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04.10.2017

BIOART UND BRAIN PAINTING. Mit Vorträgen von Adi Hoesle, Prof. Dr. Ralf Scherer, Prof. Dr. Ludwig Siep

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "WISSENSCHAFT UND KUNST. Eine Verbindung mit Zukunft"

Künstler entdecken das Leben selbst als Medium ihrer  künstlerischen Recherche. Ziel der BioArt ist, durch künstlerischen, spielerischen Umgang mit den Methoden der  Biotechnologie deren Absichten und Zwecke kritisch zu  hinterfragen. Auf diese Weise soll die vorurteilsfreie  ethisch-moralische Bewertung durch die Gesellschaft  ermöglicht werden.  Die Künstler reklamieren für sich einen „Glaubwürdigkeitsbonus“. So können sie als Vermittler zwischen Wissenschaft  und der Öffentlichkeit auftreten.  Die Gesellschaft erwartet, dass auch die ethischen Aspekte des Eingriffs in biologische Systeme angesprochen und  befriedigend gelöst werden. Dort wo Künstler in  Forschungslaboratorien mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten, müssen die Künstler ihre Projekte vor den dort  etablierten Ethikkomitees vertreten. Dabei haben die Wissenschaftler oft Schwierigkeiten, den Nutzen eines  künstlerischen Projekts zu bewerten. Dennoch könnte die  Eindringlichkeit der Frage oder die Kraft der Aussage den  eigentlichen Nutzen einer künstlerischen Arbeit darstellen. Einen international anerkannten „Code of Ethics“ für  „BioArt“ oder synthetische Biologie gibt es bisher jedoch  nicht.  Aus der Sicht der Ethik sind aber nicht nur die Grenzen der zwischenmenschlichen Moral und der Tierethik für die  BioArt von Bedeutung. Vielmehr könnte das erweckte  Bewusstsein über die biotechnischen Möglichkeiten auch  zu einer gesellschaftlichen Diskussion über die Ziele und Ausmaße der Beherrschung und technischen Optimierung  der lebendigen Natur führen. Voraussetzung dafür ist das  wechselseitige und das öffentliche Verständnis der Intentionen und Möglichkeiten von BioArt, Biowissenschaften  und Ethik. 

Zu den Vortragenden

Prof. Dr. med. Dr. (B) Ralf Scherer hat an der Université Catholique de  Louvain in Belgien Medizin studiert und 1979 am Unversitätsklinikum  Münster seine Ausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie begonnen. Nach  der Habilitation 1984 war er von 1987 bis 2016 Chefarzt am Clemenshospital  in Münster. Im Jahre 2006 hat er eine Ausstellung kuratiert, „Diagnose (Kunst). Die Medizin im Spiegel der zeitgenössischen Kunst“, die im Kunstmuseum Ahlen und im Museum im Kulturspeicher Würzburg gezeigt wurde. 

Adi Hoesle ist Künstler, Retrogradist und Kurator. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt er sich mit Rückbildungsmaßnahmen im Kunst- und Kulturbetrieb, sowie in Forschung und Wirtschaft. Er gründete 1998 die Arbeitsgemeinschaft  Retrograde Strategien, seit 2003 kooperiert er mit den Universitäten  Tübingen (Prof. Birbaumer), Rostock und Würzburg im Bereich der Neuroscience, 2012 gründete er das Art Research Lab (ARL). Er war Kurator der Foundation Tichy Ocean in Zürich. Seit 1990 realisiert er Ausstellungen  und Kunstprojekte im In- und Ausland, u.a. SIGGRAPH Los Angeles, AEC  Linz, Kunsthalle Rostock, Hamburger Bahnhof in Berlin. 

Prof. Dr. phil. Ludwig Siep studierte Philosophie an der Universität Freiburg, wo er 1969 promovierte und 1976 habilitierte. Es folgten eine Visiting  assistant professorship an der Universität in Princeton und Lehrstuhlvertretungen  in Berlin und Heidelberg bevor er 1978 eine Professur für Philosophie  an der Universität Duisburg erhielt. Von 1986 bis 2011 war er Professor  für Philosophie und Direktor des Philosophischen Seminars der Universität  Münster.  Ludwig Siep ist seit 1993 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen  Akademie der Wissenschaften und der Künste. 

Brain Painting – Eine Erklärung von Adi Hoesle

Seit Urzeiten beschäftigt die Menschheit - insbesondere  Künstlerinnen und Künstler - die Frage: wie und wo  entsteht Kunst?  Lessing hat diese Frage in seinem Werk „Emilia Galotti“: wunderbar formuliert „Oder meynen Sie, Prinz, daß  Raphael nicht das größte malerische Genie gewesen wäre, wenn er unglücklicher Weise ohne Hände wäre geboren  worden?“  Die Kunst emanzipiert sich im 3. Jahrtausend vom Geschick der Hände. Statt zu Pinsel und Farbe greift der  Maler zum EEG-Messgerät und einem Brain-Computer-  Interface (BCI) – auf diese Weise entstehen virtuelle Gemälde, die „Brain Paintings“. Technologie und Kunst  treiben sich in diesen Projekten gegenseitig an, verhelfen  zu neuen kreativen Werkzeugen und neuer Deutung.  Ursprünglich als Kommunikationsmöglichkeit für Patienten im Stadium kompletter Immobilität (Locked-In)  konzipiert, hat der Künstler Adi Hoesle diese Technologie  für die Kunst adaptiert, sie einer kreativen Nutzung  zugeführt. Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen oder Tanz  entstehen direkt durch das Gehirn. BCI ist eine Zukunftstechnologie, an der weltweit zu Einsatzmöglichkeiten im  Bereich Medizin, Informationstechnologie und Mobilität geforscht wird.  Technologie, Wissenschaft und Kunst begeben sich in  eine Kooperationssituation. Sie generieren Innovation aus  dem Schoß der Kunst, versuchen eine Technologie für den Einsatz als künstlerisches Werkzeug neu zu entdecken  und der Kultur neue Ausdrucksmittel in die Hand, besser in die Köpfe zu geben. Der neurophysiologische Denkprozess  wird zum Werk an sich.

Brain Painting – LIVE

Adi Hoesle wird nach der Veranstaltung und zusätzlich am 5. und 6. Oktober 2017, jeweils von 10 bis 16 Uhr, sein Brain Painting Equipment interessierten Besuchern zur Verfügung stellen. Gäste können nach einer kurzen Einführung an dem Brain Painting Projekt live teilnehmen und selbst ein Bild „erdenken“. Nach dem Versuch kann das entstandene „Werk“ ausgedruckt werden.