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11.11.2015, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 571. Sitzung

Prof. Dr. Marek Kowalski, Berlin: Die Entdeckung hochenergetischer kosmischer Neutrinos: Ein neues Fenster zum Kosmos?; Prof. Dr. Joachim Saur, Köln: Die Galileischen Monde des Jupiters: Feuer, Eis und Wasser

Vortrag 1
Prof. Dr. Marek Kowalski, Berlin: Die Entdeckung hochenergetischer kosmischer Neutrinos: Ein neues Fenster zum Kosmos?

Im Jahr 2013 hat das IceCube-Neutrinoteleskop am geographischen Südpol erstmalig die Existenz hochenergetischer Neutrinos kosmischen Ursprungs nachgewiesen. Damit steht der Astronomie ein neues Botenteilchen mit besonderen Merkmalen zur Verfügung. So könnten hochenergetische Neutrinos in Zukunft z.B. Einblick in das Innere von Supernova-Sternexplosionen geben oder erlauben, die Quellen der kosmischen Strahlung zu identifizieren. In dem Vortrag wird der Nachweis hochenergetischer astrophysikalischer Neutrinos mit IceCube vorgestellt, unser aktuelles Verständnis ihrer Quellen diskutiert sowie ein Ausblick auf die Zukunft gegeben.

Vita
Professor Dr. Marek Kowalski wurde 1974 in Bonn geboren. Sein Studium absolvierte er an der Universität Hamburg und der Humboldt-Universität zu Berlin (Diplom 1999). Promoviert hat er am DESY in Zeuthen und an der Humboldt-Universität zu Berlin (2003). Im Folgenden arbeitete er als Postdoctoral Researcher und Research Scientist am Lawrence Berkeley National Laboratory in der Supernova-Kosmologie-Gruppe von Saul Perlmutter (2004–2006). Mit einem Emmy-Noether-Stipendium kam er zurück nach Deutsch- land, wo er an der Humboldt-Universität eine Nachwuchsgruppe mit Schwerpunkt Neutrinos aufbaute (2006–2009). Im Jahr 2009 folgte er dem Ruf auf eine W3-Professur für Astroteilchenphysik und Kosmologie am Physikalischen Institut der Universität Bonn, wo er unter anderem den neuen Forschungsbau „Forschungs- und Technologiezentrum Detektorphysik“ koordiniert hat. Im Jahr 2014 nahm er einen Ruf auf eine W3-Professur an der Humboldt-Universität zu Berlin an, die mit der Stelle eines Leitenden Wissenschaftlers am DESY in Zeuthen verbunden ist. In seiner Arbeit beschäftigt sich Marek Kowalski mit dem Nachweis kosmischer Neutrinos sowie mit der präzisen Vermessung der Expansion des Universums. Im Jahre 2009 erhielt er für seine Arbeit den Preis für Physik der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Vortrag 2
Prof. Dr. Joachim Saur, Köln: Die Galileischen Monde des Jupiters: Feuer, Eis und Wasser

Die vier großen Monde des Jupiters, Io, Europa, Ganymed und Kallisto, ihrem Entdecker zu Ehren Galileische Monde genannt, spielten bei der Beantwortung wichtiger naturwissenschaftlicher Fragen eine historische Rolle. Aber auch ihre Beobachtungen mit modernen Teleskopen und Raumsonden bergen heute noch große Überraschungen. So entpuppte sich der Mond Io als der vulkanisch aktivste Körper unseres Sonnensystems. Die Jupitermonde Europa, Ganymed und Kallisto gelten als verheißungsvolle Kandidaten bei der Suche nach einer habitablen Umgebung außerhalb der Erde, d.h. einer Umgebung, die die Grundvoraussetzungen für biologisches Leben erfüllen könnte. Unter den Eisoberflächen dieser drei Monde werden riesige Ozeane aus flüssigem Wasser vermutet. Der Mond Ganymed ist außerdem der einzig bekannte Mond mit einem eigenen Magnetfeld. Auf Europa wurden jüngst aktive Geysire aus Wasserdampf gesehen, die 200 km in die Höhe ragen. Zudem weisen alle Monde Polarlicht-Aktivitäten auf, die mit dem Hubble-Weltraum-Teleskop beobachtet werden können, und deren Struktur und Helligkeit äußerst diagnostisch für das Verständnis der Atmosphären und des Inneren der Monde sind.

Vita

Professor Dr. Joachim Saur studierte Physik in Stuttgart und in Köln, wo er das Diplom im März 1995 erwarb. Anschließend wurde er im Februar 2000 an der Universität zu Köln mit einer Arbeit zur Plasmawechselwirkung von Io und Europa mit der Magnetosphäre Jupiters promoviert. Danach war er als Postdoc zunächst am Observatoire de la Côte d’Azure in Nizza (2000 bis 2001) und anschließend als Postdoctoral Fellow (2001 bis 2002) an der Johns Hopkins University und später als Senior Research Scientist (2003 bis 2005) am Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University in Baltimore tätig. Im Jahr 2005 wurde Joachim Saur als Professor an die Universität zu Köln berufen, an der er bis heute den Lehrstuhl für Geophysik innehat. Wissenschaftlich befasst sich Joachim Saur vor allem mit der Weltraumgeo- physik und hier speziell mit der Wechselwirkung von Monden mit dem sie umgebenden Plasma, mit den Plasmaumgebungen der Planeten in unserem Sonnensystem und denen von extrasolaren Planeten, mit Nordlichtern (Aurorae) bei Planeten und Monden und mit der Turbulenz in Weltraumplasmen. Interdisziplinär ist er tätig als Sprecher des Kompetenzfelds „Quantitative Modellierung komplexer Systeme“ an der Universität zu Köln, sowie in einem gemeinsamen Projekt mit Neurowissenschaftlern, in dem es um die Erforschung des Signaltransports in Patienten mit neurologischen Bewegungs- störungen (u. a. Parkinson) geht.