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27.04.2017, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 107. Sitzung

Prof.’ in Dr.-Ing. Ulrike Reutter, Wuppertal: Zur Zukunftsfähigkeit des Öffentlichen Verkehrs; Prof. Dr. Justus Haucap, Düsseldorf: Potenziale der Sharing Economy für den urbanen Personenverkehr

Vortrag 1: Zur Zukunftsfähigkeit des Öffentlichen Verkehrs, Prof.’ in Dr.-Ing. Ulrike Reutter, Wuppertal

Angesichts von Megatrends wie dem Klimawandel, Ressourcenknappheiten und dem sozialen und demografischen Wandel bei gleichzeitig knappen öffentlichen Kassen stellt die zukunftsfähige Gestaltung von Mobilität und Verkehr in den nächsten Jahrzehnten eine große Herausforderung dar. Hierbei spielen die öffentlichen Verkehrssysteme hinsichtlich ihrer Effizienz und Umweltverträglichkeit, ihrer Raumstruktur prägenden Wirkungen, ihrer Bedeutung für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung und ihres Innovationspotenzials eine zentrale Rolle. Um dieser Rolle gerecht zu werden, müssen sie zukunftsorientiert weiterentwickelt werden und dabei mit Blick auf ihre Finanzierung langfristig Bestand haben. Gleichzeitig sollte der öffentliche Verkehr technische Innovationen und gesellschaftliche Trends aufnehmen und für sich nutzen. Dabei gewinnen das kommunale und betriebliche Mobilitätsmanagement immer mehr an Bedeutung. Der Vortrag stellt dazu aktuelle Forschungsarbeiten vor.

Prof.’ in Dr.-Ing. Ulrike Reutter hat Anfang der 1980er Jahre in Dortmund Raumplanung studiert und ihr Studium als Diplom-Ingenieurin abgeschlossen. Nach einer kurzen Anstellung am Forschungsschwerpunkt Stadterneuerung der Hochschule der Künste in Berlin hat sie fast 25 Jahre am Institut für Landesund Stadtentwicklungsforschung in Dortmund als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und dort seit dem Jahr 2008 das Forschungsfeld Mobilität geleitet. Während dieser Zeit forschte sie unter anderem über das autofreie Leben und autofreie Stadtquartiere, worüber sie 1995 zur Doktor-Ingenieurin promovierte, zum Zusammenhang von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung sowie zum Mobilitätsmanagement und neuen Mobilitätsdienstleistungen. Im Jahr 2011 wechselte sie zur Technischen Universität Kaiserslautern und hatte dort von 2012 bis 2015 als Leiterin des Instituts für Mobilität und Verkehr (imove) die Professur für Verkehrswesen inne. Seit 2015 leitet sie das Lehr- und Forschungsgebiet für Öffentliche Verkehrssysteme und Mobilitätsmanagement am Fachzentrum Verkehr der Bergischen Universität Wuppertal. Dort bearbeitet sie mit ihrem Team drei Forschungsschwerpunkte: Grundlagen zum Verständnis von ökonomischen, technologischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen im öffentlichen Verkehr, neue Aufgabenfelder, Anwendungsbereiche und Kooperationen für den öffentlichen Verkehr sowie Mobilitätsmanagement als wichtige dritte Säule neben infrastrukturellen und technischen Handlungsansätzen. Ulrike Reutter berät das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bei der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020, sie ist Mitglied in der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL), Leibniz-Forum für Raumwissenschaften, in der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) und Sprecherin des Wissenschaftlichen Beirats des VCD Verkehrsclubs Deutschland.

Vortrag 2: Potenziale der Sharing Economy für den urbanen Personenverkehr, Prof. Dr. Justus Haucap, Düsseldorf

Während in vielen Staaten neue Mobilitätsanbieter wie Uber, Lyft etc. bestehenden Taxi-Unternehmen Konkurrenz machen, sind die neuen Taxi-Dienste in Deutschland weitgehend untersagt. Der Vortrag beleuchtet die volkswirtschaftlichen Potenziale der neuen Ride-Sharing –Dienste sowie den (de-)regulatorischen Handlungsbedarf, der sich ergibt, um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen, jedoch zugleich sinnvolle Schutzmechanismen für Passagiere beizubehalten.  

Prof. Dr. Justus Haucap, geb. 1969 in Quakenbrück (Niedersachsen), ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf. Von 2006 bis 2014 war er zudem Mitglied der Monopolkommission der deutschen Bundesregierung, davon vier Jahre als Vorsitzender (2008–2012). Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Saarbrücken und Ann Arbor (Michigan, USA) und anschließender Promotion an der Universität des Saarlandes folgten berufliche Stationen an der University of California (Berkeley, USA), der New Zealand Treasury in Wellington (Neuseeland) und der Universität der Bundeswehr in Hamburg, wo sich Justus Haucap 2003 auch habilitierte. Vor seinem Ruf an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (dort seit 8/2009) hatte er Lehrstühle an der Ruhr-Universität Bochum (2003–2007) und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (2007–2009) inne. Justus Haucap leitet die Arbeitsgruppe Wettbewerb im Verein für Sozialpolitik, er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesnetzagentur, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Mitglied im Kronberger Kreis (dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Marktwirtschaft) sowie in zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Beiräten. Er ist federführender Herausgeber des List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Mitherausgeber von Wirtschaft und Wettbewerb und Mitglied im Editorial Board von Telecommunications Policy, dem Jahrbuch für Wirtschaftswissenschaft, sowie sechs weiteren wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Wettbewerbsökonomie sowie der Regulierung infrastrukturbasierter Industrien wie Telekommunikation, Elektrizität und Verkehr. Justus Haucap ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und seit 2014 Mitglied der Nordrhein- Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.