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22.01.2014

Feierliche Aufnahme von drei neuen Kollegiaten in das Junge Kolleg

Mit einer feierlichen Festveranstaltung hat die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste drei neue Mitglieder in das Junge Kolleg aufgenommen. Im Rahmen des „Konzertes zum Neuen Jahr“ begrüßte Akademiepräsident Professor Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt vor über 400 Gästen die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Die Aufnahme in das Junge Kolleg gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Nordrhein-Westfalen.Neu aufgenommen wurden Jun.-Prof.in Dr.-Ing. Janina Fels (RWTH Aachen / FZ Jülich), Dr. Eva-Maria Jung (WWU Münster) und Dr. Christoph Michels (RWTH Aachen).

v.l.n.r. : Jun.-Prof.’in Dr.-Ing. Janina Fels, Dr. Eva-Maria Jung, Dr. Christoph Michels, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Professor Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt (Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste)

In seiner Ansprache betonte Präsident Hatt, dass die Erweiterung der Akademie um das Junge Kolleg erheblich dazu beigetragen habe, den wissenschaftlichen Dialog innerhalb der Akademie zu stärken: „Die große Stärke und der Erfolg des Jungen Kollegs lagen und liegen dabei in seiner interdisziplinären Ausrichtung durch den Austausch unter den Kollegiaten, aber auch in der Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Akademie. Dadurch ist ein höchst spannender Diskurs zwischen den Generationen entstanden. Wie selbstverständlich arbeiten heute ehemalige und aktuelle Mitglieder des Kollegs an gemeinsamen Forschungsprojekten und tauschen sich über ihre unterschiedlichen fachlichen Erkenntnisse und beruflichen Erfahrungen aus.“

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze gratulierte den drei neuen Mitgliedern des Jungen Kollegs und wünschte ihnen bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit viel Erfolg. „Das Junge Kolleg ist das Sahnehäubchen der nordrhein-westfälischen Nachwuchsförderung. Seine Mitglieder sind exzellente Forscherinnen und Forscher, sie haben frische Ideen, sind innovativ und sie arbeiten interdisziplinär. Das ist eine gute Ausgangsbasis, um neue Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel, Mobilität oder alternde Gesellschaft zu geben“, so Schulze.

Jun.-Prof.in Dr.-Ing. Janina Fels
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, Institut für Technische Akustik / Forschungszentrum Jülich, Institut für Neurowissenschaften und Medizin

Vita

Janina Fels (Jahrgang 1977) ist seit Oktober 2012 Juniorprofessorin für Medizinische Akustik an der RWTH Aachen. Seit Dezember 2012 arbeitet sie zudem als Gastwissenschaftlerin im Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Strukturelle und funktionelle Organisation des Gehirns (INM-1) am Forschungszentrum Jülich. Sie studierte Elektrotechnik mit der Fachrichtung Nachrichtentechnik (Diplom 2002) an der RWTH Aachen und promovierte dort am Institut für Technische Akustik (Promotion 2008). In ihrer Dissertation untersuchte sie die Entwicklung des binauralen Hörens und von Gehörgangsimpedanzen vom Kleinkind bis zum Erwachsenen mit Mess- und Simulationsverfahren. Seit Januar 2008 leitet sie die Arbeitsgruppe „Medizinische Akustik, Binauraltechnik, Spatial Audio, Audiologie und Psychoakustik“ am Institut für Technische Akustik der RWTH Aachen. Als Postdoktorandin arbeitete sie 2009 an der Weiterentwicklung von Ohrsimulatoren für Kinder für die Hörgeräteentwicklung am „Center for Applied Hearing Research (CAHR)“ an der Technical University of Denmark (DTU) und bei Widex, Dänemark. Für ihre innovativen und wegweisenden Arbeiten auf den Gebieten der Binauraltechnik und der medizinischen Akustik wurde sie im März 2013 mit dem Lothar-Cremer-Preis der deutschen Gesellschaft für Akustik ausgezeichnet.

