AWK - Detailansicht Veranstaltungen

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

04.03.2009, 14:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 519. Sitzung

Professor Dr. Klaus R. Schubert, Dresden: "Experimente zur Quarkmischung und zur Brechung der Quark-Antiquark-Symmetrie"; Professor Dr. Martin Krönke, Köln: "Antibiotika-resistente Bakterien auf dem Vormarsch - Strukturbasierte Konzepte neuer immunologischer Abwehrmechanismen"

Klaus R. Schubert, Professor Dr, geboren am 28. Dezember 1939 in Freiberg/Sachsen.

1958 –1963 Studium der Physik an der Technischen Hochschule Karlsruhe, der Technischen Universität Berlin und der Universität Heidelberg. 1963 –1966 Doktorand am MPI für Kernphysik in Heidelberg. Promotion mit einer experimentellen Kernphysik-Arbeit. 1966 –1975 als CERN Fellow, Gastwissenschaftler der Universität Hamburg und CERN Staff Member am Europäischen Teilchenforschungszentrum CERN in Genf. 1972 Habilitation an der Universität Hamburg. 1975 –1988 wissenschaftlicher Rat und Professor an der Universität Heidelberg, dazwischen drei Semester Vertretungsprofessur an der Universität Hamburg. 1988 –1993 Professor an der Universität Karlsruhe, dazwischen ein Semester Gastprofessur am Caltech Pasadena. Ab 1993 Professor an der Technischen Universität Dresden. Seit 2006 im Ruhestand. Mitarbeit in mehreren Gremien des CERN, des BMBF und des SLAC -Laboratoriums der Stanford University.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Untersuchungen von Antimaterie gehören seit deren Entdeckung 1932 zum Programm de experimentellen und theoretischen Teilchenphysik. Die immer vollständiger erscheinende Symmetrie zwischen Materie und Antimaterie wurde 1955 durch das CPT-Theorem von W. Pauli erklärt. Eine 1964 entdeckte kleine Brechung der Symmetrie im Zerfall neutraler K-Mesonen blieb lange Zeit unverstanden. Der Vortrag zeigt, wie das Phänomen mit einem Bild auf dem Niveau der Quarks erklärt wird, ohne die CPT-Symmetrie zu brechen. Die Brechung wird in diesem Bild durch Quarkmischung bewirkt, die auf der Wechselwirkung von Quarks mit dem Higgs-Boson beruht. Experimente zur Quarkmischung stützen dieses Bild bisher ohne jeden Widerspruch. Zu den Experimenten gehören auch die Entdeckungen der Mischung von D- und B-Mesonen mit ihren jeweiligen Antiteilchen. Eine weitere Stütze des Bildes brachte die 2001 entdeckte Brechung der Materie-Antimaterie-Symmetrie in Zerfällen neutraler B-Mesonen. Das Bild reicht leider nicht aus – wenn es mit dem heutigen Standardmodell der Kosmologie verknüpft wird – um die Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie im Universum zu verstehen.

Martin Krönke, Professor Dr. med., geb. am 9. April 1953 in Marburg.

1972 –1979 Studium der Medizin, Johannes-Gutenverg-Universität Mainz. 1979 Ärztliche Prüfung, Approbation als Arzt, Promotion zum Dr. med., Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. 1988 Habilitation an der Universität Göttingen, Medizinische Fakultät. 1989 Arzt für Laboratoriumsmedizin, Ärztekammer Niedersachsen.1993 Arzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Bayerische Landesärztekammer. 1995 Professor und Direktor des Instituts für Immunologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1999 Professor und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Klinikum der Universität zu Köln. 2002 Leiter des Zentrums für Molekulare Medizin der Universität zu Köln (ZMMK).

Ehrungen: 1989 Wissenschaftspreis Medizinische Grundlagenforschung, SmithKline Beecham Stiftung. 2000 Maurerpreis für Dermatologische Forschung. 2001 Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Immunologie, Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, Deutsche Krebsgesellschaft, American Association for the Advancement of Science, International Cytokine Society, American Association of Immunologists, American Society for Microbiology, American Society for Biochemistry and Molecular Biology, Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Gentherapie, Akademie gemeinnütziger Wissenschaften Erfurt, Deutsche Krebshilfe: Fachausschuss Klinische Forschung, kliniknahe Grundlagenforschung, Medical Microbiology and Immunology, Lymphokine and Cytokine Research, Cytokine and Growth Factor Reviews, Journal of Biological Chemistry, Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Hauptarbeitsgebiete: Apoptosemechanismen, Spezifische Effektor- und Regulationsmechanismen des Immunsystems.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Die Angst vor Infektionskrankheiten hat ganz wesentlich damit zu tun, dass sie ansteckend sind. Kurz nach der Einführung von Antibiotika im Jahr 1940 wähnte man die Infektionskrankheiten bereits als besiegt. Angesichts der rasanten Ausbreitung von Antibiotikaresistenten Bakterien muss man jedoch bezweifeln, ob es wegen der enormen Anpassungsfähigkeit der Bakterien überhaupt gelingen kann, gegen sie ein dauerhaft wirksames Antibiotikum zu entwickeln. Grund zur Hoffnung im Kampf gegen Bakterien gibt uns vor allem unser eigenes Immunsystem. Das Immunsystem ist älter als der Mensch selbst. Auch niedere Tierspezies wie Frösche und Fliegen verfügen über ein schlagfertiges Immunsystem, welches während Millionen von Jahren der Auseinandersetzung mit mikrobiellen Infektionserregern effektive Abwehrmechanismen gegen Bakterien entwickelt hat. Bemerkenswerterweise wird eine Resistenzentwicklung von Bakterien gegenüber immunologisch Effektormechanismen nur sporadisch beobachtet. Bei einigen Infektionserregern bleibt jedoch nicht nur die Bildung einer protektiven, spezifischen Immunantwort aus, es ist auch nicht gelungen, mit traditionellen Verfahren einen Impfstoff zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund erlangt die Erforschung früher Ereignisse der Wirt-Erreger-Interaktion ihre besondere Akzentuierung. Für die meisten infektiösen Krankheitserreger verfügt die infizierte Zelle über autonome Abwehrmechanismen, die zu einer Elimination des Erregers führen. Insbesondere intrazelluläre Infektionserreger haben im Verlauf der Evolution Mechanismen entwickelt, dieses Abwehrsystem zu unterlaufen. Das verstärkte Verständnis initialer Prozessierungsmechanismen von Infektionserregern in Körperzellen wird langfristig dazu beitragen, neue therapeutische Strategien bei Infektionen mit Antibiotika-resistenten Bakterien zu entwickeln.