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18.06.2015, 12:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 99. Sitzung

Prof. Dr. Bernhard Pellens, Bochum: Governance: mehrdimensionale Organisation von Steuerungssystemen; Prof. Dr. Martin Hellwig, Bonn: Staatliche Regulierung und Privatautonomie, Governance und Haftung aus volkswirtschaftlicher Perspektive; Prof. Dr. Manuel René Theisen, München: Der deutsche Corporate Governance Kodex – Ein Sonderweg in die Sackgasse?; Prof. Dr. Manfred Helmus, Wuppertal: Corporate Governance in der Bauwirtschaft

Vortrag 1
Governance: mehrdimensionale Organisation von Steuerungssystemen
Prof. Dr. Bernhard Pellens, Bochum


Abstract liegt noch nicht vor

Professor Dr. Bernhard Pellens, geboren 1955, ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Unternehmensrechnung an der Ruhr-Universität Bochum und wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Unternehmensführung.
Nach dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Köln und Bochum, Praxiserfahrung im Controlling eines mittelständischen Unternehmens, Promotion (1988) und Habilitation (1993) in Bochum, war Pellens Ordinarius für Controlling und Internationales Rechnungswesen an den Universitäten Kaiserslautern (1993-1994) und Münster (1994-1997) und erhielt Rufe an die Universität Duisburg-Essen, an die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar und an die Universität Bern (Schweiz).
Er ist seit 2001 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und Mitherausgeber der DBW „Die Betriebswirtschaft“. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Bilanzierung nach HGB, IFRS und US-GAAP, der Unternehmensbewertung und -steuerung sowie der empirischen Bilanzforschung. Er ist u.a. seit 2012 Vizepräsident der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V., Mitglied im Nominierungsausschuss des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC) und wissenschaftlicher Leiter des Arbeitskreises „Externe Unternehmensrechnung“ der Schmalenbach-Gesellschaft. Er verbrachte Lehr- und Forschungssemester in der VR China und der Virginia-Tech University, Blacksburg, USA und ist seit 2006 Honorarprofessor an der Tongji-Universität-Shanghai, VR China.

Vortrag 2
Staatliche Regulierung und Privatautonomie, Governance und Haftung aus volkswirtschaftlicher Perspektive
Prof. Dr. Martin Hellwig, Bonn

Der Vortrag diskutiert die Rolle von Privatautonomie und staatlicher Regulierung bei der Lenkung wirtschaftlicher Aktivitäten. Ein Konzept wie das der „volkswirtschaftlichen Verantwortung“ von Unternehmen erweist sich als Leerformel, die Zielkonflikte übertüncht, z.B. weil nicht klar ist, ob die volkswirtschaftliche Verantwortung der Banken sich auf die Kreditversorgung oder auf die Finanzstabilität bezieht bzw. welches den Vorrang haben sollte, wenn beides im Konflikt miteinander steht. Das Prinzip der Privatautonomie dient u.a. dem Schutz der Freiheit und der Rechtssicherheit gegenüber dem Missbrauch solcher Leerformeln. Jedoch erfordert Privatautonomie eine angemessene Haftung der Entscheidungsträger für die Konsequenzen ihrer Handlungen. Staatliche Regulierung ist dort gefordert, wo Haftung sich nicht automatisch aus zivilrechtlichen Regelungen ergibt. Dabei ist einer Regulierung, die die Haftung verbessert, der Vorzug zu geben gegenüber unmittelbaren staatlichen Eingriffen. Der Vortrag diskutiert diese Überlegungen im Zusammenhang mit dem Finanzsektor, wo das Prinzip der Haftung in der Krise außer Kraft gesetzt worden ist.

