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27.04.2018

Grenzen und Entgrenzung

Existieren Grenzen in Wissenschaft oder Kunst trotz verbriefter Freiheit im Grundgesetz? Dieser Frage geht die Veranstaltungsreihe „Horizonte und Grenzen in Wissenschaft und Kunst“ nach, die am 20. April eröffnet wurde. Unter dem Titel „Grenzen und Entgrenzung in Kultur und Wissenschaft?“ loteten die drei Vortragenden die historischen Erkenntnisse und Grenzverschiebungen in Kultur, Medizin und Physik aus.

Die Veranstaltungsreihe „Horizonte und Grenzen in Wissenschaft und Kunst“ geht der Frage nach, ob und welche Grenzen in Wissenschaft oder Kunst existieren. Dem allgemeinen Verständnis von Wissenschaft und Kunst nach sind diese nur sich selbst verantwortliche Disziplinen - ihre Freiheit ist im Grundgesetz in Artikel 5, Absatz 3 verankert. In der Auftaktveranstaltung vom 20. April unter dem Titel „Grenzen und Entgrenzung in Kultur und Wissenschaft?“ loteten die Vortragenden, alle drei Mitglieder der Akademie, die historischen Erkenntnisse und Grenzverschiebungen in Kultur, Medizin und Physik aus.

Vortrag „Grenzen und Entgrenzung in Kultur und Kunst“

Grenzverschiebungen sind in unserem Leben eine vertraute, alltägliche Erscheinung – verursacht durch den hyperdynamischen Fortschritt in Technik und Wirtschaft. In seiner Skizzierung der Kultur- und Kunstgeschichte zeigte Prof. Dr. Hans Peter Thurn, dass Virtualität immer schon eine Domäne der Künstler war und was heute „Cross over“ genannt wird, nichts Anderes als das bekannte Verschmelzen von Neuem und Altem bedeutet. Mit dem Schwerpunkt auf der Kunst der Moderne seit dem frühen 20. Jahrhundert machte er deutlich, dass die Künstler als Seismographen mit ihren Kunstwerken das Unsichtbare sichtbar machen und zur Expedition ins Ungewisse einladen.

Vortrag „Mediziner als Retter der Menschheit? Grenzüberwindung und Optimismus im Zeitalter des Positivismus 1850 – 1914“

Mit August Comte, dem „Erfinder“ des Positivismus, begannen die Menschen im 19. Jahrhundert an den unaufhaltsamen Fortschritt von Naturwissenschaft, Technik und Medizin zu glauben. Die Überzeugung, dass in Kürze das Rätsel von menschlicher Krankheit und Gesundheit durch die Naturwissenschaft gelöst werden würde, nahm die Züge einer Religion an – mit einem neuen Priestertum: den Ärzten. Prof. Dr. Dr. Klaus Bergdolt beschrieb in seinem Vortrag die Entwicklung des Positivismus und deren Kritiker und fasste auch die gegenwärtige Haltung in Worte, die geprägt ist von wachsender Skepsis. Mit unserem heutigem Wissen können wir die Grenzen und den Dogmatismus der positivistischen Naturwissenschaft erkennen.

Vortrag „Grenzen der Physik“

Stephen Hawking war sich 1979 sicher, dass spätestens bis zum Jahr 2000 das Ende der Physik erreicht sein würde, weil bis dahin die alles erklärende einheitliche Theorie gefunden sein würde. Seine Prophezeiung ist auch heute noch nicht eingetreten. Eine vollständig vereinheitlichte physikalische Theorie, eine Art „Weltformel“, die Gravitation und Quantentheorie verknüpft, wurde noch nicht gefunden. Prof. Dr. Claus Kiefer spannte in seinem Vortrag den Bogen von den Anfängen der Physik bei Galileo und Newton über Einsteins Relativitätstheorie bis zur Quantentheorie des 20. Jahrhunderts und er stellte mit der „M-Theorie“, der Multiversums-Theorie, die vielversprechendste Kandidatin für eine Weltformel vor.