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11.07.2018

„Immanente Grenzen in Wissenschaft und Kunst“

Die dritte Veranstaltung aus der Reihe „Horizonte und Grenzen in Wissenschaft und Kunst“ hat am 6. Juli 2018 stattgefunden - mit vier Akademiemitgliedern aus sehr verschiedenen Disziplinen: Theologie, Hirnforschung, Bauingenieurwesen und Bildende Kunst. Es wurden Impulsvorträge gehalten, anschließend gab es eine Podiumsdiskussion mit Beteiligung des Publikums.

Akademiepräsident Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Prof. Anthony Cragg, Prof.'in Dr. Stefanie Reese, Prof. Dr. Onur Güntürkün, Sekretar Prof. Dr. Walter Krämer, Prof. Dr. Thomas Söding (v.l.n.r.).

Nach der Begrüßung durch Akademiepräsident Prof. Dr. Wolfgang Löwer eröffnete Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum, den Abend mit seinem Vortrag „Unendliche Horizonte begrenzten Wissens. Die Theologie im Horizont der Wissenschaften“. Die Theologie versteht sich als Wissenschaft vom Glauben, indem sie es unternimmt, den Glauben vom Wissen zu unterscheiden und sie besitzt die Fähigkeit, auch das Nichtwissen von Gott wissenschaftlich zu reflektieren. Für Söding die Voraussetzung für eine Kritik des Fundamentalismus.

Wird unser Gehirn irgendwann für neurowissenschaftliche Geräte transparent sein? Der Biopsychologe an der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Onur Güntürkün, zweifelt daran, dass dieser Alptraum sich bewahrheiten könnte und bat das Publikum um ein kleines Experiment: 50 Sekunden lang sollten die Besucher das eigene Denken beobachten. Sie stellten fest: Gedanken sind chaotisch und nicht unbedingt verbal – wie sollte das jemals von außen lesbar werden? Er setzte sich in seinem Vortrag mit der Frage auseinander: „Die Gedanken sind frei – oder vielleicht doch nicht? Möglichkeiten und Grenzen der Hirnforschung“.

Die Professorin für Angewandte Mechanik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Stefanie Reese, stellte ihr System des Tissue Engeneerings, der künstlichen Herstellung wachsenden, biologischen Gewebes, am Beispiel einer Herzklappe vor. Der Titel ihres Beitrages: „Computerbasierte Modellbildung – lassen sich bestehende Grenzen zwischen Technikwissenschaft und anderen Disziplinen überwinden?“ Sie zeigte, wie bei ihrem Forschungsgegenstand disziplinübergreifende Lösungen gefunden werden. Ihr Ziel ist die Entwicklung auch anderer tissue-engeneerter körperlicher „Ersatzteile“ mithilfe computergestützter Simulation.

Der Bildhauer Prof. Dr. h.c. Anthony Cragg schlug den Bogen zum ersten theologischen Beitrag, indem er in einem historischen Abriss über die große Bedeutung der christlichen Kirche und Religion für die Kunst referierte. Die erstarkende Naturwissenschaft nach der Renaissance hat Religion und Kunst entthront und eine tiefe Trennung von der Kunst erzeugt. Dabei ist nur die Kunst in der Lage, die Bilder für die starken Emotionen zu finden, die all die technischen Errungenschaften beim Menschen ausgelöst haben. Er behauptete in seinem Vortrag provokativ: “Kopf oder Zahl – Ohne Kunst ist Wissenschaft bedeutungslos“.

Die Vortragenden wurden vom Sekretar der Klasse der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, Walter Krämer, jeweils dem Publikum vorgestellt. Der Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund moderierte die Diskussion zwischen den Referenten/der Referentin auf dem Podium sowie mit dem Publikum.