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10.02.2014

Stellungnahme des Jungen Kollegs zum Referentenentwurf des Hochschulzukunftsgesetzes

Das Junge Kolleg teilt die gegen den Referentenentwurf des Hochschulzukunftsgesetzes vorgebrachten Bedenken (z.B. ausgeführt im Statement der NRW Akademie der Wissenschaften und der Künste vom 14. Januar 2014). Insbesondere die vielfältigen neuen Steuerungsinstrumente des Ministeriums bedeuten einen gravierenden Rückschritt für die Autonomie der Hochschulen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer kritischer Punkte, die besonders für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler relevant sind und eine Überarbeitung im Detail erfordern:

1. Perspektive für den wissenschaftlichen Nachwuchs?
Der vorliegende Entwurf verbessert die Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses nicht. Verbesserungen könnten zum Beispiel durch die verstärkte Einrichtung von Juniorprofessuren mit tenure track erreicht werden. Statt wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit hohem Lehrdeputat den Titel "Lecturer" (§ 44 Abs. 2) zu verleihen, sollte ein flexibleres Konzept zur Neugestaltung der Hochschullehrerstellen erarbeitet werden, das auch Karrierewege unterhalb der W2/W3-Ebene eröffnet, ohne dass dadurch die Qualität von Forschung und Lehre eingeschränkt wird.
 
2. Qualitätsverlust durch Bestehensquote?
Die im Jungen Kolleg organisierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fühlen sich einer hohen Qualität und steten Verbesserung der Lehre verpflichtet. Wir begrüßen die mit dem Gesetz angestrebte Senkung der Studienmisserfolgsquote (§ 7 Abs. 2 und § 16 Abs. 1a). Ein solches Ziel darf jedoch keinesfalls zu Lasten der Qualifikation der Absolventinnen und Absolventen gehen. Aus diesem Grund sehen wir in einer starren Studienerfolgsquote ein ungeeignetes Steuerungsinstrument und fordern stattdessen adäquate Anreizsysteme für ein Studium in der Regelzeit. Denn der Studienerfolg hängt nicht allein vom Engagement der Universitäten ab, sondern daneben ganz wesentlich von anderen Faktoren, wie dem Eigenengagement der Studierenden und ihren Eingangsvoraussetzungen.
 
3. Beruf und Familie:
Wir begrüßen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für wissenschaftlich Beschäftigte verstärkt berücksichtigt wird (§ 3 Abs. 5). Konkrete Maßnahmen und Anreize von Seiten des Ministeriums fehlen jedoch im Entwurf.
 
4. Genderquote:
Das Junge Kolleg hält ein Kaskadenmodell grundsätzlich für ein interessantes Förderungsinstrument bei Berufungsverfahren (§ 37a). Die sich aus dem Kaskadenmodell ergebenden Quoten sollten jedoch nur auf die Neuberufungen angewendet werden, nicht auf die in der betroffenen Fakultät zum jeweiligen Zeitpunkt bereits installierten Professuren. Dies würde männlichen und weiblichen Bewerbern die gleichen Chancen eröffnen. Zusätzlich empfiehlt das Junge Kolleg eine Evaluierung eines solchen Modells in regelmäßigen Abständen sowie die Berücksichtigung der spezifischen Situationen einzelner Fachbereiche (vgl. Statement des Jungen Kollegs “Frauenquote in der Wissenschaft” vom 25.10.2013). Eine starre (und bei ungerader Anzahl der Mitglieder alternierende) Quote zur Besetzung von Gremien, wie sie im Referentenentwurf vorgesehen ist (§11c), lehnen wir ab. Auch hier könnte ein Kaskadenmodell die nötige Flexibilität gewährleisten.