AWK - Detailansicht Presse

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

18.04.2019

„Doktor Gräsler, Badearzt“: Drittes Werk von Schnitzler online gegangen

Im Rahmen des binationalen Forschungsprojekts "Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931)" ist die philologisch an der Bergischen Universität Wuppertal erarbeitete und vom Trier Center for Digital Humanities medientechnologisch aufbereitete Edition der erstmals 1917 publizierten Erzählung Doktor Gräsler, Badearzt online gegangen (www.arthur-schnitzler.de). Das deutsche, Anfang 2012 gegründete und als Forschungsvorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste im Rahmen des Akademienprogramms geförderte Teilprojekt bearbeitet die Werke ab 1914; das britische, vom Arts and Humanities Research Council (AHRC) finanzierte Teilprojekt hat Anfang 2014 seine Arbeit aufgenommen und bearbeitet Werke von 1905 bis 1913.

Die jetzt in einer Beta-Version vorgelegte digitale Ausgabe bietet neben einem zitierfähigen, um eindeutige Textfehler bereinigten Lesetext mit Sachkommentar vor allem die historisch-kritische Erstedition des gesamten überlieferten, Notizen, Skizzen und ein Typoskript umfassenden Nachlassmaterials zu Doktor Gräsler (einschließlich erläuternder Beitexte zu Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte aller edierten Dokumente).

Zum Projekt: https://www.arthur-schnitzler.de/

Zur digitalen Edition: https://www.arthur-schnitzler.de/edition/genetisch

Für alle bislang von Arthur Schnitzler digital edierten Werke (d.h. Fräulein Else, Marionetten und Doktor Gräsler, Badearzt) fertiggestellt und veröffentlicht wurde außerdem ein neues Modul der Edition, die sogenannte ‚Chronologie‘. Es handelt sich hierbei um eine interaktive Ansicht, die alle zu dem jeweils ausgewählten Werk gehörigen Dokumente entsprechend ihren Entstehungsdaten sortiert auf einem Zeitstrahl anordnet, so dass die Entstehung eines Werks auch visuell nachvollziehbar wird. Diese Rekonstruktion wird durch zugehörige entstehungsgeschichtliche Daten und Kommentare (Zitate aus Tagebüchern oder Briefen) belegt und illustriert.   

Das Forschungsprojekt Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931) wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Bergischen Universität Wuppertal, der University of Cambridge und dem University College London in Kooperation mit der Cambridge University Library, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Arthur-Schnitzler-Archiv-Freiburg sowie mit dem Trier Center for Digital Humanities durchgeführt.

Ziel des Großprojekts ist die Erarbeitung einer digitalen historisch-kritischen Edition und deren Publikation im Rahmen einer von der Cambridge University Library als ‚host‘ beherbergten öffentlich zugänglichen Online-Plattform. Im Gegensatz zu anderen bedeutenden Vertretern der Klassischen Moderne waren die Werke des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862–1931) für lange Zeit nicht in einer wissenschaftlichen Edition greifbar. Während Werke aus der frühen Schaffensperiode (bis 1904) im Rahmen eines vom FWF geförderten Wiener Projekts als historisch-kritische Buchausgabe (und als eBook) erscheinen (de Gruyter 2011ff.), nutzt Arthur Schnitzler digital die medienspezifischen Möglichkeiten einer von Beginn an digital konzipierten Edition für die Präsentation der Werke ab 1905. Unter Einbeziehung des umfangreichen, 1938 nach Cambridge geretteten (und heute hauptsächlich dort, zu einem kleineren Teil in Marbach und vereinzelt anderenorts aufbewahrten) Nachlassmaterials bietet das Forschungsprojekt Einblicke in Arbeitsweise und produktionsästhetische Prinzipien eines Autors, der die gesamte Epoche der Klassischen Moderne von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende literarisch äußerst vielgestaltig und mit hochgradiger Sensibilität für ihre Probleme und Widersprüche begleitet hat.

Das Online-Portal führt die physikalisch getrennten Archivbestände erstmals virtuell zusammen und vereint die Funktionen eines digitalen Archivs und einer Edition. Sämtliches überliefertes Material – Manuskripte wie Typoskripte – wird digital reproduziert, transkribiert und durch Kommentare, Register etc. erschlossen. Auf der Basis von verschiedenen Textansichten (semidiplomatische Transkription, genetisch-interpretierende Rekonstruktion, Lesefassung) entsteht – gestaffelt nach Publikationseinheiten, die jeweils weitere Funktionalitäten bieten  – eine multiperspektivische, die Dimensionen der ‚Textualität‘ und der ‚Materialität‘ gleichermaßen berücksichtigende Edition.