Forschung
Janina Fels untersucht die Wahrnehmung und Kommunikation in komplexen akustischen Szenen, zum Beispiel unter Lärmeinwirkung in Klassenraumsituationen oder in Großraumbüros. Dies ist sowohl für die Hörgerätetechnologie als auch für kognitionspsychologische Prozesse von großer Bedeutung. Durch Experimente mit Hilfe von computergenerierten akustischen Welten untersucht sie gezielt die Auswirkungen auf das Hören, Erkennen und Verstehen von Sprache. Das räumliche Hören und damit auch die Fähigkeit, Schallquellen zu lokalisieren und Quellen in neurologischen Prozessen zu trennen und zu verstehen, gehen auf das binaurale (zweiohrige) Hören zurück. Ein Schwerpunkt der Forschungsarbeiten von Janina Fels ist, mit Binauraltechnik künstliche akustische Szenen am Ohr der Probanden so realistisch wie möglich zu erzeugen. Sie entwickelt Modelle und Algorithmen für Audiosysteme und Schallexperimente, um u.a. die auditive Wahrnehmung und deren Verarbeitung von Kindern und Erwachsenen in komplexen Schallszenen untersuchen zu können. Mit Hilfe dieser Kenntnisse stehen neue Möglichkeiten in der Hörgeräteversorgung zu Verfügung.


Dr. Eva-Maria Jung

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Philosophisches Seminar

Vita

Eva-Maria Jung (Jahrgang 1979) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar und Geschäftsführerin des Zentrums für Wissenschaftstheorie (ZfW) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie studierte Philosophie mit den Nebenfächern Mathematik und Physik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Università Roma Tré und der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Magister- Abschluss 2005 war sie an der Universität Tübingen (2005 – 2006) und – nach einem Forschungsaufenthalt an der University of California in Berkeley im Jahr 2007 – an der Ruhr-Universität Bochum (2007 – 2009) tätig. Im Sommer 2009 schloss sie ihre Promotion in Bochum ab. Während des Studiums und der Promotion wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Research School der Ruhr-Universität Bochum gefördert.

Forschung
Im Alltag und in den Wissenschaften reicht ein großer Teil unseres Wissens über das hinaus, was wir durch Sprache und Formeln ausdrücken können. Wir wissen, wie man Fahrrad fährt, einen Text interpretiert oder ein Messgerät bedient. In Lehrbüchern wird solches Wissen oft nur durch vage Regeln exemplifiziert, deren Kenntnis nicht garantiert, dass wir über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Diese Wissensformen, welche in Praxis und Erfahrung gründen, stehen im Zentrum der Forschung von Eva-Maria Jung. So widmet sich ihre Dissertation einer erkenntnistheoretischen Analyse praktischen Wissens, der zufolge ein solches Wissen nicht auf Tatsachenwissen reduzierbar ist. Darüber hinaus stellt sie die Bedeutung bildhafter Vorstellungen für Transformations- und Kommunikationsprozesse praktischen Wissens heraus. In ihrem Habilitationsprojekt, das einer systematischen Analyse des wissenschaftlichen Experiments gewidmet ist, steht die Wissenschaftspraxis im Vordergrund. Ziel ist es, eine Theorie des Experiments zu entwickeln, die der Vielfalt experimenteller Formen gerecht wird und sowohl hypothesen-überprüfende als auch schöpferisch-kreative Funktionen des Experiments berücksichtigt. Hierbei sollen neben klassischen Laborexperimenten insbesondere auch Gedanken- und Computerexperimente berücksichtigt werden. Neben erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Themen umfasst das Forschungsfeld von Eva-Maria Jung auch zentrale Fragestellungen der Philosophie des Geistes, insofern es den Versuch einschließt, die den praktischen Wissensformen zugrunde liegenden mentalen Zustände angemessen zu beschreiben.


