AWK - Detailansicht Veranstaltungen

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

12.06.2013, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 90. Sitzung

Professor Dr. Malte Brettel, Aachen: "Effectuation – eine neue Denk- und Handlungsweise für unser (ökonomisches) Leben?"; Professor Dr. Gerd Bacher, Duisburg: "Nanomaterialien in der Elektrotechnik – Hype oder Chance?"

Professor Dr. Malte Brettel

Prof. Dr. Malte Brettel ist Inhaber des Lehrstuhls Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler an der RWTH Aachen.

Seine akademische Laufbahn führte ihn vom Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, Fachrichtung Maschinenbau, an der TU Darmstadt zur Promotion und Habilitation an die WHU – Otto Beisheim School of Management und über eine kommissarische Leitung des Lehrstuhls International Entrepreneurship an der Handelshochschule Leipzig (HHL) schließlich an die RWTH Aachen. Hier lehrt er die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre und des Unternehmertums insbesondere für Ingenieure und Naturwissenschaftler. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit dem Aufbau junger Unternehmen und neuen Geschäfts in etablierten Unternehmen. Insbesondere interessieren ihn dabei, wie sich ein hoher Innovationsgrad und die damit verbundene Unsicherheit sowie die Dominanz einzelner handelnder Personen ("owner-manager dominance") auf die Führung jungen Geschäfts auswirken. Malte Brettel hat für seine Lehre u.a. einen "Best teacher Award" gewonnen und ist im Rahmen der Forschung 2012 als aktuell forschungsstärkster Professor in Deutschland im Bereich Unternehmertum ausgezeichnet worden, gemäß Handelsblatt-Ranking.

Die praktische Laufbahn von Malte Brettel führte ihn nach seinem Studium zuerst zu einem Beratungsunternehmen für Controlling und Organisationsentwicklung, in dem er insgesamt mehr als vier Jahre als Berater und Projektleiter arbeitete. In 1999 war er einer der Gründer des Unternehmens justbooks/ABEBooks, in dem er mehrere Jahre als Geschäftsführer in Düsseldorf und Managing Director in London tätig war.

Neben der Forschung und der Lehre ist Malte Brettel Prorektor der RWTH Aachen, zuständig für Wirtschaft und Industrie. Für die RWTH verantwortet er auch das Gründerzentrum, das zwischen 30 und 40 Ausgründungen pro Jahr begleitet. Zudem dient er dem Verband der Wirtschaftsingenieure (VWI) als Vizepräsident. Malte Brettel ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Professor Dr. Gerd Bacher

Werkstoffe der Elektrotechnik, Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Universität Duisburg-Essen

Geboren am 3. März 1962 in Backnang, legte ich im Jahre 1981 das Abitur am Taus-Gymnasium in Backnang, Baden-Württemberg, ab. Nach dem Grundwehrdienst nahm ich zum Oktober 1982 mein Physikstudium an der Universität Stuttgart auf, welches ich 1989 mit Auszeichnung abschloss. Es folgte die Promotion zum Dr. rer. nat. mit dem Thema "Exzitonendynamik in Quantenfilm-Heterostrukturen: Energie-, Impuls-, und Phasenrelaxation" an der Universität Stuttgart bei Prof. Dr. M. Pilkuhn.
Nach dem Wechsel an die Universität Würzburg durfte ich am Lehrstuhl Technische Physik (Prof. Dr. A. Forchel) eine  Arbeitsgruppe „II-VI Verbindungs-Halbleiter – Nanostrukturen und Bauelemente“ aufbauen und bis 2003 betreuen. Während dieser Zeit erfolgte von 1997 bis 1998 ein Forschungsaufenthalt am Tokyo Institute of Technology, Japan, bei Prof. Dr. S. Arai. 1998 habilitierte ich mich auf dem Gebiet der Experimentalphysik.

Es folgte der Ruf auf eine C4-Professur für Werkstoffe der Elektrotechnik an die Universität Duisburg-Essen, welche ich zum 1. Mai 2003 antrat. Zusammen mit einem Kollegen aus dem Maschinenbau konnte ich einen neuen Studiengang NanoEngineering ins Leben rufen und wirke seit Dienstantritt in Duisburg als stellvertretender Sprecher des Graduiertenkollegs ‚Nanotronics‘, als Prodekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, als Vorstandsmitglied des Centers für Nanointegration (CENIDE) und des Kompetenznetzes Optische Technologien (OpTechNet) sowie als Mitglied im Fachausschuss 5 der ASIIN.

Im Zentrum der aktuellen Forschungsaktivitäten stehen elektrotechnische Anwendungen von Nanostrukturen, insbesondere in der Spintronik und Optoelektronik. Dies wird durch über 200 Publikationen in begutachteten Journalen sowie mehr als 80 eingeladene Vorträge dokumentiert. Dazu kommen Tätigkeiten als Gutachter für Fördereinrichtungen (DFG, DAAD, FOM, Equipex, GIF) und wissenschaftliche Journale sowie Mitgliedschaften im Programmkomitee internationaler Konferenzen.

Aus dem Inhalt des Vortrages

"Nanomaterialien in der Elektrotechnik – Hype oder Chance?"

‚Nano‘ ist in aller Munde. In ‚Nanostrukturen ‘ werden faszinierende Phänomene entdeckt und neuartige Anwendungsperspektiven aufgezeigt. Nanostrukturen sind winzig klein und ihre Eigenschaften hängen in ganz prägnanter Weise von der Größe ab. Betrachtet man den Einsatz von Nanomaterialien in elektrotechnischen Anwendungen fragt man sich: Hype, d.h. zeitlich begrenzte Modeerscheinung, oder reelle Zukunftschance? Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund, dass einige der herausragenden Eigenschaften von Nanomaterialien nur bei extremen Bedingungen, wie z.B. Temperaturen in der Nähe des absoluten Nullpunkts, nachweisbar sind.

Im Vortrag wird anhand ausgewählter Beispiele verdeutlicht, wie Nanokristalle mit Ausdehnungen im Bereich weniger Milliardstel Meter spannende elektrotechnische Anwendungsfelder eröffnen, wie sie mit herkömmlichen Materialien nicht oder nur eingeschränkt möglich sind.

Bettet man optisch aktive Nanokristalle zwischen transparente Kontakte, lassen sich Leuchtelemente herstellen, die fast perfektes weißes Licht emittieren. Vorteil ist hierbei die kostengünstige und großflächig skalierbare Herstellungsroute aufgrund der einfachen Prozessierbarkeit nanokristalliner Materialien. Eine neue Form von Licht emittiert gar ein einzelner Nanokristall. Seine spezifischen elektronischen Eigenschaften ermöglichen die Realisierung eines Bauelementes, welches einzelne Photonen ‚auf Bestellung‘ liefert. Der Vortrag demonstriert, dass dies nun bei Raumtemperatur möglich ist – ein wichtiger Fortschritt gegenüber bisherigen Forschungsergebnissen.  Fügt man den Nanokristallen zusätzlich winzige Mengen an magnetischen Atomen bei, erhält man Materialien, welche elektrische, optische und magnetische Funktionalität vereinen. Es wird gezeigt, wie die Größe diese Funktionalität beeinflusst und Raumtemperatur-Anwendungen möglich werden. Dies eröffnet den Weg zu Bauelementen, bei denen Magnetismus durch Licht oder durch Anlegen einer Spannung gesteuert werden kann.