AWK - Detailansicht Veranstaltungen

Übersprungnavigation

Navigation

Inhalt

15.03.2017, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 582. Sitzung

Prof. Dr. Dominik Groß, Aachen: Gute wissenschaftliche Praxis in Medizin und Biowissenschaften - Probleme und Lösungswege; Prof. Dr. Achim Stahl, Aachen: Das Schicksal der Antimaterie in der Entwicklung des Universums: Von der physikalischen Grundlagenforschung zu medizinischen Anwendungen

Vortrag 1: Gute wissenschaftliche Praxis in Medizin und Biowissenschaften – Probleme und Lösungswege, Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß, Aachen

Seit einigen Jahren steht das Themenfeld „Gute Wissenschaftliche Praxis (GWP)“ bzw. „Wissenschaftliches Fehlverhalten“ verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. Hintergrund waren bzw. sind mehrere Plagiatsvorwürfe gegenüber z.T. sehr bekannten Personen, wobei mehrheitlich Dissertationen betroffen waren. Die besagte Entwicklung bedroht in sehr grundsätzlicher Weise das Ansehen der Wissenschaft und führt dementsprechend zu einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck der Universitäten und Hochschulen. Dies gilt auch – und insbesondere – für die Medizin und die Biowissenschaften, zumal das Promotions- und Habilitationsaufkommen, aber auch der Publikationsdruck in den betreffenden Disziplinen besonders hoch sind. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Vortrag aus medizin- und wissenschaftsethischer Sicht mit aktuellen Problemen im Kontext der „Guten Wissenschaftlichen Praxis“. Er geht aus von der öffentlichen Diskussion um wissenschaftliches Fehlverhalten und definiert die maßgeblichen – de facto uneinheitlich verwendeten – Termini technici (z. B. Textplagiat, Übersetzungsplagiat, Zitationsplagiat, Ideenpl agiat, Imitationsplagiat, Selbstplagiat). Er nimmt sodann die spezifischen Kritikpunkte der DFG an der biomedizinischen Forschungspraxis in den Blick, gibt einen differenzierten Überblick über (internationale, nationale, universitäre und fakultäre) GWP-Richtlinien und -Orientierungshilfen und diskutiert nachfolgend mögliche qualitätssichernde Maßnahmen bzw. Lösungsansätze (Berufung von Ombudsmännern bzw. universitärer Kommissionen zum Themenfeld, Einsatz von Plagiatssoftware, Etablierung der Kumulativen Promotion, Einführung von obligaten Promovendenschulungen in „Guter Wissenschaftlicher Praxis“, von schriftlichen Betreuungsvereinbarungen bzw. eidesstattlichen Erklärungen, Einstellung hauptamtlicher „Promotionskoordinatoren“, Implementierung von GWP-Lehrmodulen in die medizinische Ausbildung etc.) und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Am Ende der Betrachtung steht ein kurzgefasstes Resümee.

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. phil. Dominik Groß ist Professor für Medizinethik und Medizingeschichte. Er arbeitet seit 2005 als geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und ist Inhaber des gleichnamigen Lehrstuhls. Seit 2008 leitet er das Klinische Ethik-Komitee des Universitätsklinikums Aachen und seit 2010 den Arbeitskreis Ethik der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Dominik Groß absolvierte universitäre Ausbildungen in Zahnmedizin (1989 zahnärztliche Prüfung, 1991 Dr. med. dent. in Homburg), in Geschichte, Philosophie und Archäologie (1990 Magister Artium, 1993 Dr. phil. in Saarbrücken) und in Humanmedizin (2000 ärztliche Prüfung, 2001 Dr. med. in Ulm). Von 1990 bis 1996 arbeitete er als Zahnarzt im Universitätszahnklinikum Ulm. Nach Abschluss seiner Habilitation in Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (1998/99) und der Beendigung des Medizinstudiums (2000) arbeitete Dominik Groß parallel als Privatdozent in Würzburg und Ulm sowie als Zahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Stuttgart (2000-2005). Die Geschichte und Ethik der Zahnheilkunde gehört bereits seit 1990 zu seinen Arbeitsschwerpunkten.  

 

Vortrag 2 Das Schicksal der Antimaterie in der Entwicklung des Universums: Von der physikalischen Grundlagenforschung zu medizinischen Anwendungen Prof. Dr. Achim Stahl, Aachen

Nach unserem heutigen Verständnis entstand das Universum vor ca. 14 Milliarden Jahren mit dem Urknall, aus dem die Materie, aus der unsere heutige Welt besteht, aber auch eine identische Menge an Antimaterie hervorging. Wie diese Antimaterie im Laufe der Entwicklung des Universums verschwunden ist, gehört zu den größten offenen Fragen der Kosmologie. Mit Experimenten auf der Erde versuchen wir das Verhalten der Antimaterie zu verstehen und Unterschiede zwischen Materie und Antimaterie zu finden, die das Verschwinden der Antimaterie erklären könnten. Dabei entwickeln wir Methoden und Technologien, die Anwendungen weit über die physikalische Grundlagenforschung hinaus besitzen. Beispielhaft möchte ich aufzeigen, wie man von dieser Grundlagenforschung zu Anwendungen in der Strahlentherapie von Krebs kommt.

Prof. Dr. Achim Stahl ist Professor für Experimentalphysik an der Rheinisch- Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, Leiter des III. Physikalischen Institutes B und Direktor der Sektion FAME der JARA Jülich Aachen Research Alliance. Er hat in Tübingen Physik studiert, an der Universität Heidelberg 1993 mit einer Arbeit aus dem Bereich der Elementarteilchenphysik promoviert und ist über die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und eine Stelle als Leitender Wissenschaftler am HGF-Institut DESY (Zeuthen bei Berlin) nach Aachen gekommen. Dazwischen lagen teilweise mehrjährige Forschungsaufenthalte am europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik CERN bei Genf, am Stanford Linear Accelerator Center in den USA und an der University of Victoria in Kanada. Heute arbeitet er am LHC-Projekt am CERN, wo seine Gruppe 2012 das Higgs-Teilchen entdeckte, an mehreren Projekten der Neutrinophysik in Japan, China und Frankreich, an einem Projekt zur Antimaterie am Forschungszentrum Jülich (HGF) und Spin-Offs in die Strahlentherapie.