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05.02.2014, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 551. Sitzung

Prof. Dr. Klaus-Peter Wegera, Bochum: "Interrogatio St. Anselmi de Passione Domini, deutsch - Überlieferung – Edition – Perspektiven der Auswertung"

Prof. Dr. Klaus-Peter Wegera
Jahrgang 1948, studierte Germanistik, Pädagogik, Philosophie und ev. Theologie an den Universitäten Marburg und Bonn. 1977 wurde er an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn promoviert. 1984 habilitierte er sich an der Universität Bonn. Von 1976 bis 1981 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG Langzeit-Projekt 'Grammatik des Frühneuhochdeutschen', von 1981 bis 1985 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Seminar der Universität Bonn tätig. 1995 wurde er an der Universität Bonn zum Professor a.Z. ernannt. Nach einer zweijährigen Gastprofessur (1990-1992) an der Universität in Adana/Türkei erhielt er einen Ruf an die Ruhr-Universität Bochum. Dort ist er seit 1992 Professor für Germanistische Linguistik (Sprachgeschichte, Historische Linguistik). Seither nahm er mehrere Gastprofessuren in Shanghai, Nikosia, Luxemburg, Minsk und Bologna wahr. Von 1997 bis 1999 war er Dekan der Fakultät für Philologie an der Ruhr-Universität Bochum. 1994 wurde er zum membre d'honneur des Luxemburger Institut Grand-Ducal, section de linguistique, d’ethnologie et d’onomastique ernannt. Seit 2009 ist er ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in der Klasse für Geisteswissenschaften. Er vertritt seit 2011 die Union der Akademien im Rat für deutsche Rechtschreibung.
Seine Forschungsschwerpunkte sind die Historische Grammatik (insbesondere des Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen), die Sprachgeschichte des Deutschen und die Historische Linguistik.

Aus dem Inhalt des Vortrages

Interrogatio St. Anselmi de Passione Domini, deutsch - Überlieferung – Edition – Perspektiven der Auswertung

Die Interrogatio St. Anselmi ist in außergewöhnlich großer Zahl in Vers und Prosa überliefert: Neben 166 lateinischen Textzeugen sind inzwischen 64 deutschsprachige und 4 mittelniederländische Exemplare bekannt. Das Besondere der deutschsprachigen Überlieferung, die sich aus 54 Handschriften und 10 Druckexemplaren zusammensetzt, ergibt sich einerseits aus der zeitlichen Dichte der Überlieferung zwischen der 2. Hälfte des 14. und dem beginnenden 16. Jh. (mit einem deutlichen Schwerpunkt im 15. Jahrhundert) und andererseits aus der besonderen Art der Textvariation. Die Handschriftenüberlieferung verteilt sich über das gesamte deutschsprachige Gebiet, die Drucke finden sich mehrheitlich im ripuarischen Sprachraum (Köln) und im Niederdeutschen (Lübeck).

Die Überlieferung bietet eine Reihe von Herausforderungen, Problemen und Möglichkeiten, von denen einige – aus der Sicht der germanistischen Mediävistik und der historischen Sprachwissenschaft bedeutsame – beleuchtet werden sollen:

  • die Frage nach der Bedeutung von ‚Text‘ vor dem Hintergrund der Überlieferung
  • die Frage nach der Textsorte
  • das Problem der Stemmabildung
  • die Möglichkeiten einer Gesamtedition der Überlieferung
  • das sprachhistorische Potential der Überlieferung

Der Vortrag wird sich in besonderer Weise der Stemmabildung, für die ein eigenes Verfahren vorgestellt wird, und der Frage nach dem sprachhistorischen Potential widmen. Die Form der Überlieferung macht den Text in seiner Vielfalt zu einer herausragenden Grundlage für sprachhistorische Analysen. Das Frühneuhochdeutsche wurde in raum-zeitlichen Gesamtdarstellungen bisher vornehmlich anhand von Drucken, Editionen oder über das Material, das die Sekundärliteratur bietet, erarbeitet. Das Mittelniederdeutsche ist umfassend bisher nur anhand von Urkunden aufgearbeitet. Das räumlich breit gestreute, zeitlich nahezu synchrone, unmittelbar in die vorreformatorische Zeit datierte Material der Interrogatio St. Anselmi ist insofern gut geeignet, hier eine große Lücke zu schließen. Dieses sprachhistorische Potential soll anhand einer Wortstudie zu ‚Abendmahl‘ dargestellt werden.