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26.09.2018

Translationale Grundlagenforschung am Beispiel der Virushepatitis

Viren sind weltweit eine der Hauptursachen für akute und chronische Lebererkrankungen: Etwa 300 Millionen Menschen leiden darunter. Durch den Erfolg der translationalen, interdisziplinären medizinischen Forschung können auch Hepatitis C-Patienten geheilt werden, obwohl es noch keinen effektiven Impfstoff gibt. Darüber sprach in der Akademie ein renommierter Virologie: Prof. Dr. Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie an der Universitätsklinik Heidelberg wie auch Direktor der Abteilung für Virus-assoziierte Karzinogenese am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Dass die Hepatitis C-Infektion bei fast allen Patienten kurativ durch antivirale Medikamente heilbar ist - trotz fehlender Impfung - sei das Ergebnis der translationalen Grundlagenforschung, die ganz wesentlich die Basis für die Medikamentenentwicklung zur Behandlung dieser Virusinfektion gelegt habe. Translational wird diese spezifisch medizinische Forschung genannt, bei der präklinische Untersuchungsergebnisse unmittelbar klinisch weiterentwickelt werden. Dieses Verfahren hat einen großen Einfluss auf die Medikamentenherstellung und damit auf die Heilbarkeit von Patientinnen und Patienten.

Seit rund drei Jahren ist Hepatitis C bei fast allen Patienten heilbar. Dieser Erfolg ist das Ergebnis großer Anstrengungen nicht nur der Industrie, sondern auch der akademischen Grundlagenforschung, die ganz wesentlich die Basis für die Medikamentenentwicklung zur Behandlung der Hepatitis C-Virusinfektion gelegt hat, wie Prof. Dr. Bartenschlager ausführte. Wesentliche Anteile daran haben die Charakterisierung der Angriffsziele für die antiviralen Medikamente, die Entwicklung von Testsystemen für die Wirkstoffentwicklung sowie die Entschlüsselung der Wirkmechanismen der heute genutzten Medikamente. Obwohl mit dieser erfolgreichen Therapie die chronische Hepatitis C wirksam bekämpft werden kann, wird die globale Ausrottung des Hepatitis C Virus ohne einen effektiven Impfstoff sehr wahrscheinlich nicht möglich sein. Der erfahrene Virologe war sich sicher, dass die translationale Grundlagenforschung in diesem Bereich, aber auch bei der Entwicklung einer kurativen Therapie der chronischen Hepatitis B, die es bis heute nicht gibt, weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird.

 

Prof. Dr. Ralf Bartenschlager ist einer der weltweit meistzitierten Wissenschaftler im Fachgebiet der Virologie, mehr als 300 Arbeiten hat er veröffentlicht. Seit 2003 ist er an der Universität Heidelberg tätig, wo er die Molekular- und Zellbiologie von Hepatitis- und bestimmten Tropenviren untersucht. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Robert-Koch Preis und dem Lasker-DeBakey Clinical Medical Research Award. Seit 2013 ist er Mitglied in der Deutschen Akademie der Naturforscher.