Professor Dr. Martin Hellwig ist wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Geboren 1949 in Düsseldorf, studierte er Volkswirtschaftslehre und Geschichte an den Universitäten Marburg und Heidelberg (Diplom 1970) und dem Massachusetts Institute of Technology (Promotion 1973). Nach einem Jahr als Postdoc in Stanford und drei Jahren als Assistant Professor in Princeton kehrte er 1977 als Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Bonn nach Deutschland zurück. Später wechselte er an die Universitäten Basel (1987-1996) und Mannheim (1996-2004) und 2004 an das Max-Planck-Institut in Bonn. 1995/1996 war er Taussig Research Professor in Harvard. Martin Hellwig ist derzeit Stellvertretender Vorsitzender des Beratenden Wissenschaftlichen Ausschusses beim Europäischen Systemrisikoausschuss (Vorsitzender 2011-2012) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin. 2000 bis 2004 war er Vorsitzender der Monopolkommission, 2009 bis 2010 Sprecher des Lenkungsrats Unternehmensfinanzierung beim Wirtschaftsfonds Deutschland. Er ist auch Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und von acatech, Fellow der Econometric Society, ehemaliger Präsident der European Economic Association und des Vereins für Socialpolitik sowie ausländisches Ehrenmitglied der American Economic Association und der American Academy of Arts and Sciences. 
Seine Forschungsinteressen gelten der Informationsökonomik, der Theorie der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Corporate Governance sowie den Grundlagen der Geldtheorie und der Finanzwissenschaft (öffentliche Güter, Gebühren und Steuern). Für seine Beiträge zum Umgang der Politik mit der Finanzkrise und zur Finanzmarktregulierung erhielt er 2009 den Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik und 2012 den Max-Planck-Forschungspreis. 2013 veröffentlichte er zusammen mit Anat Admati (Stanford) das Buch „The Bankers‘ New Clothes: What’s Wrong with Banking and What to Do about It“ (Princeton University Press) – „Des Bankers neue Kleider: Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss“ (Finanzbuch Verlag München).

Vortrag 3
Der deutsche Corporate Governance Kodex – Ein Sonderweg in die Sackgasse?
Prof. Dr. Manuel René Theisen, München

Mit dem deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) wurde 2002 die Idee einer freiwilligen Selbstregulierung der Wirtschaft für die Corporate Governance aus dem angelsächsischen Rechtsraum übernommen. Bedingt durch den deutschen Sonderweg einer gesetzlich sanktionierten Erklärungspflicht zur Umsetzung des DCGK (§ 161 AktG) dokumentieren die Unternehmen formal ihr Entsprechen. Inwieweit dem so erklärten Entsprechen aber auch ein entsprechendes Verhalten folgt, ist wegen der wenig präzisen Formulierungen der Empfehlungen kaum messbar.
Der deutsche Sonderweg und ein zunehmend detailbefrachteter DCGK sowie ausufernde rechtliche Umsetzungsprobleme haben eine Komplexität bedingt, die zu erheblichen Organisations-, Zeit- und Kostenbelastungen bei den kodexunterworfenen Gesellschaften geführt hat. Zudem wird in breiten Kreisen der Praxis im sich abzeichnenden Wettbewerb zwischen nationalen und europäischen CG-Regulierungsansätzen in der Kodexumsetzung und -anwendung mehr eine Verschärfung der Regulierung als die ursprünglich versprochene und erwartete Deregulierung gesehen.
Die mit der Entwicklung und laufenden Betreuung des Kodex beauftragte DCGK-Regierungskommission ist 2013 in eine Sinnkrise geraten. Auf der Suche nach neuen Wegen greift die DCGK-Kommission den aktuellen Widerstand in der Praxis gegen weitere gesetzgeberische wie privatrechtliche Regulierungen auf und verlegt ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Regulatorenberatung mit dem Ziel, den CG-Regulierungstrend kritisch und beratend zu begleiten und in Grenzen zu halten.
Ohne Rücksichtnahme auf politische oder gesellschaftliche Gebote muss festgestellt werden, dass die Kodexidee in Deutschland im ersten Ansatz gescheitert ist. Dieser Versuch ist von Teilen des Marktes, namentlich der Wirtschaftspraxis, weder akzeptiert noch honoriert worden. Anlass genug, neue Ansätze zu suchen. Innovation statt Imitation sollte der Maßstab und die Herausforderung dabei sein.

