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03.09.2014, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 95. Sitzung

Prof. Dr. Regina T. Riphahn, Erlangen-Nürnberg: "Kausale Effekte der Elterngeldreform; Prof. Dr. Ernst Rank, München: "Computational Steering - Interaktive Berechnungsverfahren in den Ingenieurwissenschaften."

Regina T. Riphahn

Regina T. Riphahn (geb. 1965) studierte Wirtschaftswissenschaften und Soziologie an den Universitäten Köln, Bonn und Sussex (UK). An der University of Tennessee (USA) erwarb sie 1990 einen Master of Business Administration (MBA) und an der University of North Carolina (USA) wurde sie mit einer Studie zum Invaliditätsrentenzugang in Deutschland 1995 promoviert. Sie habilitierte sich 1999 an der LMU München mit einer Schrift über die Dynamik des Sozialhilfebezuges und folgte 2000 einem Ruf an die Universität Mainz. Es folgten Positionen in Basel (CH) und an der Freien Universität Amsterdam (NL). Seit 2005 ist Riphahn Inhaberin des Lehrstuhls für Statistik und empirische Wirtschaftsforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Riphahn war und ist Mitglied wissenschaftlicher Beiräte (BAK, IAB, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), RWI-Essen, DIW-Berlin, Bundeswirtschaftsministerium) denen sie teilweise vorsaß. Sie wurde 2002 Mitglied des schweizerischen Sachverständigenrates (KfK), war von 2004-06 gewähltes Mitglied im Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten, wurde 2007 in die nationale Akademie Leopoldina aufgenommen und war von 2008 bis 2014 Mitglied des Wissenschaftsrates (darunter 4 Jahre im Vorsitz der wissenschaftlichen Kommission). Sie ist und war in leitender Funktion in internationalen und nationalen wissenschaftlichen Vereinigungen tätig (Verein für Socialpolitik, EALE, ESPE). Riphahn ist Fellow des IZA und cesifo und Forschungsprofessorin des DIW-Berlin. Sie organisiert seit 2005 ein bayernweites Elite-Promotionsprogramm für Volkswirtschaftslehre und hat einen Masterstudiengang Economics aufgebaut.
Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der empirischen Wirtschaftsforschung, insbesondere der Sozialpolitik, Bildungsökonomie und Arbeitsmarktforschung. Riphahn erhielt verschiedene Stipendien und Preise. Sie wirkt als Mit-Herausgeberin von Fachzeitschriften und ist national und international als Gutachterin gefragt.

Aus dem Inhalt des Vortrages
Kausale Effekte der Elterngeldreform

Im Jahr 2006 wurde das Elterngeldgesetz verabschiedet, welches die familienpolitischen Leistungen reformierte. Das Erziehungsgeld sollte auslaufen und die Eltern von Kindern, die ab dem 1.1.2007 geboren wurden, erhielten fortan stattdessen Elterngeld. Die Reform modifizierte den Betrag, die Dauer der Transferzahlungen sowie die Gruppe der betroffenen Eltern. Das Erziehungsgeld wurde im Regelfall bis zu einer Höhe von monatlich 300 Euro für 24 Monate an solche Eltern ausgezahlt, die ein Einkommen unterhalb einer Höchstgrenze erhielten. Das Elterngeld wurde im Regelfall in einer Höhe zwischen 300 und 1800 Euro pro Monat für bis zu 14 Monate an alle Eltern ausgezahlt.
Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über die institutionellen Änderungen und beschreibt die Wirkungen der Reform auf verschiedene Größen. Im Vordergrund stehen die Fertilitätswirkung der Reform, die Reaktion der Erwerbsbeteiligung von Müttern sowie Ergebnisse zur Lebenszufriedenheit von Müttern. Besonderes Augenmerk wird auf die Unterscheidung von kausalen Effekten und Korrelationsmustern gelegt.

Prof. Dr.rer.nat. Ernst Rank

Prof. Dr.rer.nat. Ernst Rank, Jahrgang 1954, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München von 1974 bis 1980 Mathematik und Physik. Er promovierte an der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen der Technischen Universität München und ging dann mit einem Forschungsstipendium 1985 bis 1986 an die University of Maryland, College Park, USA. Von 1987 bis 1990 war er Mitarbeiter im Zentralbereich Forschung und Technik der SIEMENS AG in München, bevor er 1990 auf die C3-Professur für Numerische Methoden und Informationsverarbeitung im Bauwesen an die Universität Dortmund berufen wurde. Seit 1997 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Computation in Engineering (früher Bauinformatik) der Technischen Universität München. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Computational Engineering sowie Modellierung von Produkten und Prozessen im Bauwesen. Er hat ca. 350 Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften, Buchbeiträgen und referierten Konferenzbänden veröffentlicht. Von 2002 bis 2008 war Prof. Rank Erster Vizepräsident der TU München. 2005 und 2006 war er für die Koordination der Anträge der TUM im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder verantwortlich. Seit 2006 ist er Direktor der ‚International Graduate School of Science and Engineering’ der TUM und von 2008 bis April 2013 war er Gründungsdirektor der TUM Graduate School. Seit 2007 ist Professor Rank Vorsitzender des Hochschulrats der Technischen Universität Dortmund. Er wurde unter anderem mit der Heinz Maier-Leibnitz Medaille der TUM, der Konrad-Zuse Medaille und dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Aus dem Inhalt des Vortrages
Computational Steering – Interaktive Berechnungsverfahren in den Ingenieurwissenschaften

Seit Jahrzehnten ist die Methode der Finiten Elemente (FEM) ein unverzichtbares Werkzeug für zahllose Berechnungsaufgaben in den Ingenieurwissenschaften. Ursprünglich für Anwendungen der Statik und Dynamik in der Luft- und Raumfahrttechnik und im Bauingenieurwesen entwickelt, hat sie als universelles Verfahren längst auch in Bereiche wie Nanotechnologie, Medizintechnik oder sogar die Biomechanik Einzug gehalten. Der Workflow einer numerischen Simulation ist trotz der Entwicklung immer neuer unterstützender Software seit mehr als einen halben Jahrhundert gleich: Auf die Definition der Geometrie mithilfe eines Finite Element-Netzes sowie der Einwirkungen (Preprocessing) folgt die Berechnungsphase und danach die Ergebnisauswertung (Postprocessing). Dieser Ablauf wird so oft wiederholt, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt ist. Die Dreiteilung der numerischen Simulation, insbesondere der Übergang von einem geometrischen Modell z.B. eines CAD-Systems zum Berechnungsmodell ist zeitaufwändig und fehleranfällig. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 80 % des Ingenieuraufwands genau in dieser Phase aufzubringen sind, während die eigentliche Rechenzeit infolge der ungebremsten Leistungssteigerung von Arbeitsplatzcomputern immer kürzer wird.
Dieser Vortrag stellt eine neue Variante der FEM sowie ein hieran angepasstes, innovatives Softwarekonzept vor. Damit wird die Trennung der drei Simulationsphasen aufgehoben und eine interaktive Berechnung selbst für komplexe dreidimensionale Objekte ermöglicht. Nicht nur Einwirkungen und Randbedingungen, auch die Geometrie einer Struktur kann während der Berechnung verändert werden. Dies erlaubt unmittelbare Einsichten in das Systemverhalten, die eine ingenieurgerechte Optimierung von Strukturen und Prozessen erheblich unterstützen. An Beispielen aus dem Bauingenieurwesen und aus der Biomechanik wird die Leistungsfähigkeit dieses neuen Berechnungsparadigmas gezeigt.