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15.10.2014, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 557. Sitzung

Prof. Dr. Dr. Hans Rothe, Bonn: "Entstehung, Entwicklung und Umwandlung der Slavischen Philologie in Linguistik und Literaturwissenschaft"

Prof. Dr. Dr. Hans Rothe, Bonn

Professor Dr. phil., Dr. h.c. mult. Hans Rothe, geboren am 5. Mai 1928 in Berlin. Studium der Slavischen und Indogermanischen Philologie sowie der Kirchengeschichte von 1947 – 1954 in Kiel, Marburg/L., London und wieder Marburg. 1954 Promotion in Kiel bei Ludolf Müller mit einer sprachwissenschaftlichen Arbeit zum Altkirchenslavischen. 1954 – 1963 Assistent bei Alfred Rammelmeyer und Herbert Bräuter in Marburg/L., 1963 Habilitierung mit einer Arbeit zu Karamzin, 1964 Lehrstuhlvertretung in Berlin (FU), 1966 – 1993 Professur an der Universität Bonn, 1993 Emeritierung. Seit 1979 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Forschungsschwerpunkte: Sakrale Literatur bei den Slaven, Süd- und westslavisches Barock, russische Verslehre (Puskin), russischer Roman (Dostojevskij), westliche Polenliteratur. 

Aus dem Inhalt des Vortrages
Entstehung, Entwicklung und Umwandlung der Slavischen Philologie in Linguistik und Literaturwissenschaft


Der Vortrag behandelt die Wissenschaft von Osteuropa am Beispiel der Slavischen Philologie. In Mittelalter und früher Neuzeit gab es nur seltene Reiseberichte. Die Wissenschaft der Philologie entstand seit Ende des 18. Jahrhunderts. Die Wissenschaftssprache war anfangs noch Latein, dann Deutsch. Das Vorbild war die klassische Philologie, die sich in dieser Anfangszeit von der Theologie löste und eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin wurde. Zugleich war die Slavische Philologie anfangs Teil und auch Förderer der vergleichenden Sprachforschung. Der Sprache nach war es anfangs eine deutsche Wissenschaft. Die großen Begründer der Slavischen Philologie waren aber Slaven aus der Habsburgischen Monarchie: ein Tscheche, zwei Solvenen und ein Kroate; hinzukommt, als vielleicht bedeutendster, ein Deutscher. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch Literaturforschung einbezogen. Dann brachten zwei neue Schulen eine Enthistorisierung der Wissenschaft: die Vorlesungen über „linguistiqúe générale“ von F. de Saussure vor 1918 und die sog. „formale Schule“ in Russland nach 1912. Alles danach war eine Folge dieser Enthistorisierung.