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16.09.2015, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 100. Sitzung

Prof. Dr. Mark Ebers, Köln: Die Organisation von Innovation im Unternehmen Prof. Dr. André Bardow, Aachen: Vom Klima-Killer zum Welten-Retter? Zur stofflichen Nutzung von Kohlendioxid

Vortrag 1
Prof. Dr. Mark Ebers, Köln: Die Organisation von Innovation im Unternehmen

Um nachhaltig erfolgreich sein zu können, müssen Unternehmen ihre Produk- te und Leistungen, Leistungserstellungs- und Vermarktungsprozesse immer wieder verbessern und verändern. Denn wenn sie dies nicht tun, fallen sie mit der Zeit hinter ihre Konkurrenten zurück, verlieren an Wettbewerbsfähigkeit und scheiden irgendwann aus dem Wettbewerb aus. So gehören bspw. nur 61 der Unternehmen, die im Jahre 1955 unter den Fortune 500 waren, auch in 2014 noch dazu. Unternehmen stehen dabei vor der doppelten Herausforderung, sowohl ihre Bestands- als auch neuartige Geschäfte beständig zu entwickeln. Sie müssen ihre bestehenden Geschäfte beständig bewahren und verbessern, weil Konkurrenzdruck, technischer Wandel, abnehmende Nachfrage, regulatorische Eingriffe und andere Entwicklungen mehr bestehende Geschäftsmodelle rasch entwerten können. Da bestehende Geschäfte nicht dauerhaft sind, und auch um über die bestehenden Geschäfte hinaus Wachstum zu erzielen, müssen Unternehmen aber auch, wenn sie nachhaltig erfolgreich sein wollen, in der Lage sein, neue Geschäfte zu entwickeln. Bestandsgeschäfte liefern freien Cashflow, aus dem Investitionen in Neugeschäfte finanziert werden können. Und die Neugeschäfte werden, wenn sie denn erfolgreich sind, zu den Be- standsgeschäften der Zukunft. Dieser Kreislauf sichert den nachhaltigen Bestand und Erfolg des Unternehmens. Es ist nun jedoch nicht leicht, eine solche Balance zwischen Bestands- und Neugeschäften in einem Unternehmen zu erreichen. Denn die Sicherung und Weiterentwicklung von Bestandsgeschäften stellt ganz andere Anforderungen an ein Unternehmen, dessen Steuerung, Organisation und Management, als die Entwicklung neuartiger Geschäfte. Der Beitrag wird u.a. auf Basis eigener empirischer Forschungsarbeiten diskutieren wie Unternehmen die Spannungsfelder zwischen der Sicherung des Bestandsgeschäfts und der Entwicklung neuartiger, innovativer Leistun- gen und Geschäftsmodelle erfolgreich bewältigen können.

Vita
Professor Dr. Mark Ebers, geboren am 13. März 1956. 1974 Abitur in Ham- burg. 1974–1979 Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. 1979 Diplom-Kaufmann, Universität Hamburg. 1980–1985 wissenschaftlicher Angestellter am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirt- schaftslehre und Organisation (Prof. Dr. Alfred Kieser), Universität Mannheim. 1985 Promotion, Universität Mannheim. 1985–1992 Hochschulassistent an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre, Universität Mannheim. 1989–1990 John F. Kennedy Memorial Fellow Universität Harvard, Cambridge, Mass., USA. 1993 Habilitation, Universität Mannheim. 1992–1994 Vertretungspro- fessor (C4) cum spe für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation, Universität-GHS-Paderborn. 1994–2004 Universitätsprofessor (C4) für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Unternehmensführung und Organisation, Universität Augsburg. 1996 Visiting Professor Universitá L. Bocconi, Mailand. 1997 Visiting Scholar Harvard University, Cambridge, MA, USA. 2002 Visiting Scholar Harvard Business School, Boston, MA, USA. 2004 Visiting Professor Tilburg University, Niederlande. Seit 2004 Universitätspro- fessor (C4) für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensentwicklung und Organisation, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Universität zu Köln. 2006–2007 Visiting Fellow Advanced Institute of Management (AIM) International, University of Strathclyde, Glasgow, Schottland. 2008–2010 Visiting Professor University of Strathclyde, Glasgow, Schottland. 2008–2009 Visiting Scholar Columbia Business School, Columbia University, New York City, NY, USA. 2012–2013 Fellow Institute for Advanced Studies, Hebrew University, Jerusalem, Israel. 2014 Visiting Scholar New York University, New York City, NY, USA. 1985 Verleihung des Karin-Islinger Preis der Universität Mannheim für die Dissertationsschrift. Best Paper Award 2007, Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Best Paper Award 2007, European Group for Organizational Studies (EGOS). Seit 2000 Mit-Herausgeber der Fachzeitschrift „Die Betriebswirtschaft“. Mitglied in Editorial Boards verschiedener führender internationaler Fachzeitschriften. Seit 2003 Mitglied des Vorstands der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.. Seit 2011 Leiter des Arbeitskreises Organisation der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.. Seit 2007 Mitglied des Councils der „International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy“, Köln. Seit 2007 Senator der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Seit 2013 Representative-at-Large der Organization and Management Theory Division, Academy of Management, Inc..

