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02.03.2016, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 102. Sitzung

Prof. Dr. Dr. h.c. Rolf Emmermann, Berlin: Hydraulic Fracturing: Die Technologie, ihre Chancen und potentielle Risiken; Prof. Jörg Rocholl, PhD, Berlin: Staatsverschuldung und Niedrigzinsen: Quo vadis, Europa?

Vortrag 1

Hydraulic Fracturing, umgangssprachlich als „Fracking“ bekannt, ist eine kritisch und kontrovers diskutierte Technologie, die zwei Hauptanwendungsgebiete hat: die Gewinnung von Erdgas aus gering permeablen Gesteinen im geologischen Untergrund und die energetische Nutzung von tiefen Erdwärme- Reservoiren (petrothermale Geothermie). Der Vortrag gibt einen Überblick über die vielfältigen Facetten des Th emas Fracking. Im Mittelpunkt stehen dabei die Technologie selbst – von den Grundlagen des Frac-Prozesses über die Untergrunderkundung bis zu den Tiefb ohr- und Frac-Techniken – sowie die wirtschaftliche und energiepolitische Bedeutung von Fracking im Rahmen der Energiewende für den Standort Deutschland. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Diskussion von Gefahrenquellen und potenziellen Risiken für Mensch und Umwelt, wie z.B. Trinkwasser-/ Grundwasser-Kontamination, Chemie der Frac-Fluide und induzierte Seismizität. Es werden diverse Techniken und Maßnahmen zum Risikomonitoring und zur Risikovermeidung vorgestellt. Auf der Basis von wissenschaftlichen oder technischen Argumenten lässt sich ein generelles Verbot von Fracking nicht begründen. Der Einsatz der Technologie muss jedoch strengen Sicherheitsstandards folgen, klar geregelt sein und umfassend überwacht werden. Es wird deshalb vor einer grundsätzlichen Entscheidung der Politik die Durchführung von ausgewählten Pilot-/Testprojekten mit wissenschaftlich-technischer Begleitung empfohlen. Dabei könnte auch das Thema Kommunikation und Akzeptanz exemplarisch behandelt werden.

Prof. Dr. Dr. h. c. Rolf Emmermann (Jg. 1940), nach Studium der Geowissenschaften (mit Schwerpunkt Mineralogie, Geochemie und Lagerstättenkunde), Promotion und Habilitation, 1974 Berufung auf eine Professur an der TU Karlsruhe. 1981 bis 2005 Lehrstuhlinhaber für Mineralogie und Direktor des Instituts für Geowissenschaften an der JLU Gießen. 1991 Gründungsdirektor und von 1992 bis 2007 Vorstandsvorsitzender des GeoForschungsZentrums Potsdam GFZ.
Vortragsrelevante Aktivitäten:
1985 bis 1995 Koordinator des DFG-SPP „Kontinentales Tiefb ohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland KTB“ und Wissenschaftlicher Direktor des gleichnamigen BMBF-Großforschungsprojekts. 1996 bis 2012 Executive Chairman des International Continental Scientifi c Drilling Program ICDP und Koordinator des DFG-SPP „ICDP“.
Auszeichnungen / Mitgliedschaften:
Ehrendoktorwürde der TU Braunschweig, Distinguished Career Award der Geological Society of America, Großes Bundesverdienstkreuz. Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Academia Europaea und von acatech-Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.
Aktuelle Tätigkeiten:
Vorsitzender des Kuratoriums der Humboldt-Universität zu Berlin und des Landeshochschulrats Brandenburg.

Vortrag 2

Europa steht im Zuge der verschiedenen Krisen der vergangenen Jahre am Scheideweg. Die Verschuldung vieler europäischer Staaten ist nach wie vor hoch, und sie steigt in vielen Staaten weiter. Hinzu kommt eine beträchtliche private Verschuldung in vielen dieser Staaten, die die Handlungsspielräume wirtschaftlicher Akteure einschränkt und mittelbar zu weiteren Herausforderungen für die Staaten führt. Die gegenwärtige Niedrigzinsphase erleichtert zwar staatlichen und privaten Schuldnern den Zugang zur Finanzierung, aber sie stellt neue Fragen nach den längerfristigen Auswirkungen auf fi skalische Solidität, Finanzmarktstabilität und privaten Vermögensaufb au. Diese Th emen und ihre ökonomischen wie politischen Implikationen stehen im Mittelpunkt des Vortrags.

Prof. Jörg Rocholl, PhD ist Präsident der ESMT European School of Management and Technology in Berlin und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesfinanzministerium. Er ist darüber hinaus stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats der Deutschen Welle und Forschungsprofessor am ifo-Institut in München und Duisenberg Fellow der Europäischen Zentralbank (EZB). Prof. Rocholl absolvierte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke, das er als Diplom-Ökonom (mit Auszeichnung) abschloss. Er promovierte danach an der Columbia University in New York und erhielt einen ersten Ruf als Assistant Professor an die University of North Carolina in Chapel Hill. Seit dem Jahr 2007 lehrt und forscht Prof. Rocholl an der ESMT, deren Präsident er im Jahr 2011 wurde. Seit 2010 ist er Lehrstuhlinhaber des „EY Chair in Governance and Compliance“.