1500 n. Chr. auf dem Gebiet der heutigen Staaten Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras verwendet wurde. Ziel des auf 15 Jahre angesetzten Vorhabens ist die Erschließung der bislang rund 10.000 bekannten Schriftträger in einem maschinenlesbaren Textkorpus auf der Basis epigrafischer und linguistischer Analysen. Darauf basierend soll ein Wörterbuch des Klassischen Maya erstellt werden, das als Datenbank und in gedruckter Form den gesamten Sprachschatz und dessen Verwendung in der Schrift abbildet. Es handelt sich um das erste Projekt, das mittels maschinenlesbarer Erfassung des Ausgangsmaterials alle Vorkommen der Maya-Hieroglyphen mit Angabe der originalen Hieroglyphenschreibung, Umschrift und Übersetzung sowie Rahmeninformationen in einer korpusbasierten Datenbank integriert.

 2. Edition der fränkischen Herrschererlasse

 Das Projekt „Edition der fränkischen Herrschererlasse“ ist auf eine Laufzeit von 16 Jahren angelegt und wird mit einer Gesamtsumme von 5,28 Millionen Euro gefördert. Es ist angesiedelt am Historischen Institut der Universität zu Köln.
Projektleiter ist Professor Dr. Karl Ubl, der seit 2011 als Professor für Mittelalterliche Geschichte mit dem Schwerpunkt Früh- und Hochmittelalter an der Universität zu Köln lehrt.

Die fränkischen Herrschererlasse (Kapitularien) gehören zu den wichtigsten Quellen der Geschichte des Frankenreichs. Sie zeigen die Versuche der merowingischen und karolingischen Könige, das fränkische Großreich regierbar zu machen, und sind in nahezu allen Bereichen der fränkischen Geschichte eine unverzichtbare Grundlage historischer Erkenntnis (politische, rechtliche, administrative, kirchliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse).
Die Edition will die dezentral in handschriftlichen Sammlungen überlieferten Kapitularien als Einzelstücke kritisch edieren und in rekonstruierter Form mit Übersetzung publizieren. Die zentralen Sammlungen sollen erschlossen und als digitale Edition für die Forschung zugänglich gemacht werden. Während die Buchform die Kapitularien von 814 bis 920 ediert, wird die digitale Edition darüber hinaus auch Kapitularien von 507/511 bis 813 umfassen. Damit leistet das Vorhaben auch einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung der internetgestützten Editionstechnik.
Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit den Monumenta Germaniae Historica (MGH) und mit Unterstützung des Cologne Center for eHumanities (CCeH) durchgeführt. MGH und CCeH sind Projektpartner, das historische Seminar der Universität Tübingen „Edition der Karolingischen Konzilien“ und das Carolingian Canon Law Project, Lexington (Kentucky), sind Kooperationspartner.

Das Akademienprogramm


Das Akademienprogramm ist ein seit 1979/80 von Bund und Ländern gemeinsam finanziertes Programm zur Förderung langfristig angelegter Forschungsvorhaben vornehmlich in den Geisteswissenschaften. Mit dem Akademienprogramm betreiben die deutschen Akademien der Wissenschaften das derzeit größte geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Es wird von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert und hat ein Finanzvolumen von 60 Millionen Euro. Seit 2006 wird das Akademienprogramm jährlich ausgeschrieben. Um darin aufgenommen zu werden, müssen geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte folgende Kriterien erfüllen: überregionale gesamtstaatliche Bedeutung, hohe wissenschaftliche Relevanz, eine Laufzeit zwischen 12 und 25 Jahren und ein finanzielles Mindestvolumen von 120.000 Euro im Jahr. Über den Haushalt des Akademienprogramms, über die Aufnahme von Neuvorhaben und die Fortführung von laufenden Projekten entscheidet die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, in welcher der Bund und die Bundesländer vertreten sind.

Die 15 Forschungsprojekte der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste:

Universität Bochum

  • Herausgabe der Gesammelten Werke G. W. F. Hegels
  • Erforschung von jungen Sternen und Quasaren

Universität Bonn

  • Deutsche Inschriften des Mittelalters
  • Ethik in den Biowissenschaften
  • Kulte im Kult
  • Großräumige Klimaveränderungen und ihre Bedeutung für die Umwelt
  • Rationalität im Lichte der experimentellen Wirtschaftsforschung
  • Herausgabe des Reallexikons für Antike und Christentum und des Jahrbuchs für Antike und Christentum
  • Wörterbuch und Textdatenbank des klassischen Maya (neu)

Universität Düsseldorf

  • Kleine und Fragmentarische Historiker der Spätantike

Universität Köln

  • Sammlung, Kommentierung und Herausgabe von Papyrusurkunden
  • Averroes Latinus-Edition
  • Edition der fränkischen Herrschererlasse (neu)

Universität Münster

  • Novum Testamentum Graecum. Editio critica maior

Universität Wuppertal

  • Arthur Schnitzler: Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931)