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13.04.2016, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 570. Sitzung

Prof. Dr. Bernd Heine, Köln: Sprachtod in Afrika

Wie überall in der Welt sterben auch in Afrika Sprachen in alarmierendem Umfang aus. Aber im Gegensatz zu den Beobachtungen, wie sie in anderen Teilen der Erde, etwa in Amerika oder Australien, gemacht worden sind, ist hierfür in Afrika in der Regel nicht die zunehmende Globalisierung und der Einfluss von Weltsprachen wie Englisch oder Spanisch von Bedeutung; vielmehr ist Sprachwechsel in Afrika fast ausschließlich das Ergebnis eines Prozesses, in dem einheimische Sprachen andere afrikanische Sprachen ersetzen. Die Gründe, die für Sprachwechsel in Afrika verantwortlich gemacht werden können, sind vielfältig; es lassen sich aber einige Hauptfaktoren festmachen, die in dem Vortrag vorgestellt werden. Am Beispiel der Akie-Sprache von Tansania soll die Situation beleuchtet werden, der sich vom Aussterben bedrohte Sprachen auf dem afrikanischen Kontinent ausgesetzt sehen. Diese Sprache, die zur nilotischen Sprachfamilie gehört, wird nur noch von weniger als zweihundert traditionellen Jäger-Sammlern gesprochen. Die Akie-Sprecher sind sich der bedrohlichen Lage bewusst, in der sich ihre Sprache und traditionelle Kultur befinden und haben Verhaltensformen entwickelt, um sich dieser Lage zu entziehen.

Prof. Dr. Bernd Heine wurde 1939 in Mohrungen (Ostpreußen) geboren, 1968 wurde er an der Universität zu Köln promoviert und 1971 habilitiert. 1978 wurde er auf den Lehrstuhl des Instituts für Afrikanistik dieser Universität berufen und zum Direktor des Instituts ernannt. Er nahm Gastprofessuren u.a. an den Universitäten Hamburg und Graz, an der Ecole des Hautes Etudes (Paris), in den USA (Dartmouth College, University of New Mexico), Australien (Melbourne), Afrika (Nairobi, Kapstadt), Südamerika (Rio de Janeiro) Japan (Tokio), Süd-Korea (Gwangju) und China (Shenzhen, Guangzhou) wahr; zur Zeit ist er Yunshan Chair Professor an der Guangdong University of Foreign Studies in China. Darüber hinaus war er zu einjährigen Forschungsaufenthalten im Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences (Stanford), im Institute for Advanced Study (Melbourne) und im Netherlands Institute for Advanced Study (NIAS, Wassenaar) eingeladen. Er ist Fellow of the British Academy, Honorary Member of the Linguistic Society of America, Distinguished World Class Scholar (Ministry of Education, Science, and Technology, Süd-Korea), und seit 1999 korrespondierendes Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Zu den rund 40 von ihm veröffentlichten Büchern zählen Auxiliaries (Oxford University Press 1993), Possession (Cambridge University Press 1997), sowie als Herausgeber The Oxford Handbook of Linguistic Analysis (2010).