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04.02.2015, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 560. Sitzung

Prof. Dr. Rudolf Schieffer, Bonn: Die ältesten Judengemeinden in Deutschland

Wann und wo sich erstmals Juden auf dem Boden von Ostfranken-Deutschland niedergelassen haben, verrät uns keine Quelle. Ihre Ausbreitung bis zu dem Grade, den die gut dokumentierten Pogrome am Vorabend des Ersten Kreuzzuges (1096) schlagartig zu erkennen geben, muss aus sporadischen lokalen Indizien erschlossen werden, die zeitlich bis ins ausgehende 9. Jahrhundert zurückreichen. Sie vermitteln gewiss kein vollständiges Bild, dürfen aber auch nicht pauschal verallgemeinert werden, sondern sind mit nüchterner Quellenkritik räumlich und zeitlich zu gewichten.
Sonderfälle, die nur im Rahmen eines Gesamtbildes angemessen eingeschätzt werden können, sind Aachen, wo Juden um 800 in der Umgebung Karls des Großen sicher nachzuweisen sind, danach aber erst wieder im frühen 13. Jahrhundert in Erscheinung treten, sowie Köln, wo es aus dem Jahr 321 ein externes urkundliches Zeugnis für ansässige Juden gibt, die mittelalterliche Überlieferung jedoch nur wenige Jahrzehnte vor 1096 einsetzt.
Der Vortrag wird die Problematik entfalten, die im Zusammenhang mit der Konzeption eines Jüdischen Museums in Köln auch öffentliche Aufmerksamkeit gefunden hat.


Prof. Dr. Rudolf Schieffer, geboren 1947, studierte Geschichte und Latein in Bonn und Marburg, wurde 1975 in Bonn promoviert und habilitierte sich 1979 in Regensburg. Von 1980 bis 1994 Professor (C 4) für Mittelalterliche und Neuere Geschichte in Bonn, von 1994 bis 2012 Präsident der Monumenta Germaniae Historica und Professor für Geschichte in München, lebt seit 2013 in Bonn. Seit 1992 Ordentliches (1994-2012 korrespondierendes) Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Korr. Mitglied weiterer Akademien des In- und Auslands, 1984 bis 1990 Mitglied des Wissenschaftsrates, seit 1991 Generalsekretär der Görres-Gesellschaft, Mitglied verschiedener Wissenschaftlicher Beiräte.