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11.09.2013, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 547. Sitzung

Professor Dr. Klaus Sagaster, Bonn: "Das Weltbild des Buddhismus"

Prof. Dr. Klaus Sagaster,

geboren am 19. März 1933 in Niemes/Böhmen. 1951-1959 Studium der Sinologie, Mongolistik, Indologie, Tibetologie, alttürkischen Philologie und Religionswissenschaft an den Universitäten Leipzig, Göttingen, Kopenhagen und Bonn. 1959 Promotion an der Universität Bonn. 1969 Habilitation, 1970 Wissenschaftlicher Rat und Professor, 1982 Universitätsprofessor C4 für Sprach- und Kulturwissenschaft Zentralasiens an der Universität Bonn. 1982-1989 1. Sprecher des  Sonderforschungsbereichs 12 “Orientalistik unter besonderer Berücksichtigung Zentralasiens” an der Universität Bonn. 1993-1996 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien in Köln. 1994-2003 Geschäftsführender Präsident der Societas Uralo-Altaica e.V. Göttingen. 1997 Honorarprofessor der Universität der Inneren Mongolei in Huhhot, China. Ab 2011 Präsident der Internationalen Mongolistenvereinigung (Ulaanbaatar). Seit 1995 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Arbeitsschwerpunkte: Literatur, Geschichte, Kultur- und Religionsgeschichte Tibets und der Mongolei.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Das Weltbild des Buddhismus

Im Jahre 1278 verfasste der tibetische Mönch ´Phags-pa Blo-gros rgyal-mtshan (1235-1280), Oberhaupt der tibetisch-buddhistischen Sa-skya-pa-Schulrichtung und geistlicher Berater des Mongolenkaisers und Činggis-Khan-Enkels Qubilai, auf Geheiß des Kronprinzen Činggim eine kurzgefasste Darstellung der buddhistischen Lehre. „Die Erläuterung des zu Wissenden“, Shes-bya rab-gsal, basiert auf zwei weitaus umfangreicheren Sanskrit-Werken, in denen das System des Abhidharma, der buddhistischen Scholastik, dargelegt wird. Der Autor gibt auf nur 35 Folios einen systematischen Überblick über das buddhistische Weltbild, beginnend mit den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft, aus denen die (Schein-)Welt, der unendliche Kosmos, besteht, bis zur Befreiung vom Leid der Welt, dem alle Lebewesen unterworfen sind. ´Phags-pa beschreibt 1. den Aufbau der unbelebten Welt einschließlich der Raum- und Zeitmaße, 2. die sechs Arten von Lebewesen und die Geschichte der Menschen, 3./4. den Weg und die Frucht des Weges, d.h. die Methoden und die sukzessiven Resultate der Beseitigung des Leidens im Saṃsāra, dem Kreislauf der Wiedergeburten, und der Verwirklichung des Nirvāṇa, des Verwehens des Leidens, sowie 5. die unzusammengesetzten Dinge, die keine Geburt und kein Altern haben, keine Dauer und keine Veränderung, wie z.B. Raum, Zeit und Nirvāṇa. „Die Erläuterung des zu Wissenden“ ist eine meisterhafte Darstellung eines komplexen Gebäudes von kosmologischen, psychologischen und religiösen Vorstellungen, die freilich ihrerseits wegen ihrer Kürze der Erklärung bedarf. Der Vortrag versucht, den Inhalt des Werkes vorzustellen und zu erläutern, soweit dies für unser Verständnis des buddhistischen Weltbilds nötig ist.

Zur Verdeutlichung und Ergänzung des scholastischen Lehrgebäudes sollen zum Schluss zwei Bilder gezeigt werden, welche die Grundlehren des Buddhismus vor Augen stellen: das „Rad der Existenzen“ und das „Feld der Ansammlung“ von Verdiensten und Erkenntnis.