AWK - Detailansicht Veranstaltungen

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

17.07.2013, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 552. Sitzung

Professor Dr. Ulrich Hartl, Martinsried: "Molekulare 'Anstandsdamen': Rolle bei Proteinfaltung und Neurodegeneration"; Professor Dr. Claus Laemmerzahl, Bremen: "Relativitätstheorie im Alltag"

Prof. Dr. Ulrich Hartl,

studierte Medizin an der Universität Heidelberg. 1985 wurde er am Institut für Biochemie mit summa cum laude zum Dr. med. promoviert. Als Post-Doktorand arbeitete er 1985 und 1986 bei Walter Neupert am Institut für Physiologische Chemie der Universität München. Dort war er auch von 1987 bis 1989 Arbeitsgruppenleiter. Ein weiterer Postdoc-Aufenthalt führte ihn zu William Wickner an die University of California, Los Angeles. 1990 habilitierte er sich – wieder in München – zum Dr. med. habil. und wurde dort Akademischer Rat. Im darauf folgenden Jahr folgte er einem Ruf als Associate Professor für Zelluläre Biochemie an das Sloan Kettering Institute und Cornell Medical College in New York. 1993 wurde er Full Professor. Ab 1994 war er auch Associate Investigator des Howard Hughes Medical Institute. Als Direktor der Abteilung Zelluläre Biochemie am Max-Planck-Institut für Biochemie Martinsried kehrte er 1997 nach Deutschland zurück. Im gleichen Jahr erhielt er eine Honorarprofessur an der Universität München. Von 2001 bis 2003 war er Vizepräsident und von 2003 bis 2005 Präsident der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie. Hartl arbeitet auf den Gebieten der physiologischen Chemie, der Zellbiologie und der Biochemie. Besonders beschäftigt er sich mit der Proteinfaltung. Er studierte den Prozess der Faltung im Zytosol bei Bakterien, Archaeen und Eukaryoten und konnte 1989 den Nachweis erbringen, dass molekulare Chaperone Proteine falten. Er erforscht, warum die Aktivität der Chaperone mit dem Alter sinkt und wie sie wieder aktiviert werden können. Außerdem untersucht er neue Therapieansätze für neurodegenerative Krankheiten, die durch Fehlfaltung oder Verklumpung von Proteinen entstehen, zum Beispiel Alzheimer, Parkinson oder Chorea Huntington. Für seine Forschungsarbeiten hat Hartl mehrere nationale und internationale Preise erhalten, u.a. den Leibniz-Preis der DFG, die Otto-Warburg-Medaille der GBM, den Heineken-Preis für Biochemie und Biophysik, den Lasker Award for Basic Medical Research und den Shaw Prize in Life Science and Medicine.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Molekulare 'Anstandsdamen': Rolle bei Proteinfaltung und Neurodegeneration

Proteine übernehmen lebensnotwendige Aufgaben in allen Zellen. Doch um ihre biologische Funktion ausüben zu können, müssen sich die kettenartigen Moleküle nach ihrer Synthese an den Ribosomen erst zu komplexen, dreidimensionalen Strukturen falten. Dieser Prozess wird durch verschiedene Klassen molekularer Chaperone vermittelt, die in geordneten Reaktionswegen kooperieren. Ihre zentrale Aufgabe ist die Verhinderung der Proteinaggregation, denn fehlgefaltete und aggregierte Proteine sind für die Zelle nicht nur nutzlos, sondern können auch toxisch sein. Die Effizienz der Chaperone nimmt jedoch im Alter ab und eine Reihe altersbedingter Krankheiten wie die Alzheimerdemenz oder der Morbus Parkinson werden durch die Ansammlung von Proteinaggregaten verursacht. Unsere Forschungsarbeiten der letzten Jahre haben zu einem besseren Verständnis der Rolle der Chaperone bei Proteinfaltung und neurodegenerativen Faltungskrankheiten beigetragen.