Vortrag 2
Prof. Dr. André Bardow, Aachen: Vom Klima-Killer zum Welten-Retter? Zur stofflichen Nutzung von Kohlendioxid

Kohlendioxid ist das wichtigste Produkt der Menschheit: Kein anderes Molekül stellt der Mensch mehr her als CO₂. Allerdings ist das Produkt „CO₂“ nur ein Neben-Produkt, denn es entsteht bei der Erzeugung von Strom, Wärme und Antriebsenergie durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe. Das Neben- Produkt CO₂ wird als Abfall in die Atmosphäre entlassen, wo es wiederum seine schädigende Bedeutung für die Menschheit erlangt: Als Hauptursache des Klimawandels. Klimaschutz-Maßnahmen zielen daher auf die Reduktion von CO₂-Emissionen.

In jüngster Zeit wird allerdings intensiv diskutiert, Kohlendioxid nicht blind- lings zu vermeiden, sondern stattdessen stofflich zu nutzen. Die stoffliche Verwertung von CO₂ nutzt dabei die spezifischen Eigenschaften des CO₂- Moleküls zur Wertschöpfung. Mögliche Anwendungen reichen von der etablier- ten direkten Nutzung von CO₂, z. B. im Feuerlöscher, über die Herstellung von Kunststoffen aus CO₂ bis zu sogenannten solaren Brennstoffen aus Kohlendioxid und Wasserstoff. Die stoffliche Nutzung von CO₂ soll dabei gleichzeitig CO₂-Emissionen vermeiden und als unbegrenzte Kohlenstoff-Quelle den Verbrauch von fossilen Rohstoffen reduzieren. In diesem Vortrag wird die stoffliche Nutzung aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Die wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen werden aus einer thermodynamischen Betrachtung der CO₂-Nutzung abgeleitet. Diese Betrachtung erlaubt eine Klassifizierung der Möglichkeiten der stofflichen CO₂-Nutzung. Hierzu werden aktuelle Beispiele aus der Forschung und Praxis präsentiert. Mit Hilfe der Methodik der Ökobilanz (engl.: Life-cycle assessment, LCA) kann der mögliche Beitrag der CO₂-Nutzung zum Klimaschutz quantifi- ziert werden und eine Einordnung der Bedeutung der stofflichen CO₂-Nutzung erfolgen.

Vita
Professor Dr. André Bardow ist seit Februar 2010 Universitätsprofessor und Inhaber des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik an der RWTH Aachen University. Dort studierte er Maschinenbau mit der Fachrichtung Verfahrens- technik (Diplom 1999) und promovierte am Lehrstuhl für Prozesstechnik bei Herrn Prof. Marquardt (Promotion 2004). Auslandsaufenthalte absolvierte er an der Carnegie Mellon University, USA, und der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Gliwice, Polen. Thema seiner Dissertation war die „Modellgestützte experimentelle Analyse der Diffusion in Mehrkomponentengemischen“. Als Postdoktorand arbeitete er 2005–2006 am Institut für Polymere an der ETH in Zürich. Ab 2007 war er zunächst Assistant, dann Associate Professor für Trenntechnik an der Delft University of Technology in den Niederlan- den im Department of Process & Energy. Herr Bardow wurde gefördert durch die Studienstiftung, DAAD, DFG und die DaimlerChrysler Studienförderung. Von der RWTH erhielt er die Springorum Denkmünze und die Borchers- Plakette. Für seine grundlegenden Arbeiten zum integrierten Prozess- und Produktentwurf verlieh ihm die VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen 2009 den Arnold-Eucken-Preis. Seine Forschung umfasst alle Skalen der technischen Thermodynamik: vom Molekül bis zum Prozess. Die Anwendungen liegen dabei in der Energie- und Verfahrenstechnik. Schwerpunkte sind Stoffdaten für komplexe Fluide, die Energiesystemtechnik und die Sorptionstechnik