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05.06.2013, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 545. Sitzung

Professorin Dr. Brigitte Falkenburg, Dortmund: "Mythos Determinismus - Wieviel erklärt uns die Hirnforschung?"

Professorin Dr. Brigitte Falkenburg

Brigitte Falkenburg ist promovierte Philosophin (1985 Bielefeld) und Physikerin (1986 Heidelberg). 1987-1898 war sie in einem DFG-Projekt im Institut für Didaktik der Physik an der Universität Gießen tätig, 1989-1993 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg. 1992 habilitierte sie sich an der Universität Konstanz in Philosophie. 1993-1997 war sie Heisenberg-Stipendiatin der DFG und im akademischen Jahr 1995/96 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 1997 ist sie Professorin für Theoretische Philosophie mit Schwerpunkt Philosophie der Wissenschaft und Technik an der Technischen Universität Dortmund. Von 2004 bis 2012 war sie Sprecherin der Arbeitsgruppe Philosophie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Seit 2008 ist sie Mitglied im Kuratorium der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) Heidelberg, seit Ende 2012 im Vorstand der Heisenberg-Gesellschaft.

Arbeitsgebiete
Kants Theorie der Natur; Neukantianismus; Philosophische Probleme der Physik (Teilchenphysik, Astrotelchenphysik und Kosmologie); Naturalismus, Determinismus und Hirnforschung; Philosophie der Technik.

Aus dem Inhalt des Vortrages:

"Mythos Determinismus: Wieviel erklärt uns die Hirnforschung?"

In der öffentlichen Debatte um die Hirnforschung ist umstritten, inwieweit das menschliche Verhalten durch das neuronale Geschehen determiniert ist. Der Vortrag zielt auf die wissenschaftstheoretische Klärung einiger Behauptungen, die gern in dieser Debatte aufgestellt werden. Eine naturalistische und reduktionistische Sicht des Bewusstseins beruht in der Regel auf der These der kausalen Geschlossenheit der Welt. Doch es ist höchst unklar, was diese These bedeuten soll, wenn es vor dem Hintergrund der heutigen Physik nicht gelingt, einen eindeutigen Kausalbegriff zu definieren, der mit einem strikten Determinismus einhergeht. Dies ist folgenreich für die These des neuronalen Determinismus; sie lässt sich weder auf strikte noch auf eindeutige kausale Erklärungen gründen. Im Vortrag wird gezeigt, auf welch komplexem Geflecht unterschiedlicher Arten von wissenschaftlicher Erklärung die Erfolge der kognitiven Neurowissenschaft beruhen: Mechanistische Erklärungen, die nicht mit einem strikten Determinismus einher gehen; kausale Bedingungen in einem recht schwachen Sinn, die oft weder notwendig noch hinreichend dafür sind, das neuronale Geschehen mit den damit korrelierten Bewusstseinsphänomenen zu verknüpfen; sowie Analogieschlüsse, die auf dem Informastionsbegriff beruhen. Zusammengehalten wird dieses Geflecht von Erklärungen durch eine kausale Heuristik, deren philosophische Tragweite im Vortrag kritisch hinterfragt wird.