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06.11.2013, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 92. Sitzung

Professor Dr. Bernhard Pellens, Bochum: "Aktionärsverhalten und -präferenzen deutscher Retailaktionäre"; Professor Dr. Tom Schanz, Bochum: "Moderne Spurenleser – Elefanten am Nordseestrand"

Prof. Dr. Bernhard Pellens,

geb. 17.11.1955, ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Unternehmensrechnung an der Ruhr-Universität Bochum und Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Unternehmensführung.

Nach dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Köln und Bochum, Praxiserfahrung im Controlling eines mittelständischen Unternehmens, Promotion (1988) und Habilitation (1993) in Bochum, war Pellens Ordinarius für Controlling und Internationales Rechnungswesen an den Universitäten Kaiserslautern (1993-1994) und Münster (1994-1997) und erhielt Rufe an die Universität Duisburg-Essen, an die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar und an die Universität Bern (Schweiz).

Er ist Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und Mitherausgeber der DBW „Die Betriebswirtschaft“.  Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Bilanzierung nach HGB, IFRS und US-GAAP, der Unternehmensbewertung und -steuerung sowie der empirischen Bilanzforschung. Er ist u.a. seit 2012 Vizepräsident der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft, Mitglied im Nominierungsausschuss des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC) und Wissenschaftlicher Leiter des Arbeitskreises „Externe Unternehmensrechnung“ der Schmalenbach-Gesellschaft. Er verbrachte Lehr- und Forschungssemester in der VR China und der Virginia-Tech University, Blacksburg, USA und ist seit 2006 Honorarprofessor an der Tongji-Universität-Shanghai, VR China

Aus dem Inhalt des Vortrages

Aktionärsverhalten und -präferenzen deutscher Retailaktionäre

Die Corporate Governance sowie speziell auch die Unternehmensberichterstattung sind seit mehreren Jahren einem ständigen Wandel unterworfen. Angestrebt werden eine entsprechende – nicht zuletzt Krisen getriebene – Verbesserung sowie internationale Harmonisierung, um so unter anderem das Vertrauen der Anleger in die Aktienanlage zu stärken. Ausgehend hiervon hat der Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung von Prof. Dr. Bernhard Pellens in Kooperation mit der Deutschen Post AG bereits zum dritten Mal eine Befragungsstudie zum Verhalten sowie zu den Präferenzen deutscher Privatanleger durchgeführt. Befragt wurden in diesem Zusammenhang alle 424.699 Privat- bzw. Retailaktionäre der Deutsche Post AG, von denen insgesamt 46.548 Personen (knapp 11 % der Befragungsgesamtheit) an der Studie teilgenommen haben.

Im Fokus der Untersuchung stehen Fragen zur Beurteilung und Nutzung unterschiedlicher Informationsquellen zum Treffen von Aktienanlageentscheidungen, zur Dividendenpräferenz sowie zur Nutzung und Bewertung des Stimmrechts seitens deutscher Privatanleger. Im Detail wird hierbei u.a. untersucht, welche Bedeutung Privatanleger einzelnen Teilen des Geschäftsberichts beimessen und wie Dividenden im Vergleich zu Aktienkurssteigerungen sowie Aktienrückkäufen beurteilt werden. Darüber hinaus wird vor dem Hintergrund der regelmäßig zu beobachtenden geringen Hauptversammlungspräsenzen deutscher Unternehmen erneut der Frage nachgegangen, inwieweit Privataktionäre ihr Stimmrecht bereits persönlich auf der Hauptversammlung eines Unternehmens genutzt, auf einen Intermediär übertragen oder ggf. eine erst künftige Ausübung/Übertragung ihres Stimmrechts geplant haben. Angesichts der Tatsache, dass zwei weitgehend identische Aktionärsbefragungen bereits in 2004 und 2008 durchgeführt wurden, wird schließlich auch die Entwicklung von Aktionärsinteressen im Zeitablauf sowie der Einfluss von Krisen auf das Verhalten sowie die Präferenzen deutscher Privatanleger untersucht.

Prof. Dr. Tom Schanz,

Lehrstuhl für Grundbau, Boden- und Felsmechanik, Fakultät für Bauingenieur- und Umweltwissenschaften, Ruhr-Universität Bochum

10/1982-10/1988Studium des Bauingenieurwesens, Universität Stuttgart 
5/1986-10/1988Studium der Geologie, Universität Stuttgart
10/1988Diplom im Bauingenieurwesen, Universität Stuttgart
5/1994Promotion zum Dr. sc. techn., ETH Zürich 
6/1998 Habilitation und „Venia legendi“ für Geotechnik, Universität Stuttgart
6/1999Berufung zum Universitätsprofessor, BAUHAUS-Universität Weimar
3/2009Berufung zum Universitätsprofessor, Ruhr-Universität Bochum

Aus dem Inhalt des Vortrages

Moderne Spurenleser – Elefanten am Nordseestrand

Im Rahmen der Grundlagenforschung in der Paläontologie stellt sich u.a. die Frage, ob man aus der Analyse von fossilen Trittspuren Aussagen über die Verursacher dieser Spuren, ihre Lebensweise und ihren Lebensraum ableiten kann. Als Anwendungsobjekt  beschäftigen wir uns hier mit Sauropoden, die vor ca. 150 Mio. Jahren weltweit und speziell auch im heutigen Niedersachsen lebten. Diese Tiere waren bis zu mehr als 50 t schwer und haben bezüglich ihrer Motorik und der Ausbildung der Extremitäten viele Ähnlichkeiten mit unseren heutigen Elefanten. Durch die bodenmechanische und mikrostrukturelle Beschreibung der historischen Substrate (in Form von Sand- und Tonsteinen), in denen die Spuren erhalten sind, schließen wir auf die ursprünglichen Materialeigenschaften zum Moment, als die Spuren entstanden. Eine wichtige Unterstützung dazu ist die Untersuchung von heutigen Naturräumen wie Stränden, Lagunen und Wattflächen, die den historischen Lebensräumen der Sauropoden ähnlich sind. Durch die Auswertung von typischen Mustern von Wellenrippeln, Trocknungsrissen und der mikrostrukturellen Beschreibung der Substrate wird auf ihre bodenmechanischen Eigenschaften rückgeschlossen. Durch die Ähnlichkeit der heutigen und historischen Substrate kann letztendlich auf die mechanischen Eigenschaften beim Hinterlassen der Spuren geschlossen werden. Bei bekannten Eigenschaften des Untergrunds und vorliegender Spurengeometrie wird die Intensität der Belastung und damit das Gewicht der Sauropoden mit bisher nicht zu realisierender Genauigkeit abgeleitet. Dazu werden von uns vorgeschlagene Konstitutivbeschreibungen des Bodens im Rahmen der kontinuums-mechanischen Modellierung (FEA) verwendet. Zur Validierung des von uns vorgeschlagenen Konzeptes wurden Elefanten über ein im Vorfeld präpariertes Substrat geführt und deren Bewegungsablauf mit modernen Methoden der Sportmedizin erfasst und ausgewertet. Durch zusätzliches Wiegen der Tiere für unterschiedliche Belastungsszenarien waren sowohl die Belastung als auch die Bodeneigenschaften und die Tierspuren verfügbar, und konnten mit den Ergebnissen der numerischen Simulationen auf Grundlage der FEA erfolgreich nachvollzogen werden. Die im Vortrag detaillierte Forschung wurde durch eine Kooperation zwischen Bauingenieuren, Geologen, Medizinern und Biomechanikern ermöglicht.