Prof. Dr. rer. nat. Claus Lämmerzahl,

geboren am 19.07.1956 in Engen/Hegau, Baden-Württemberg. 1975-1981 Diplomstudiengang Physik an der Universität Konstanz mit dem Schwerpunkt Theoretische Physik. 1982 Diplomarbeit über „Neutroneninterferenz im Gravitationsfeld“ bei Prof. Dr. J. Audretsch. 1989 Promotionsarbeit „Contribution to a constructive axiomatics of space-time geometry“ bei Herrn Prof. Dr. J. Audretsch. 1997 Habilitation im Fach “Theoretische Physik“.

1989 bis 2000 Wissenschaftlicher Angestellter an Universität Konstanz. In den Jahren 1992, 1995, 1996 und 1997 Forschungsaufenthalte an der Universidad Autonoma Metropolitana (UAM), in Mexico D.F, Mexico sowie 1994 bis 1995, 1996 bis 1998 Gastaufenthalte als CNRS-Gastwissenschaftler am „Laboratoire de Gravitation et Cosmologie Relativiste“ in Paris, Frankreich. 2000 bis 2003 Anstellung als Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Experimentalphysik der Universität Düsseldorf. Im Jahre 2003 folgt der Wechsel an das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, Universität Bremen, als Leiter der Arbeitsgruppe „Fundamental Physics“. 2007 Post-Habilitation „Theorie der Uhren und Maßstäbe in Gravitationsfeldern. Theoretische und experimentelle Grundlagen der Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie“ an der Universität in Konstanz. 2010 Ernennung zum Professor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 2012 Übertragung der Institutsleitung
für das ZARM Institut, Universität Bremen. Leitung der Abteilung Space Science am ZARM sowie der Forschungsgruppen „Fundamental Physics, Theroetical Physics, Space Technology and Micro Satellites“. 2012 Bestellung zum Geschäftsführer der ZARM Fallturm Betriebsgesellschaft mbH.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Relativitätstheorie im Alltag

Die Einsteinsche Allgemeine Relativitätstheorie wird üblicherweise mit kleinsten Effekten wie der Lichtablenkung an der Sonne und der Periheldrehung des Merkurs oder mit der Physik Schwarzer Löcher, mit Zeitreisen, Wurmlöchern, dem warp drive und mit der Kosmologie in Verbindung gebracht – also insgesamt entweder mit sehr kleinen Effekten, oder mit Dingen, die sich irgendwo weit draußen im Universum abspielen.

In diesem Vortrag wird kurz auf diese Dinge eingegangen, dann aber gezeigt, dass die Allgemeine Relativitätstheorie auch für unser tägliches Leben von enormer und weiter wachsender Bedeutung ist. Nur mit Hilfe der Allgemeinen Relativitätstheorie funktioniert z.B. unser Navigationssystem im Auto und im Flugzeug. Wenn wir diese Theorie nicht berücksichtigen, würden sich innerhalb eines Tages die Fehler im Navigationssystem auf über 10 km aufaddieren.

Auch die Definition der internationalen Atomzeit ist nur unter Berücksichtigung der Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie  möglich. Des Weiteren wird gezeigt, dass die Allgemeine Relativitätstheorie auch absolut notwendig ist bei verbesserten Geodäsiemissionen, die in Kürze gestartet werden und mit deren Hilfe das Gravitationsfeld der Erde sehr genau ausgemessen wird, womit man z.B. die Eisabschmelzung und andere geologische Prozesse in entfernten schwer zugänglichen Gebieten sehr genau verfolgen kann.

Daneben macht es die in letzter Zeit erfolgte enorme Verbesserung der Genauigkeit von Uhren möglich, das Gravitationsfeld auch mit Uhren hochgenau auszumessen und damit auch andere Effekte wie die Rotation der Erde oder torsionale Effekte der Erdoberfläche auszumessen. Auch dies ist nur mit Hilfe der Allgemeinen Relativitätstheorie möglich. Zum Schluss wird noch ein kurzer Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen gegeben.