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10.09.2014, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 556. Sitzung

Prof. Dr. Erhard Graefe, Münster: "42 Jahre Arbeit am altägyptischen Stundenritual 1972 bis 2014 – Über einen 1969 von Jan Assmann identifizierten und benannten Text"

Professor Dr. Erhart Graefe

Professor Dr. Erhart Graefe wurde am 11. Februar 1943 geboren und hat von 1964 bis 1969 in Köln und Bonn Ägyptologie studiert. An der Universität zu Köln wurde er 1969 promoviert mit der Dissertation „Untersuchungen zur Wortfamilie bjA“. 1979 habilitierte er sich an der Universität Freiburg mit der Habilitationsschrift „Untersuchungen zur Verwaltung und Geschichte der Institution der Gottesgemahlin des Amun vom Beginn des Neuen Reiches bis zur Spätzeit“. Er erhielt 1981 einen Ruf als Professor für Ägyptologie an der Universität Freiburg, wo er bis 1985 blieb. 1986 bis 2009 war er Direktor des Instituts für Ägyptologie und Koptologie und Professor für Ägyptologie an der Universität Münster. Jeweils an der Universität Münster war er von 1987 bis 1990 und 1995 bis 1996 Dekan des Fachbereichs 14, von 1990 bis 1991 Prodekan des Fachbereichs 14 und von 1996 bis 1997 Prodekan des Fachbereichs 9 (Philologie). Ab 1999 war er drei Amtsperioden Senator der Universität Münster. Von 1970 bis 1992 war er Leiter der belgischen Ausgrabungen im Asasif (Luxor), 1998 und 2003 bis 2006 Leiter der deutsch-russischen Mission für die Königliche Cachette (Luxor), und 1999 bis 2001 Leiter der Münsteraner Mission im Asasif (Luxor). Seit 1986 ist er Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und seit 2013 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Aus dem Inhalt des Vortrages
42 Jahre Arbeit am altägyptischen Stundenritual 1972 bis 2014 – Über einen 1969 von Jan Assmann identifizierten und benannten Text

Der Titel benennt ein typisches geisteswissenschaftliches, genauer, altertumskundliches bzw. ägyptologisches Forschungsprojekt als etwas, an dem man nolens volens sehr lange arbeitet. Dies beruht auf einer Vielzahl von Gründen, vor allem dem, dass die Überlieferung von Texten der Antike prinzipiell lückenhaft ist, so dass neue Textzeugen, wenn sie auftauchen, unbedingt berücksichtigt werden müssen. Dieses „Sprudeln“ von neuen Quellen ist in den letzten zwanzig Jahren durch neue Grabungen so intensiv geworden, dass eine endgültige Edition immer weiter verschoben werden musste. Stattdessen habe ich 2000 eine Online-Ausgabe des Textes (etwa 120 Seiten hieroglyphischer Text), die immer wieder auf neueren Stand gebracht wird, ins Netz gestellt. Das Stundenritual ist einer von zwei der wichtigsten kulturellen Texte aus dem Alten Ägypten, bezeugt aus Tempeln und Gräbern seit dem 15. Jhdt. v. Chr. Der zweite ist das sogenannte Lebenshausritual, belegt im Papyrus Salt 825 im Britischen Museum, entstanden wohl im vierten Jhdt. v. Chr. Beide sind wichtig in dem Sinn, dass diese Texte das Nachdenken darüber bezeugen, wie das Leben in Ägypten, das heißt das Leben der Menschheit, für alle Ewigkeit aufrechterhalten werden kann. Sie stammen aus unterschiedlichen Phasen in der Entwicklung der altägyptischen Religion. Das ältere Ritual, das Stundenritual, soll das ewige Leben auf Erden durch die stete Wiederholung des täglichen Sonnenaufgangs garantieren, das jüngere bezieht sich auf die Erneuerung des Lebens durch die Wiederauferstehung des Totengottes Osiris. Die letzte bekanntgewordene Quelle ist das thebanische Grab TT 223 des Karachamun aus der 25. Dyn., das für eine bestimmte Redaktionsstufe des Textes die bisher älteste Version darstellt (7. Jhdt. v. Chr.). An dieser Grabung arbeite ich seit 2013 mit und hoffe im Vortrag auch schon über die Arbeit von Mai 2014 berichten zu können.