Dr. Christoph Michels
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen
Historisches Institut, Lehrstuhl für Alte Geschichte

Vita

Christoph Michels (Jahrgang 1977) studierte ab 1998 Geschichte mit Schwerpunkt Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum (Magister Artium 2003 mit einer publizierten Arbeit zum Pergamonaltar). Im Rahmen des von der DFG geförderten Internationalen Graduiertenkollegs „Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert“ wurde er in einem Cotutelle-Verfahren an den Universitäten Innsbruck und Frankfurt/ Main promoviert, wobei er seine Dissertation zur Interdependenz von Kulturtransfer und monarchischer Politik in der Epoche des Hellenismus schrieb. 2008 kehrte Michels nach Bochum zurück und war als PostDoc in einem Teilprojekt des Internationalen Kollegs „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“ an der Ruhr-Universität Bochum angestellt, das sich mit „Veränderungen im west-phönizischen Pantheon‘ unter dem Einfluss der Kulturkontakte mit Griechen und Etruskern sowie der Vorherrschaft Karthagos (im 6.-4. Jh.)“ auseinandersetzte. Wiederholt übernahm Michels Gastdozenturen an der Universität Innsbruck. Seit 2009 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Alte Geschichte des Historischen Instituts der RWTH Aachen.

Forschung
Die Schwerpunkte von Michels’ Forschung liegen zeitlich in der hellenistischen Epoche und der römischen Kaiserzeit. Thematisch beschäftigt er sich primär mit den sprachlichen und bildlichen Zeugnissen des antiken Diskurses über die Charakteristika legitimer Herrschaft sowie mit der Analyse von Kulturkontakten und Identitätskonstruktion. Unter Einfluss der ‚Innsbrucker Schule‘ hat er ebenfalls zu Herodot und der griechischen Archaik gearbeitet. In seiner Promotion behandelte er die Rahmenbedingungen von Kulturkontakten im hellenistischen Osten anhand der Fallbeispiele Bithynien, Pontos und Kappadokien. Gegen die traditionelle Deutung einer staatlich gelenkten „Hellenisierungspolitik“ wurden die Aktivitäten der Könige dieser Reiche als Teil eines spezifischen Repräsentationssystems interpretiert und die kulturellen Veränderungen auf wesentlich komplexere Prozesse zurückgeführt. Sein Habilitationsprojekt widmet sich der Regierungspraxis eines von der jüngeren Forschung wenig beachteten römischen Kaisers bzw. Princeps, Antoninus Pius (138-161 n. Chr.). Michels’ besonderes Interesse gilt dabei den Mechanismen des römischen Prinzipats, die in den letzten Jahrzehnten nicht zuletzt durch transepochale Vergleiche wesentlich erhellt worden sind, und ihren Rückwirkungen auf das Handeln der politischen Akteure.


Das Junge Kolleg

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Nordrhein- Westfalen wurde im Jahre 2006 das Junge Kolleg gegründet, in das bis zu 30 herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachrichtungen für jeweils vier Jahre berufen werden können. Möglich gemacht wurde dieses Förderprogramm durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Mercator. Für 7 Jahre stellte es die größte private Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Nordrhein- Westfalen dar. Ab dem Jahr 2014 hat das Land Nordrhein-Westfalen die Finanzierung übernommen.

Im Jungen Kolleg wird den Mitgliedern eine interdisziplinäre Plattform zum Austausch und zur gemeinsamen Erarbeitung kritischer Bewertung gesellschaftlich relevanter Fragen geboten. Die maximal 30 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler werden fachlich, finanziell und ideell unterstützt. Sie erhalten bis zu vier Jahre lang ein jährliches Stipendium in Höhe von 10.000 Euro und nehmen am Akademie-Leben teil. Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Jungen Kolleg sind - zusätzlich zur Promotion - herausragende wissenschaftliche Leistungen an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung in Nordrhein-Westfalen. Die Mitglieder dürfen bei ihrer Aufnahme in das Kolleg nicht älter als 36 Jahre sein und noch keine unbefristete Hochschullehrerstelle innehaben.