AWK - Detailansicht Veranstaltungen

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

04.09.2013, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 91. Sitzung

Professor Dr. Klaus F. Zimmermann, Bonn: "Zirkuläre Arbeitsmigration und ihre Folgen"; Professorin Doris Schmitt-Landsiedel, München:"Nanomagnetische Logik – eine mögliche Nachfolgetechnologie der heutigen CMOS-Elektronik mit geringer Verlustleistung und hoher Packungsdichte"

Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann

ist seit 1998 Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften der Universität Bonn und Gründungsdirektor des unabhängigen Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Er leitet das mit dem IZA verbundene, weltweite arbeitsökonomische Forschernetzwerk aus über 1200 Fellows in 45 Ländern. Er ist seit 2001 Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin und seit 2006 Honorarprofessor an der Renmin University of China in Beijing. Zimmermann studierte und habilitierte an der Universität Mannheim, war ein Jahrzehnt Professor der Universität München und nahm zahlreiche Gastprofessuren im Ausland wahr. Er ist u.a. Mitglied im Verein für Socialpolitik, der European Economic Association, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Akademia Europaea.

Zimmermann gründete die European Society of Population Economics, deren Sekretär (1986-1992) und Präsident (1994) er lange Jahre war, sowie das Journal of Population Economics, dessen Herausgeber er seit 25 Jahren ist, und das er zur führenden Fachzeitschrift dieser Disziplin machte. Als Programmdirektor des Centre for Economic Policy Research (CEPR) für Human Resources und Labour Economics in London gehörte er ein Jahrzehnt (1991-2001) zum internen Führungszirkel des einflussreichsten europäischen ökonomischen Forschungsnetzwerkes. Von 2000-2011 leitete er neben seiner Aufgabe in Bonn als Präsident das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das größte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut in Berlin.

Er war und ist beratend für die Europäische Kommission in Brüssel, die Weltbank und zahlreichen Regierungen der Welt tätig und schreibt regelmäßig in führenden internationalen Medien. Er ist Autor oder Herausgeber von 45 Büchern, über 115 Aufsätzen in Fachzeitschriften und über 130 Kapiteln in Sammelbänden. Seine Forschungsschwerpunkte sind Arbeits- und Migrationsökonomie. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, darunter 1998 den Distinguished John G. Diefenbaker Award des Canada Council for the Arts.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Zirkuläre Arbeitsmigration und ihre Folgen

In der modernen Gesellschaft ist Wanderung Bedrohung, Herausforderung und Chance. Die globale Wirtschaft mit ihrem technischen Fortschritt macht Mobilität zu einem zentralen Faktor. In der gesellschaftlichen Diskussion ist Migration Zuwanderung, also dauerhafte Einwanderung. Das entspricht nicht Notwendigkeit und Realität, insbesondere für die Arbeitsmigration. Wandernde Arbeitskräfte folgen den Marktbedingungen und relativen Knappheitsverhältnissen und tragen so zu einer besseren Allokation wirtschaftlichen Ressourcen und damit zu größerem Wohlstand bei. Der ständige Wandel und aufkommende Chancen führen dazu, dass Arbeitskräfte sich neu orientieren: Sie können zurückkehren, weiter wandern und wieder losziehen, vom Ursprungsort oder von einer temporären, anderen neuen Heimat. Dann spricht man von Rückkehrmigration, Wiederholungsmigration und zirkulärer Migration.

Die Arbeitsmigration, insbesondere über nationale Grenzen hinweg, erfolgt in ethnischen Netzwerken. Informationsbedürfnisse und Sprache, aber auch familiäre Faktoren prägen diese Zusammenhänge. Sie spielen neben den eigentlich auslösenden ökonomischen Anreizen wie der Verfügbarkeit von Jobs, der Entlohnung und des Lernpotenzials eine ganz wichtige lenkende und gestaltende Rolle. Staatliche Regelungen wie Mobilitätsbeschränkungen und Steuergesetze kontrollieren den Prozess. Zirkuläre Migration ist ein zentrales Merkmal der Arbeitsmigration.

Schlecht gestaltete Eingriffe können zu erheblichen Fehlreaktionen führen. Ohne Steuerung wandern Arbeitsmigranten nach wirtschaftlicher Lage ein und aus. Will man die Zuströme stoppen (Anwerbestopp für Gastarbeiter in Europa 1973; Grenzzäune zwischen Mexiko und den USA), behindert man also zirkuläre Migration, dann darf man sich nicht wundern, dass der Bestand an Migranten zunimmt und ihre durchschnittliche Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt abnimmt. Da die Wiedereinreise schwierig wird, verlässt man nicht das Land, sondern holt Angehörige nach.