Professor Dr. iur. Dr. rer. pol. habil. Dipl.-Kfm. Manuel René Theisen (geb.1953) ist seit 1987 Universitätsprofessor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Steuerrecht, bis 1991 an der Universität Oldenburg, von 1991 bis 1998 an der Universität Mannheim und von 1998 bis 2010 an der Ludwig-Maximilians-Universität München; derzeit ist er auf eigenen Wunsch bis 2018 beurlaubt. Seit 2002 ist er „Visiting Faculty Professor“ für Corporate Governance an Wirtschaftsuniversität ESMT/Berlin, von 2008 bis 2012 war er zusätzlich Professor für Corporate Governance und Corporate Law an der Privaten Universität Witten/Herdecke. Professor Theisen beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Fragen der Aufsichtsratsarbeit in nationalen und internationalen Unternehmen. Er ist Verfasser des Standardwerks "Die Überwachung der Unternehmungsführung" sowie der 2007 in 4. Auflage erschienenen Schrift "Information und Berichterstattung des Aufsichtsrats" (beide Schäffer-Poeschel Verlag). Im Jahr 2003 hat er die 6. Auflage des Standardwerks „Das Aufsichtsratsmitglied - Ein Handbuch der Aufgaben, Rechte und Pflichten“, begr. von Potthoff/Trescher, veröffentlicht. Seit Januar 2004 ist er Mitbegründer und geschäftsführender Herausgeber der unabhängigen Fachinformation für Mandatsträger „Der Aufsichtsrat“, die monatlich in den Fachmedien der Handelsblatt-Gruppe erscheint.
Zu den genannten Themenbereichen ist Manuel René Theisen auch gutachterlich in der Praxis tätig. Darüber hinaus leitet er seit 1990 Aufsichtsrats-Tagungen und -veranstaltungen im In- und Ausland. Von 1991 bis 2000 war er Aufsichtsratsvorsitzender der CentralTreuhand AG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, München. 2000/2001 arbeitete er als Sachverständiger für die „Regierungskommission Corporate Governance“. In Rundfunk und Fernsehen ist er ein kritischer Kommentator und Experte, zuletzt zu den Fällen Siemens AG, BayernLB, Telekom AG, ADAC, FC Bayern AG und Deutsche Bank AG.

Vortrag 4
Corporate Governance in der Bauwirtschaft
Prof. Dr. Manfred Helmus, Wuppertal

Die mittelständischen Bauunternehmen in Deutschland befinden sich vielfach im Prozess von der Führung durch Eigentümer zur Führung durch Manager. In Verbindung mit gestiegenen Anforderungen der Fremdkapitalgeber gewinnt Corporate Governance hier zunehmend an Bedeutung. Ziel des Vortrages ist es, einen Überblick über die speziellen Bedingungen der Corporate Governance in der Bauwirtschaft zu vermitteln und verschiedene Aspekte, die vor allem für die mittelständische Bauwirtschaft von Interesse sind, zu thematisieren.
Dabei werden einleitend die Besonderheiten der deutschen Bauwirtschaft in Form des fragmentierten deutschen Baumarktes, der kapitalschwachen Anbieter und der Risiken des Projektgeschäftes herausgestellt. Anschließend erfolgt die Darstellung von Grundlagen sowie die Spezifika und Herausforderungen einer Corporate Governance für Unternehmen in der Bauwirtschaft. Abschließend werden Notwendigkeiten bzw. Rahmenbedingungen für eine „ordentliche Unternehmensführung“ (Corporate Governance) abgeleitet und gegebenenfalls notwendiger Handlungsbedarf aufgezeigt.

Professor Dr. Manfred Helmus studierte Bauingenieurwesen in Dortmund und Stuttgart und promovierte 1989 berufsbegleitend an der TU Darmstadt. Praktische Erfahrungen sammelte er sowohl in der Bauleitung als auch in der Geschäftsführung eines Mittelständischen Unternehmens. Seit 1992 ist er Professor für Baubetriebslehre an der Bergischen Universität Wuppertal und seit 2003 Universitätsprofessor für Baubetrieb und Bauwirtschaft an der Bergischen Universität Wuppertal.
Manfred Helmus hat sich innerhalb seines Lehr- und Forschungsgebietes Baubetrieb und Bauwirtschaft zum Ziel gesetzt, aktuelle Problemstellungen der deutschen Bauwirtschaft zu identifizieren und zu analysieren sowie, darauf basierend, praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lösungen durch integrative Kooperation mit kleinen und mittelständischen Bauunternehmen zu entwickeln.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit an der Bergischen Universität Wuppertal ist Manfred Helmus Vorsitzender des Verbandes der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren Deutschlands V.S.G.K. e.V. und des Arbeitskreises Baubetriebswirtschaft der Schmalenbach Gesellschaft sowie Leiter der AHO Fachkommission Baustellenverordnung. Neben diesen Tätigkeiten kooperiert er mit verschiedenen Verbänden, Instituten und Vereinen, wie beispielsweise mit dem Betriebswirtschaftlichen Institut der Bauindustrie NRW bei der Konzeption und Durchführung von Seminarveranstaltungen, den Baugewerblichen Verbänden NRW sowie der Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie e.V.
Seit der Initiierung im Jahr 2004 leitet er den dualen Studiengang Bauingenieurwesen an der BU Wuppertal in Kooperation mit den Verbänden der Bauwirtschaft und seit 2007 zusätzlich gemeinsam mit der BG Netz AG.
Seit 2006 ist er Gründungsmitglied und geschäftsführender Leiter des Interdisziplinären Zentrums III für das Management technischer Prozesse an der BU Wuppertal und leitet zudem den gebührenbasierten, berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang REM & CPM (Real Estate Management and Construction Project Management) und den gebührenbasierten, berufsbegleitenden Masterstudiengang MBE Baubetrieb für Führungskräfte des Baubetriebs.

Das neue Format der Themenbezogenen Klassensitzung (ThemenKS) soll dazu dienen, Problemstellungen hohen Komplexitätsgrades sowie wichtige Zukunftsprobleme aus Sicht der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften zu hinterfragen, zu analysieren und – über Klassengrenzen hinweg – zu diskutieren.
ThemenKS finden im halbjährlichen Rhythmus statt; sie beginnen jeweils zur Mittagszeit umfassen vier bis maximal fünf Vorträge unterschiedlicher Schwerpunktsetzung und erstrecken sich über den ganzen Nachmittag.
Sinn und Zweck des neuen Formats ist es des Weiteren, im Wechsel mit der traditionellen Klassensitzung (KS) den Zusammenhalt der Mitglieder in der Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften zu verstetigen. Ebenso soll der Diskurs zwischen Mitgliedern anderer Klassen der Akademie, des Jungen Kollegs sowie eingeladenen Fachkollegen aus Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen befördert werden. Dies ermöglicht zahlreiche Wechselwirkungen über Klassengrenzen hinweg. Zugleich wird der satzungsgemäße Anspruch der Akademie betont, auch eine Arbeitsakademie zu sein.
Das Leitthema lautet: „Herausforderung Good Governance". Das Thema wurde gewählt, da es zur Zeit hoch aktuell ist, und die verschiedenen Aspekte volkswirtschaftlicher, unternehmerischer und projektbezogener Führung einen interdisziplinären Ansatz erfordert . Diese unterschiedlichen Perspektiven werden unter Einschluss der rechtlichen Situation in den verschiedenen Vorträgen diskutiert. Eine abschließende Podiumsdiskussion ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Thesen der Referenten.