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11.10.2018

Leo Brandt-Vortrag: „Die Anfänge der Schrift in Mesoamerika“

Den diesjährigen Leo-Brandt-Vortrag hat am 10. Oktober 2018 Akademiemitglied Prof. Dr. Dr. h.c. Nikolai Grube gehalten. Er berichtete von den Anfängen der Schrift im Kulturraum Mesoamerika, der das heutige Mexiko und die angrenzenden Länder Zentralamerikas umfasst. Dort entstanden in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende zahlreiche Schriftsysteme, mit denen Sprache aufgezeichnet werden konnte. Nikolai Grube ist Leiter des Bonner Forschungsvorhabens „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“, das von der nordrhein-westfälischen Akademie im Rahmen des Akademienprogramms gefördert wird.

Leo Brandt-Vortrag 2018: Prof. Dr. Dr. h.c. Nikolai Grube

In seinem Vortrag erklärte der Professor für Altamerikanistik und Ethnologie, dass die frühen mesoamerikanischen Schriftsysteme von großem komparativem Interesse sind, da sie völlig ohne Kontakte zur Alten Welt entstanden. Insbesondere im Osten Mesoamerikas haben sich mit den Schriften der Maya, der so genannten Isthmus-Schrift und der zapotekischen Schrift Hieroglyphenschriften entwickelt, welche eng an die jeweiligen Sprachen angelehnt sind und zahlreiche formale Merkmale teilen, wie das Schreiben in vertikalen Kolumnen und die ausgeprägte Ikonizität.

Prof. Dr. Dr. h.c. Nikolai Grube führte aus, dass die Anfänge dieser Schriften sich insbesondere mit der Wiedergabe von Namen in Verbindung bringen lassen. Die Schrifttraditionen waren sehr regional und ethnisch geprägt und nahmen daher ganz unterschiedliche Entwicklungen. Während die zapotekische Schrift eine hauptsächlich auf Wortzeichen beruhende Schrift blieb, haben die Isthmus-Schrift und die Maya-Schrift schon früh das Zeichenrepertoire um Silbenzeichen ergänzt, welche grammatikalische Bezüge zu repräsentieren vermochten. Neue Funde von frühen Schrifttexten der Maya, die in das 4. Jahrhundert v. Chr. datieren, zeigen bereits lineare sprachabbildende und von Ikonographie losgelöste Texte, die auf vorausgehende, aber nicht dokumentierte Evolutionsstufen hindeuten. Der digitale Zeichenkatalog des Akademie-Projekts „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ erlaubt es nun, den Prozess der Schriftentstehung und Phonetisierung am Beispiel der Maya-Schrift nachzuvollziehen und die frühen Entwicklungsstufen zu rekonstruieren.

Jedes Jahr im Oktober findet in der Akademie ein Leo Brandt-Vortrag statt - zu Ehren des damaligen Ministerialdirektors Prof. Dr. Leo Brandt (1908-1971), der sich um die Gründung der Akademie verdient gemacht hat. Seiner Initiative ist die Entstehung der „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen“ 1950 zu verdanken - die Vorläuferorganisation der „Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste“.

Weitere Informationen über das Forschungsvorhaben „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“ hier.