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10.03.2015, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 97. Sitzung

Prof. Dr. Manfred J. M. Neumann, Bonn: Europäische Bankenunion - Ein sanftes Ruhekissen?; Prof. Dr. Jörg Schröder, Duisburg-Essen: Design künstlicher Verbundmaterialien mit technisch relevanten magneto-elektrischen Kopplungseigenschaften

Europäische Bankenunion - Ein sanftes Ruhekissen?
Prof. Dr. Manfred J. M. Neumann, Bonn

Die europäische Bankenunion wurde im November 2014 in Kraft gesetzt. Sie soll die Krisenanfälligkeit des europäischen Geld- und Bankensystems grundlegend verringern. Die 130 größten Banken des Eurogebiets unterliegen seitdem einer gemeinsamen Bankenaufsicht (Single Supervisory Mechanism SSM), die von der Europäischen Zentralbank und der European Banking Authority ausgeübt wird. Es wird einen einheitlichen Abwicklungsmechanismus (Single Resolution Mechanism SRM) geben. Und schließlich soll ein gemeinsamer Abwicklungsfonds (Single Resolution Fund SRF) errichtet werden. 
In dem Vortrag sollen kritische Aspekte der Bankenunion analysiert werden. Dazu gehören insbesondere die Frage, ob sich die Übertragung der Aufgaben der Bankenaufsicht und der Bankenregulierung auf die Europäische Zentralbank mit deren originärer Aufgabe einer unabhängigen Geldpolitik vereinbaren lässt und die im Hinblick auf den Zusammenhalt der Mitgliedsstaaten wichtige Frage, wie die Aufteilung der Haftung im Verlust- bzw. Abwicklungsfall vorgenommen werden sollte. 

Prof. Dr. Manfred J.M. Neumann ist gebürtiger Berliner (1940), ein empirisch orientierter Wirtschaftswissenschaftler, em. Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften der Universität Bonn, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (Berlin),
Mitverfasser des währungspolitischen Manifests „Der Euro kommt zu früh.“ (1998)
Er ist Mitglied auch

  • der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste,
  • der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina,
  • der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). 

Er war

  • 1996-2000 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (Berlin)
  • 2001-2002 Präsident der International Atlantic Economic Society
  • 2006-2009 Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Er war auch

  • Veranstalter des Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy (1970-1997),
  • Mitglied im Kronberger Kreis liberaler Ökonomen (1992-2010),
  • Forschungsprofessor der Deutschen Bundesbank (2006-2010),
  • Visiting professor Carnegie-Mellon-University und Texas A&M University,
  • Gastprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin,
  • Visiting researcher am Board of Governors des Federal Reserve System (Washington D.C.), an der Federal Reserve Bank of St. Louis und an der Bank of Japan (Tokyo),
  • Mitglied im Advisory Board verschiedener Fachjournale, u.a. des International Journal of Money and Finance,
  • Gutachter für Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Wissenschaftsrat und eine Handvoll internationaler Fachzeitschriften.


Design künstlicher Verbundmaterialien mit technisch relevanten magneto-elektrischen Kopplungseigenschaften
Prof. Dr. Jörg Schröder, Duisburg-Essen

Die Kopplung zwischen magnetischen und elektrischen Feldern ermöglicht die Herstellung intelligenter Bauteile, welche unter anderem in der Sensortechnologie oder Datenspeicherung Anwendung finden. Ebenfalls können magnetische Aktivitäten des Gehirns mit der sogenannten Magnetoenzephalographie gemessen und in elektrische Signale umgewandelt werden. Für solche Anwendungen werden Materialien mit großen magneto-elektrischen (ME) Kopplungseigenschaften benötigt. Natürlich vorkommende Materialien und die meisten synthetischen Einphasenmaterialien sind jedoch, aus atomistischen Gründen, nur weit unterhalb der Raumtemperatur magneto-elektrisch und besitzen bestenfalls einen sehr geringen ME Effekt bei Raumtemperatur, der für technische Anwendungen nicht nutzbar ist. Ziel ist es daher, Komposite mit hoher magneto-elektrischer Kopplung bei Raumtemperatur zu designen. Diese Komposite bestehen aus ferroelektrischen und ferromagnetischen Phasen, die jeweils durch elektro-mechanische bzw. magneto-mechanische Eigenschaften charakterisiert sind und den ME Effekt durch eine Kopplung der Verzerrungen zwischen den einzelnen Phasen induzieren. Eine solche Reaktion kann durch ein aufgebrachtes magnetisches Feld erzielt werden, welches die magnetische Phase verformt und die Verzerrungen auf die elektrische Phase überträgt. Aufgrund der elektro-mechanischen Kopplung des ferroelektrischen Materials bewirken die Verformungen eine Polarisation, sodass makroskopisch durch ein aufgebrachtes magnetisches Feld eine elektrische Antwort resultiert. Diese auf der Mikroskala induzierten Effekte werden mit numerischen Homogenisierungsverfahren analysiert und makroskopischen experimentellen Messungen gegenübergestellt. Ziel ist die Optimierung der Morphologie der Komposite zur Realisierung eines technisch brauchbaren ME Kopplungskoeffizienten.

Professor Dr. Jörg Schröder, geboren 1964, ist Professor für Mechanik an der Universität Duisburg-Essen, Fakultät Ingenieurwissenschaften, Abteilung Bauwissenschaften. Von 1984 bis 1988 studierte er Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Holzminden und setzte nach seinem Abschluss als Diplomingenieur (FH) sein Studium an der damaligen Universität Hannover, heute Leibniz Universität Hannover, fort. Er schloss 1992 sein Diplom (Universität) ab und war im Anschluss daran als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Baumechanik (Professor Erwin Stein) der Universität Hannover tätig, wo er 1995 mit Auszeichnung promoviert wurde. Nach einer fünfjährigen Tätigkeit als Akademischer Rat an der Universität Stuttgart habilitierte er im Jahr 2000 mit der Arbeit „Homogenisierungsmethoden der nichtlinearen Kontinuumsmechanik unter Beachtung von Stabilitätsproblemen“. Zunächst wurde er als Professor an die Technische Universität Darmstadt berufen; im Jahr 2001 erfolgte der Ruf zum Professor für Mechanik an die Universität Duisburg-Essen, wo er bis heute tätig ist. Im Jahr 2010 erhielt er einen Ruf an die ETH Zürich, dem er nicht folgte. Seit 2011 ist er Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Wissenstransfer an der Universität Duisburg-Essen.
Jörg Schröders Forschungsinteressen reichen von der nichtlinearen Kontinuumsmechanik und Materialtheorie über Finite-Elemente-Formulierungen bis hin zu Homogenisierungsverfahren zur Simulation von Mikro-Makro-Übergängen heterogener Materialien. Im Themenbereich der Polykonvexität beschäftigt er sich mit der Existenz von Lösungen im Bereich der Hyperelastizität und deren Anwendung u. a. in der Biomechanik. Jörg Schröder ist Mitglied in Redaktionen mehrerer wissenschaftlicher Fachzeitschriften und in mehreren internationalen Gremien und Ausschüssen tätig. Seit 2008 ist er Mitglied im Fachkollegium 402 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für Mechanik und konstruktiven Maschinenbau und war von 2009 bis 2014 Mitglied des Vorstandsrats der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM).