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13.11.2013, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 554. Sitzung

Professor Dr. Thomas Schmitz-Rode, Aachen: "Innovative Technologien für die Personalisierte Medizin"; Prof. Dr. Jürgen Margraf, Bochum: "Psychologische Therapie der Angststörungen: Von der Wirksamkeitsforschung zur Aufklärung der Mechanismen"

Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Thomas Schmitz-Rode

ist Direktor des Instituts für Angewandte Medizintechnik der RWTH Aachen. Er studierte 1976-1988 Maschinenbau und Humanmedizin an der RWTH Aachen. 1989-2003 war er an der Klinik für Radiologische Diagnostik des Universitätsklinikums Aachen tätig, wo er 1996 im Fach Radiologische Diagnostik habilitierte. Nachdem er dort eine Professur für Experimentelle Diagnostische und Interventionelle Radiologie inne hatte, folgte 2004 seine Ernennung zum Professor für Angewandte Medizintechnik.

Thomas Schmitz-Rode ist Träger verschiedener Auszeichnungen, unter welchen der Wilhelm Conrad Röntgen-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft, der Heinz Meise-Preis der Deutschen Herzstiftung und der Förderpreis Intensivmedizin der Fresenius-Stiftung zu nennen sind.

Thomas Schmitz-Rode ist Autor bzw. Co-Autor von mehr als 190 NIH-gelisteten Publikationen und von mehr als 100 Patenten und Patentanmeldungen. Er war von 2010-2013 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische  Technik (DGBMT), jetzt stellvertretender Vorsitzender. Er ist Mitglied des Lenkungskreises des Nationalen Strategieprozesses Medizintechnik von BMBF, BMWi und BMG, und war von 2008-2010 Sprecher des Themennetzwerks Gesundheitstechnologie der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech), dessen Steuerkreis er weiterhin angehört.

Forschungsschwerpunkte von Thomas Schmitz-Rode sind die bildgeführte interventionelle Therapie mit der Entwicklung dedizierter Katheter- und Monitoring-Systeme, die Erprobung neuer minimal-invasiver, bildgeführter Implantationsprozeduren, und die Erforschung und Entwicklung von Bioimplantaten, insbesondere Stents, Herzklappen und Unterstützungssysteme für Herz und Lunge.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Innovative Technologien für die Personalisierte Medizin

Die Personalisierte Medizin wird als Paradigmenwechsel gesehen. Durch Verbesserung der Effektivität medizinischer Maßnahmen und durch Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen soll die Effizienz gesteigert werden. Auch wenn zu den bisher erforschten und zum Teil schon in der klinischen Implementierung befindlichen Personalisierungsstrategien in der Medizin überwiegend genetische, molekularbiologische, biochemische und pharmakologische Methoden und Ansätze zählen, sind hier bereits medizintechnische Komponenten, Geräte und Systeme involviert. So benötigt die Molekulare Bildgebung hochsensitive, dedizierte Bildgebungssysteme zur Visualisierung von zellulären Prozessen und Stoffwechselvorgängen. Auch in der Analytik werden komplexe technische Systeme zur Identifizierung z.B. des individuellen Genmusters oder der Proteinexpression (Microarrays) eingesetzt. Miniaturisierte Analysesysteme (Lab-on-Chip) werden für den dezentralen, individualisierten Einsatz (Point-of-Care) entwickelt.

Technologien werden also unterstützend eingesetzt, um patientenbezogene biologische Vorgänge auf zellulärer oder molekularer Ebene zu analysieren, bildgebend darzustellen und therapeutisch zu beeinflussen. Darüber hinaus lässt sich jedoch der Leitgedanke der „Personalisierung“ auch auf die Konzeptionierung medizintechnischer Komponenten, Geräte und Systeme im Sinne eines „Zuschnitts“ auf eine individuelle pathologische Bedarfslage eines spezifischen Patienten übertragen. Hier gibt es ein enormes, noch zu erschließendes Optimierungspotential in der Verbesserung der Interaktion zwischen dem adaptierten bzw. adaptiven technischen System einerseits und dem betroffenen Organsystem andererseits.

Diese als „Personalisierte Medizintechnik“ bezeichnete Strategie wird anhand aktueller Forschungsprojekte zu theranostischen und biohybriden Implantaten, zum Tissue Engineering mit autologem Material und zur bildgeführten Intervention dargestellt.

Prof. Dr. Jürgen Margraf

ist Alexander von Humboldt-Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum. In seinem Arbeitsschwerpunkt „Psychische Gesundheit“ interessieren ihn besonders die Verbindung von Ursachen- und Therapieforschung sowie das Zusammenspiel psychologischer, biologischer und sozialer Faktoren. Prof. Margraf war Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie der Bundesrepublik Deutschland, Direktor des schweizerischen Nationalen Forschungsschwerpunktes sesam (swiss etiological study of adjustment and mental health) und Präsident des europäischen Dachverbandes für Verhaltenstherapie (European Association for Behavioural and Cognitive Therapies). Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Mitglied der Akademie der Naturforscher Leopoldina (Nationale Akademie der Wissenschaften) und Fellow der American Psychological Society. Als erster Psychologe erhielt er mit der Humboldt-Professur den höchstdotierten deutschen Forschungspreis.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Psychologische Therapie der Angststörungen: Von der Wirksamkeitsforschung zur Aufklärung der Mechanismen

Was haben Goethe, Freud und Brecht gemeinsam? Sie alle litten unter einer Angststörung. Übermäßige Ängste von Krankheitswert betreffen aber nicht nur berühmte Künstler und Wissenschaftler, sondern stellen weltweit die häufigste Form psychischer Störungen dar. Ohne professionelle Hilfe führen sie für die Betroffenen wie ihre Angehörigen i.d.R. zu massiven Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Derartige Folgeprobleme stellen wiederum selbst eine Belastung dar. So kommt es oft zu einer „Abwärtsspirale“, an deren Ende Depressionen, Alkoholabhängigkeit, Medikamentenmissbrauch und eine um bis zu 20mal erhöhte Suizidgefahr stehen können.

Die Klinische Psychologie hat mittlerweile zuverlässige Diagnosemethoden und erfolgreiche Behandlungsansätze für alle Angststörungen zur Verfügung gestellt. Das effektivste und wissenschaftlich am besten belegte Therapieverfahren ist die Konfrontationstherapie. Dabei konfrontieren sich die Patienten mit Angst auslösenden, aber objektiv sicheren Situationen, bis eine Angstreduktion eintritt. Die Erfolge dieser Therapie bleiben über lange Zeiträume stabil, Rückfälle sind selten und sog. Symptomverschiebungen bleiben aus. Die Konfrontationstherapie ist daher als eine der „biggest success stories in mental health“ bezeichnet worden. Umso überraschender ist es, dass ihre Wirkmechanismen noch immer nicht ausreichend verstanden werden.

In jüngster Zeit sind verstärkt basale Gedächtnis- und Lernprozesse in das Zentrum der Forschung gerückt. Augmentierungsexperimente (u.a. mit Cortisol, D-Cycloserin, Schlaf, Sport) deuten auf eine besondere Rolle von Extinktionslernen und Gedächtniskonsolidierung hin. Diese Befunde werden zusammen mit den ersten Ergebnissen einer Langzeit-Katamnese (23 Jahre) im Hinblick auf ihre Bedeutung für die erfolgreiche Gestaltung der Angstbehandlung diskutiert.