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01.04.2015

Statement der AG Hochschulpolitik des Jungen Kollegs zum Thema "Gremienarbeit"

Mitarbeit in universitären Gremien ist ein integraler Bestandteil der Aufgaben des wissenschaftlichen Nachwuchses. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen gemeinsam durch ihre Kompetenzen und ihr Engagement in der akademischen Selbstverwaltung, wie z. B. in Berufungskommissionen und Prüfungsausschüssen, zum Erfolg und zur Weiterentwicklung ihrer Universität in Forschung und Lehre bei. Während Gremienarbeit die Sichtbarkeit der Mitwirkenden auf Fakultätsebene erhöht und Einblick in die internen Abläufe der Universität gewährt, kostet sie jedoch auch wertvolle Qualifikationszeit. Sie kann aufgrund mangelnder Würdigung des individuellen Engagements unattraktiv wirken. Außerdem stellt sie Forschende mit zu betreuenden Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen vor eine oft nur schwer zu bewältigende zeitliche Herausforderung.

Um Gremienarbeit attraktiver zu machen und Nachteile für engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu vermeiden, sollten geeignete Maßnahmen ergriffen werden.  Zunächst ist ein Kriterienkatalog zu entwickeln, der den Zeitaufwand und die dadurch entstandene Mehrbelastung individuell erfassbar macht. Darauf aufbauend sollte ein geeignetes Kompensationsmodell abhängig vom Fachbereich, von der Qualifikationsstufe und dem jeweiligen Beschäftigungsverhältnis erarbeitet werden. Die Fakultäten sollten sich hierbei jeweils auf angemessene, gerechte und effektive Maßnahmen zur Anerkennung des kontinuierlichen Engagements in universitären Gremien verständigen. 

Möglich sind unter anderem  

  • die temporäre Entlastung in Administration und Lehre zur Intensivierung von Forschungsvorhaben (u.a. auch zur Fertigstellung von Qualifikationsarbeiten oder Projektanträgen) des wissenschaftlichen Nachwuchses;
  • die positive Berücksichtigung von Gremienarbeit – neben den Forschungs- und Lehrleistungen – bei der Beurteilung von Beschäftigungsverhältnissen,  insbesondere im Rahmen der Zwischenevaluationen von Juniorprofessuren, sowie bei der Verhandlung von Ziel- und Leistungsvereinbarungen;
  • organisatorische Unterstützung bei den Dienstaufgaben durch eine Hilfskraft;
  • die Bewilligung von angemessenen Leistungsprämien oder -zulagen, wenn das Engagement mit einer überproportionalen Beanspruchung verbunden ist;
  • die Verlängerung der Laufzeit befristeter Arbeitsverträge.


Die im neuen Hochschulzukunftsgesetz (HZG NRW) vom 16. September 2014 in §11c berücksichtigte „Geschlechtergerechte Zusammensetzung von Gremien“ sieht eine geschlechtsparitätische Besetzung der Hochschulgremien vor, um die Belange aller Interessengruppen gleichermaßen zu vertreten. Allerdings bezieht sich diese nur auf das Gremium als Ganzes. Somit besteht die Möglichkeit, die Vorgabe der Geschlechterparität bei fehlenden Vertreterinnen einer Interessengruppe (z. B. Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer) durch die einer anderen Gruppe (z. B. wissenschaftliche Mitarbeitende) zu erfüllen. Dies kann dazu führen, dass Nachwuchswissenschaftlerinnen – meist in zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen – in die Pflicht genommen werden, für paritätische Repräsentanz zu sorgen. Angesichts des geringen Frauenanteils in manchen Fachbereichen ist ein Alternieren kaum umsetzbar. Ihr Engagement in einer Vielzahl von Gremien geht unter Umständen zu Lasten ihrer eigenen Forschung und Lehre. 

Gremienarbeit stellt aufgrund ihrer zeitlichen Terminierung auch eine besondere Herausforderung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar. Deshalb sollte auf eine effiziente Sitzungsleitung (einschließlich fester Anfangs- und Endzeiten) geachtet werden. So werden Gremien im universitären Alltag häufig als zusätzliche Verpflichtung neben der üblichen Forschungs- und Lehrtätigkeit gesehen und tagen in den Abendstunden. Familien mit zu betreuenden Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen werden dadurch besonders beansprucht. Um die Kinderbetreuung oder häusliche Pflege in Abstimmung mit der Dienstzeit zu gewährleisten, sollten sich die Fakultäten dazu verpflichten, dass Gremien und Kommissionen der akademischen Selbstverwaltung grundsätzlich während der regulären Betreuungszeiten (z. B. durch Kindergarten, Schule und Tagespflege) abgehalten werden. Abweichungen von dieser Regelung sollten rechtzeitig vorher angekündigt und Kinderbetreuungsmöglichkeiten angeboten bzw. finanzielle Unterstützung für stundenweise Kinderbetreuung oder Verhinderungspflege gewährt werden. 

Das Junge Kolleg regt an, die oben skizzierten Rahmenbedingungen zu schaffen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs bei der Gremienarbeit  nachhaltig zu unterstützen.