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07.11.2018

Vernissage am 09.11.2018, 19:00: Ausstellung „Responsibilisation“ Mit Werken von Rozbeh Asmani und Ale Bachlechner (Junges Kolleg)

Die Arbeiten von Rozbeh Asmani und Ale Bachlechner, wählen komplementäre Strategien um sich mit aktuellen Fragestellungen nach sozialer und ökologischer Verantwortung auseinanderzusetzen. Während Asmanis Objekte, Drucke und Installationen die uns über Gebühr vertraute Formensprache des Kapitalismus verdichten und verfremden, nutzt die city center studio Produktion "Studio Hallo" das populäre Format der Serie um sich diskursiv und visuell auszubreiten und zu verstricken.

Beiden Ansätzen ist eigen, dass sie in der Rezeption auf ein Wiedererkennen von Farben, Formen und Logiken setzen. Allerdings auf eines, das sich nicht vollständig einlöst, bei dem ein produktiver Bedeutungsüberschuss entsteht, ein Rest, der sich nicht fügen will.

Öffnungszeiten der Ausstellung: 12. — 22. Nov. 2018, Mo – Do, 12 – 17 Uhr

Der Titel „Responsibilisation“ beschreibt allgemein die Übertragung von Verantwortung, die zuvor bei Institutionen und Autoritäten lag, an Individuen, denen eine aktive und tragende Rolle in der Problembewältigung gegeben wird. Dies umfasst die diskursive Neufassung sozialer und ökologischer Risiken und Probleme wie Klimawandel, Krankheit, Armut, Arbeitslosigkeit, etc. nicht als Verantwortungbereiche des Staats, sondern als Fragen der individuellen „Vorsorge“, „Selbstsorge“ und beispielsweise des „nachhaltigen Konsums“. Individuen werden zunächst ungeachtet ihrer sozialen Situierung und ihrer jeweiligen Abhängigkeiten als autonome Akteure verstanden, die Entscheidungen treffen, den Verlauf ihres Lebens zu weiten Teilen selbst bestimmen und daher auch zur Verantwortung gezogen werden müssen. Dass dem gegenüber die tatsächlich mögliche Einflussnahme auf Sachverhalte (Wirkmacht) und individuelle Handlungsmacht (Agency) sehr ungleich verteilt sind, wird zu wenig berücksichtigt. Die Arbeiten der Ausstellung beschäftigen sich mit dieser Disproportion, die sich an so vielen Stellen im Alltag bemerkbar macht.

Rozbeh Asmani https://rozbehasmani.de

Was zunächst wie ein harmloses Wolkenbild aussieht, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als Dokumentation von Aneignungsstrategien. Das Wandbild „Himmelblau“ und eine Serie von Siebdrucken von Tankstellen zeigt die Anwendung der durch große Mineralölkonzerne markenrechtlich gesicherten Farben. 16 Kohlebriketts aufgereiht in einem Bündel sind als dreidimensionale Form beim Marken- und Patenmtamt eingetragen. Der zweitgrößte deutsche Energielieferant hat sich diese Marke juristisch gesichert. In seinen Abgüssen eignet sich Rozbeh Asmani diese Form an. Die Plastiken wurden aus „REA-Gips“ gegossen, dass bei der Entschwefelung von Abgasen in deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke abfällt. Anschließend wurden sie mit „Lakritzextrakt“ beschichtet, jenem schwarzen Gold, das aus dem natürlichen Saft der Süßholzwurzel beseht und am besten in der heißen Erde des Irans, der Heimat des Künstlers, gedeiht. Mit der Verwendung dieser Materialien kommentiert Rozbeh Asmani mit einem Augenzwinkern die geopolitische Situation fossiler Rohstoffe.

Ale Bachlechner / city center studio http://alebachlechner.com/

"Studio Hallo" ist ein performatives, post-dokumentarisches online Fernsehformat. Mit Ideen und Keimen, die man gerne verbreitet. „Die Leute sagen: Wenn etwas wie "Studio Hallo" plötzlich aufploppt, kann das ein Schock sein oder eine Art Weckruf. Oder auch der Eindruck von bloßem Wohlbefinden - eine namenlose Verdichtung von Gedanken und Gefühlen. Oder ein Alibi für die ganze Gewalt, Ungleichheit und den sozialen Wahnsinn, die sich offen in der Oberfläche der gewöhnlichen Dinge verstecken. Oder eine Flucht vor der abstumpfenden Routine und den selbstzerstörerischen Strategien des Weitermachens.”

Die vier Folgen nutzen Straßenbefragungen, Choreographien, dokumentarisches Material und Improvisationen um sich mit dem Wetter, mit Krankheit, Ungleichheit, Angst, der Frage nach gesellschaftlicher Teilhabe und Verantwortung auseinanderzusetzen. Folge 4 wurde teilweise in den Räumlichkeiten der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste gedreht, deren Diskussionssaal, mit seiner kreisrunden Architektur, ein Ideal vom Dialog auf Augenhöhe verkörpert, wie es sich auch in den Sälen von politischen Entscheidungsgremien häufig wiederfindet. In „Studio Hallo“ befragen PerformerInnen diese räumliche Anordnung danach, welche Erwartungen und Hoffnungen sich konkret mit ihr verknüpfen und wo ihre Limitationen liegen.

„Studio Hallo“ wurde konzipiert und realisiert von city center studio
(Ale Bachlechner, Jonathan Kastl, Felix Zilles-Perels).

Studio Hallo 1: https://vimeo.com/253304914Studio Hallo 2: https://vimeo.com/258780166Studio Hallo 3: https://vimeo.com/267286400