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09.03.2016, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 569. Sitzung

Prof.'in Dr. Martina Wagner-Egelhaaf, Münster: Autobiographieforschung. Alte Fragen – neue Perspektiven

Autobiographische Zeugnisse spielen in verschiedenen Disziplinen eine Rolle. In der Literaturwissenschaft werden sie unter gattungsgeschichtlichen und künstlerisch-literarischen Gesichtspunkten analysiert, während sie in der Geschichtswissenschaft, aber auch in den Sozialwissenschaften, häufig als Quellentexte gelesen werden. Die Frage nach dem Verhältnis von Fakten und Fiktion gehört daher zu den Grundfragen der Autobiographieforschung. Obwohl die Postmoderne sowohl das mit sich identische Subjekt als auch die ‚große Erzählung‘ dekonstruiert hat, ist das autobiographische Genre lebendiger denn je, hat gar bis in den Bereich der sozialen Netzwerke hinein vielfältige mediale Erweiterungen erfahren. Allerdings verändern sich nicht nur die Gegenstände, sondern gleichermaßen die wissenschaftlichen Zugriffe – und mit ihnen wiederum die Untersuchungsobjekte selbst. Aus der französischen Theoriediskussion ist der Begriff der ‚Autofiktion‘ auch in Deutschland übernommen worden, über dessen Brauchbarkeit lebhaft diskutiert wird. Neue Herausforderungen stellen sich im Zuge einer transkulturellen Erweiterung der Autobiographieforschung, die sich mit Phänomenen der Gattungsmischung, der Mehrsprachigkeit und veränderten kommunikativen Funktionen des Genres auseinanderzusetzen hat.

Prof.’ in Dr. Martina Wagner-Egelhaaf schloss nach dem Studium der Germanistik und der Geschichte an der Universität Tübingen und einem einjährigen Auslandsaufenthalt am University College London 1987 ihre Promotion in Tübingen mit einer Arbeit zur Mystikrezeption in der Literatur der Moderne ab. Von 1988 bis 1994 war sie als Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Konstanz tätig, wo sie sich 1994 mit einer Arbeit zur literarischen Melancholie habilitierte. Im Anschluss an die Habilitation erhielt sie 1995 einen Ruf an die Ruhr-Universität Bochum für das Gebiet Neugermanistik, insbes. Literaturtheorie und Rhetorik. Seit 1998 ist sie als Professorin für Neuere deutsche Literaturgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Moderne an der Universität Münster tätig. 2002 wurde sie mit dem Frauenförderpreis der Universität Münster ausgezeichnet. Von 2004–2010 war sie Mitglied im Senat und im Hauptausschuss der DFG. Seit 2008 ist Martina Wagner-Egelhaaf Principal Investigator im an der Universität Münster eingerichteten Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“. 2010 wurde sie in den zentralen Auswahlausschuss der Alexander von Humboldt-Stiftung berufen und in das AcademiaNet Ausgezeichnete Wissenschaftlerinnen aufgenommen; ebenfalls seit 2010 ist sie Mitglied im Ausschuss der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG). Sie hat Gastprofessuren in den USA, in Japan, China, Usbekistan und Kroatien wahrgenommen.