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07.06.2017, 14:30 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 579. Sitzung

Dr. Clarissa Blume-Jung (MPhil), Bochum: Die Asche macht alle gleich? Individualität und Identität im durch Vielfalt geprägten Bestattungswesen Roms im 1. und 2. Jh. n. Chr.; Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Quante, Münster: Ist der Tod ein Übel? Philosophische Reflexionen der radikalen Endlichkeit menschlichen Personseins

Vortrag 1: Die Asche macht alle gleich? Individualität und Identität im durch Vielfalt geprägten Bestattungswesen Roms im 1. und 2. Jh. n. Chr., Dr. Clarissa Blume-Jung (MPhil), Bochum (Junges Kolleg)

“Die Asche macht alle gleich. Ungleich werden wir geboren, gleich sterben wir.“ Dieses Dictum Senecas stammt aus dem 1. Jh. n. Chr. Bei der Beschäftigung mit den archäologischen Resten römischer Bestattungen aus dieser Zeit fällt jedoch auf, dass die Gräber selbst die Idee der Gleichheit aller im Tod nicht spiegeln. Stattdessen sind ihre Lage, ihre Ausmaße, ihre Typen, ihre Dekoration und ihre Gesamtwirkung äußerst heterogen. Das Ziel des Vortrages ist es, einen Einblick in die Vielfalt der Gräber Roms im 1. und 2. Jh. n. Chr. zu vermitteln und zu diskutieren, was das vielfältige Erscheinungsbild über den Umgang der einzelnen Individuen mit dem Tod aussagt.

Dr. Clarissa Blume-Jung (MPhil) (Jahrgang 1983) ist Akademische Rätin auf Zeit am Institut für Archäologische Wissenschaften der Ruhr-Universität Bochum. Nach ihrem Studium der Klassischen Archäologie, Christlichen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte sowie der Alten Geschichte in Göttingen und Oxford, welches sie mit einem Master of Philosophy mit Auszeichnung abschloss, wurde sie in einer Kooperation der Universitäten Bochum und Heidelberg 2011 über „Die Polychromie hellenistischer Skulptur“ promoviert. Es folgte eine PostDoc-Stelle am interdisziplinären und internationalen Forschungszentrum EDRIS mit einem Forschungsprojekt zur Sichtbarkeit von Jenseitsvorstellungen am römischen Grab, bevor sie 2012 die Ratsstelle in Bochum antrat. Sie übernahm Lehrtätigkeiten an den Universitäten Heidelberg, Göttingen und Bochum, arbeitete für Ausgrabungen in Deutschland, Griechenland und Italien und organisierte verschiedene interdisziplinäre und internationale Projekte sowie Tagungen. Ihr Studium, ihre Forschungsprojekte und Publikationen wurden zum Beispiel von der Gerda Henkel Stiftung, dem Evangelischen Studienwerk Villigst e.V. und der VG-Wort gefördert. Im Wintersemester 2014/15 konnte sie sich während eines sechsmonatigen, vom DAAD geförderten Forschungsaufenthaltes in Rom auf ihr Habilitations-Projekt über die Heterogenität des Bestattungswesens in Rom im 1. und 2. Jh. n. Chr. konzentrieren. Clarissa Blume-Jung ist seit 2015 Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein- Westfälschen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Vortrag 2: Ist der Tod ein Übel? Philosophische Reflexionen der radikalen Endlichkeit menschlichen Personseins, Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Quante, Münster

Die Frage, ob der Tod des Menschen für die Person, um deren Tod es geht, ein Übel darstellt oder überhaupt darstellen kann, hat die Philosophie von ihren Anfängen an bis die Gegenwart hinein beschäftigt. Ein Ziel dieser philosophischen Reflexionen hat immer auch darin bestanden zu prüfen, welche Einstellung Menschen zur Tatsache, dass ihre Existenz mit dem Tod beendet sein wird, vernünftigerweise haben sollten. In systematischer Perspektive, die dem Vortrag zugrunde liegt, geht es dabei zuerst einmal um die Klärung zentraler Begriffe wie etwa den des Übels, aber auch darum, die Frage nach der Bedeutung des Sterbens von der des je eigenen Todes klar zu unterscheiden. Darüber hinaus erlaubt die Erörterung der Titelfrage auch, grundlegende Merkmale menschlichen Personseins in den Blick zu bekommen. Hierzu gehören die zeitliche Gerichtetheit unserer Existenz, aber auch die Endlichkeit menschlichen Lebens. Letztere wird derzeit in den Debatten um radikale Lebensverlängerung, die als technische Option am Horizont steht, kontrovers diskutiert. Aber auch die soziale Verfasstheit der personalen Lebensform des Menschen gerät in der philosophischen Debatte um die Bedeutung des Todes in den Blick. Vor allem im Kontext der Existenzphilosophie ist darum gestritten worden, ob der Tod eine Wesensstruktur unserer Existenz darstellt, die uns radikal vereinzelt, oder ob wir auch hier noch Teil einer sozialen Gemeinschaft sind oder zumindest sein könnten. Das Ziel dieses Vortrags ist es, den Zusammenhang von Endlichkeit, Zeitlichkeit und menschlichem Personsein anhand der Leitfrage, ob der Tod ein Übel darstellt, philosophisch zu explizieren.

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Quante studierte von 1982 bis 1989 die Fächer Deutsch und Philosophie und legte 1989 an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster das Staatsexamen ab. 1992 wurde er in Münster im Fach Philosophie promoviert. Von 1993 bis 1995 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem DFG-Forschungsprojekt und hatte ein Habilitandenstudium der DFG. Von 1996 bis 2001 war er wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Seminar der WWU Münster, wo er 2001 im Fachbereich Geschichte/ Philosophie habilitierte. Von 2001 bis 2004 war er Hochschuldozent am Philosophischen Seminar der WWU Münster. Außerdem hatte er für das Wintersemester 2003/2004 die Vertretung einer Professur für Praktische Philosophie an der Universität Duisburg-Essen, wo er 2004 zum Professor für Praktische Philosophie berufen wurde. Seit 2005 ist er Professor für Praktische Philosophie und Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Universität zu Köln; seit 2009 ist er Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Michael Quante ist seit 2016 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.