Prof.’in Doris Schmitt-Landsiedel

ist Diplom-Ingenieurin der Elektrotechnik (Universität Fridericiana Karlsruhe) und Diplom-Physikerin (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und hat an der TU München promoviert. Von 1981 bis 1996 arbeitete sie in der Zentralen Forschung und Entwicklung der Siemens AG in München im Bereich der Festkörperphysik und Mikroelektronik. 1996 wurde sie als Ordinaria an die Technische Universität München berufen und leitet dort den Lehrstuhl für Technische Elektronik. Sie hat mehr als 300 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und ist Erfinderin oder Miterfinderin von mehr als 50 Patenten und Patentanmeldungen.  Sie ist Koeditorin der Fachbuch-Reihe Springer Series in Advanced Microelectronics. Prof.’in Schmitt-Landsiedel ist Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech. Seit 2005 ist sie Mitglied des Aufsichtsrats der Infineon Technologies AG. Von 2004 bis 2010 war sie Mitglied des Wissenschaftsrats. Seit 2011 gehört sie dem Hochschulrat der Hochschule für angewandte Wissenschaften Rosenheim an. 2009 wurde sie mit der Heinz-Maier-Leibnitz-Medaille der TU München ausgezeichnet.  Vom Bundespräsidenten wurde ihr 2008 das Bundesverdienstkreuz für ihren Einsatz zur Erhöhung des Frauenanteils in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern und ihre wissenschaftlichen Verdienste in der Nanoelektronik verliehen. 2012 wurde ihr der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Nanomagnetische Logik – eine mögliche Nachfolgetechnologie der heutigen CMOS- Elektronik mit geringer Verlustleistung und hoher Packungsdichte

Die durch den Markt getriebene stetige Verkleinerung der Strukturgrößen in der Mikroelektronik wird zunehmend schwieriger: Mit höheren Taktraten und Funktionsdichten steigt die Verlustleistung, die kleinen Strukturen verursachen Zuverlässigkeitsprobleme und steigende Fertigungskosten.

Auf der Suche nach alternativen Technologien ist die Magnetik, die in den Anfängen der Elektronik in der Speichertechnik eine große Rolle spielte, wieder ins Blickfeld geraten. Nanomagnetische Logik (NML) wird als vielversprechend angesehen, da sie auf einfachen Wirkungsmechanismen beruht. Logische Zustände werden durch die Magnetisierung einzelner Nanomagnete repräsentiert. Dies ist ein nichtflüchtiger Zustand, so dass eine Speicherfunktion mit integriert ist. Für Signalausbreitung wird magnetische Feldkopplung genutzt, so dass keine Leitungen für Signale und Versorgungsleitungen nötig sind. Dies spart Energie und Fläche, vereinfacht die Herstellung und erhöht die Zuverlässigkeit.

NML wurde bisher für Nanomagnete in einer magnetischen Schicht erforscht. Das Potential der Feldkopplung reicht aber weiter, denn diese erstreckt sich in alle Raumrichtungen und kann daher auch in der dritten Dimension genutzt werden. Mit Techniken lokaler Ionenbestrahlung und Anordnung von Nanomagneten in drei Dimensionen können wir gerichteten Signalfluss und Signalkreuzungen erzeugen. Deren Fehlen war bislang ein Hindernis für die Verwirklichung kompletter NML-Systeme.

In CMOS-Bausteinen wird der Systemtakt über Leitungen und Treiberschaltungen verteilt, woraus sich hohe Verlustleistung und Probleme mit der Synchronisierung ergeben. Das Umschalten der Magnete bewirkt ein magnetischer Feldtakt, der zugleich auch die Energieversorgung darstellt. Deshalb entfallen die Versorgungsleitungen. Das magnetische Feld kann mit integrierten Spulen homogen über den ganzen Baustein erzeugt werden. Dies nutzen wir auch für eine spezielle geometrische Anordnung der Magnete, die eine weitere Erhöhung der Packungsdichte um bis zu einem Faktor 10 ermöglichen wird.

In nanomagnetischer Logik können somit digitale Schaltungen hoher Packungsdichte und mit nichtflüchtigen Zuständen, dadurch besonders verlustarm und zuverlässig, und mit einfachen Herstellverfahren integriert werden. Dies verspricht einen technischen Durchbruch zu einer Nachfolgetechnologie der klassischen Mikroelektronik.