AWK - Detailansicht Presse

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

16.04.2018

Flucht und Migration

„Plurale Gesellschaft? - Wirkungen von Flucht und Migration“: Unter diesem Titel befasste sich das Junge Kolleg am 12. April mit unterschiedlichen Konsequenzen aus dem Zuzug von Flüchtlingen und Zuwanderern in Deutschland. Die Themen des interdisziplinären Symposiums waren: die Herausforderungen an das deutsche Gesundheitssystem, das neue Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen und englischsprachige fiktionale Texte muslimischer Autorinnen.

Interdisziplinäres Symposium des Jungen Kollegs am 12. April 2018

Der Zuzug von Menschen kann ein Land kulturell und ökonomisch bereichern, birgt aber auch Konfliktpotentiale: Gesundheits- und Rechtssysteme können an ihre Grenzen stoßen. Die Vorträge des Symposiums gaben einen Einblick in diese Anforderungen an die staatlichen Systeme.
Prof. Dr. Oliver Razum stellte seine Untersuchungen vor, die er an der Universität Bielefeld in der Fakultät für Gesundheitswissenschaften zu „Migration und Gesundheit“ durchgeführt hat. In seinem Vortrag „Herausforderungen an das deutsche Gesundheitssystem. Zuwanderer als Patient*innen“ zeigte er durch seine statistischen Erhebungen, dass der Zugang zum deutschen Gesundheitssystem keineswegs ein Menschenrecht ist, sondern vom Aufenthaltsstatus der Zugewanderten abhängt.

Dr. Susanne Gössl vom Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Familienrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn berichtete sehr kritisch über das neue Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen. Bei diesem, so das Mitglied des Jungen Kollegs, stehe nicht die juristische Methodik im Vordergrund, sondern politische Symbolik. Denn vor allem für die unter 16jährigen ausländischen Eheleute hat sich die rechtliche Situation verschlechtert, weil das neue Gesetz keine individuelle richterliche Würdigung der Lebenssituation der Betroffenen mehr vorsieht.

Prof.'in Dr. Irina Dumitrescu stellte „Englischsprachige fiktionale Texte muslimischer Autorinnen. Möglichkeiten der Repräsentation“ vor und ließ ihre persönlichen Migrationserfahrungen in ihren Vortrag und die Diskussion einfließen. „Migration wird oft missverstanden als eine binationale Bewegung – von einem Land in ein anderes“, bemerkte die gebürtige Rumänin, die als Hochschullehrerin in den USA und Kanada tätig war, bevor sie an das Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universtität Bonn kam. In den von ihr vorgestellten Texten muslimischer Protagonistinnen wurde deutlich, dass Migration häufig viel komplizierter, viel kosmopolitischer verläuft.

Moderiert wurde die Veranstaltung und Podiumsdiskussion von PD Dr. Andrea Steinbicker (Junges Kolleg) von der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster. „Die Vielfalt der Menschen und Kulturen in unserem Land anerkennen – im Rahmen unseres Grundgesetzes“, so fasste Prof. Dr. Oliver Razum in der Podiumsdiskussion die Anforderung an uns als Gesellschaft zusammen. Diese Stellungnahme fand auch den Applaus des Publikums, das sich rege an der Schlussdiskussion beteiligte.