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08.02.2017, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 576. Sitzung

Prof`in Dr. Käte Meyer Drawe, Bochum: Die Welt als Kulisse. Übertreibungen in Richtung Wahrheit

„Warum sieht der Mensch die Dinge nicht?“, fragt Nietzsche und antwortet sich selbst: „Er steht selber im Wege: er verdeckt die Dinge.“ In Anlehnung daran könnte man heute fragen: „Warum sieht der Mensch nicht, dass er seine Welt zerstört?“ und antworten „Immer noch steht der Mensch selbst im Wege. Hinzu kommen die Bilder, sie verdecken die Wirklichkeit.“ Als sinnbildlich für dieses Weltverhältnis könnte zurzeit das Selfie betrachtet werden, das fotografierte Selbstbildnis von Menschen vor dem Hintergrund berühmter Bauwerke und Menschen. Aber auch die begehrte Datenbrille, mit deren Hilfe man in die virtuelle Welt eintauchen kann, ist von emblematischer Bedeutung. Bilder gaukeln eine unmittelbare Begegnung mit dem Original vor. Unter der Hand verstärken sie aber eine gewisse Abgerissenheit von der Welt, eine Abstraktion, die uns als unbeteiligten Zuschauer konstituiert und vielleicht daran hindert, uns unsere destruktive Haltung „ins Gefühl zu bringen“ (Georg Misch). Gleichsam mit einem Kamerablick beziehen wir als Beobachter gegenüber der Welt Stellung und haben nicht an ihr teil. Wir sind dabei, uns unsere Welt als ein Konstrukt zurecht zu legen. Die Bilder lassen uns das Gewicht der Welt nicht spüren. „Was [dabei] auf dem Spiel steht, ist die menschliche Erfahrungsfähigkeit überhaupt.“ (Dietmar Kamper). Die in Aussicht gestellten Überlegungen werden sich diesem Weltentzug oder Weltverzicht widmen. Dabei verrät der Untertitel das Verfahren, das zur Anwendung kommen soll, nämlich die Übertreibung. Mit dicken Pinselstrichen sollen Trends und Tendenzen markiert und zur Diskussion gestellt werden.

Prof.’ in Dr. Käte Meyer-Drawe studierte von 1968 bis 1971 an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Bielefeld und legte dort 1973 ihr 2. Staatsexamen für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie ab und wurde 1977 zur Dr. päd. promoviert. Dort war sie bis 1979 wissenschaftliche Assistentin im Fachbereich I. Ab Oktober 1979 wechselte sie zum Institut für Pädagogik der Ruhr-Universität Bochum, wo sie 1983 die Venia Legendi für das Fach Pädagogik erhielt. 1984 wurde sie zur Professorin auf Zeit in Bochum berufen und erhielt 1987 die Berufung zur Professorin an der Ruhr-Universität Bochum mit dem Arbeitsschwerpunkt Allgemeine Pädagogik. Seit 1994 ist sie Mitglied des Beirates der Gesellschaft für phänomenologische Forschung, wo sie von 2000 bis 2015 Vizepräsidentin war. Seit 2005 ist sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Eugen-Fink- Gesamtausgabe und seit 2008 im Beirat der Reihe Pädagogik und Philosophie. Seit 2009 ist sie im Beirat des Walgenfeld-Archivs an der Universität Freiburg. Im September 2014 trat sie in den Ruhestand. Käte Meyer-Drawe ist seit 2015 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.