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13.06.2017, 12:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 108. Sitzung

Themenbezogene Klassensitzung zum Thema "Daten: Wem gehören sie, wer nutzt sie, wer speichert sie?"

Daten gibt es überall und sie werden zu vielen unterschiedlichen Zwecken gesammelt, gespeichert und genutzt. Die staatlichen Daten über Bürger sind seit der Volkszählung vom 9. Mai 2011 europaweit standardisiert und führen Melderegister, Daten der Bundesagentur für Arbeit mit Gebäude- und Wohnungszählung sowie einige Befragungen zusammen. Das Interesse an diesen sorgfältig erhobenen Daten bezieht sich auf die Statistik, die für staatliche Planungen nötig ist, nicht auf einzelne Personen. Demgegenüber sind die Daten der Geheimdienste und der Polizei auf einzelne Personen bezogen. Auch Videoüberwachung soll die Kriminalität eindämmen und ihre Verfolgung erleichtern. Umstritten ist die Vorratsdatenspeicherung, die wahllos beispielsweise alle Telefon- und E-Mail-Verbindungen speichert. Hier geben die Datenschutzrichtlinie und die Charta der Digitalen Grundrechte der EU¹ klare Einschränkungen des Speicherns und Gebrauchs vor.

Der weit größere Teil an Daten wird nicht geplant für einen bestimmten Zweck erhoben, sondern entsteht bei der Verfolgung eines anderen Zweckes. Am 22.12.2016 hatte das Internet mindestens 46 Milliarden von Google indexierte und 16 Milliarden von bing indexierte Seiten². Diese immense Datensammlung wird für wissenschaftliche Untersuchungen (z. B. Grammatikentwicklung und maschinelle Übersetzung) genutzt. Die öffentlich zugängliche Fachliteratur mit Verweisstrukturen unterstützt das wissenschaftliche Arbeiten.

Die große Teilmenge an Daten, die aus sozialen Netzwerken stammen, werden für soziologische Untersuchungen wissenschaftlich und für Wahlkämpfe oder Werbestrategien absichtsvoll genutzt. Oft spricht man vom „human sensor“. Längst werden auch App-Nutzungen in ähnlicher Weise genutzt. Ganze Wirtschaftszweige arbeiten an Speicher- und Analysealgorithmen, die personalisiert Werbung aussuchen bzw. Werbung für Nutzergruppen personalisieren. Mit personalisierter Werbung werden kostenlose Internetdienste finanziert. Es bleibt aber nicht bei der Werbung, auch der Einkauf wird über das Internet getätigt und lässt dabei eine Fülle an Daten entstehen. Empfehlungssysteme nutzen diese Daten für gezielte Werbung, Marketingstrategen analysieren, welche Kampagnen Erfolg zeigen und Ökonomen können den Markt anhand detaillierter Daten untersuchen.

Schließlich zeichnen Maschinen (Autos, Produktionsanlagen, Stahlwerke) ihre Einstellungen und Sensordaten auf. Oft sind dies noch Datenfriedhöfe. Teilweise werden unter dem Schlagwort Industrie 4.0 einfach bessere Maschine-zu- Maschine Kommunikation oder bessere Bedienstationen der horizontalen Vernetzung in der Produktion verstanden. Es gibt aber auch schon Ansätze der vertikalen Optimierung von Prozessen in der Produktion. So kann anhand der Daten die Qualität des Produktes frühzeitig prognostiziert werden. Ressourcen werden einerseits dadurch gespart, dass die Produktion abgebrochen und weitere Wertschöpfungsschritte nicht mehr unternommen werden, wenn die gewünschte Qualität der Produkte nicht mehr erreichbar scheint. Andererseits können Prozessparameter verändert werden, um Ressourcen (Energie, Material) zu sparen. Während die gängigen Modelle auf allgemeinen physikalischen Gesetzen basieren, können datengestützte Modelle ganz spezielle Eigenschaften von Prozessen aufzeigen, die zusätzlich ausgenutzt werden können. Das Thema „Daten“ betrifft viele Disziplinen und ist breit gefächert. Hier wird zunächst einmal die Diskussion begonnen mit Beiträgen zu juristischen, ökonomischen und Informatik-Aspekten.

¹ https://www.datenschutz-grundverordnung.eu/wp-content/uploads/2016/05/CELEX_32016R0679_DE_TXT.pdf
https://digitalcharta.eu

² Die Minimalschätzung von 4,74 Milliarden Seiten ergibt sich aus der Schätzung von bing und der geschätzten Überlappung von bing und Google Indizes http://www.worldwidewebsize.com

Vortrag 1: Prof. Dr. Katharina Morik, Dortmund
Themenbereich: Informatik

Prof. Dr. Katharina Morik wurde 1981 im Fach „Künstliche Intelligenz“ an der Universität Hamburg promoviert. Von 1982 bis 1985 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „HAMburger Anwendungsorientiertes natürlich sprachliches System“ an der Forschungsstelle für Informationswissenschaft und Künstliche Intelligenz der Universität Hamburg. Von 1985 bis 1988 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin, Fachbereich Informatik, Leiterin des Berliner Teils im Verbundprojekt „Lerner“. 1988 habilitierte sie sich an der TU Berlin im Fach Informatik. Von 1989 bis 1991 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung; Aufbau einer Arbeitsgruppe zu maschinellem Lernen und Projektleiterin des GMD-Anteils im europäischen Projekt „Machine Learning Toolbox“. Seit 1991 ist sie Professorin (C 4) an der TU Dortmund am Fachbereich Informatik, Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz. Katharina Morik ist seit 2014 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Vortrag 2: Andreas Schumann, Hydrologie RUB
Themenbereich: Hydrologie

Prof. Dr. Andreas Schumann studierte Physik, Hydrologie und Wassermengenwirtschaft an der Technischen Universität Dresden von 1972 bis 1976. Von 1976 bis 1981 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Meteorologie und Hydrologie der Technischen Universität Dresden. 1981 wurde er promoviert und trat in die Wasserwirtschaftsverwaltung ein. 1989 wurde er Oberingenieur

am Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik der Ruhr-Universität Bochum. 1994 habilitierte er an der Fakultät für Bauingenieurwesen der Ruhr-Universität. Seine venia legendi erhielt er für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Angewandte Hydraulik. 1999 wurde er außerplanmäßiger Professor an der RUB und erhielt 2001 den Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik der Ruhr-Universität. Professor Schumann ist seit 2014 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Vortrag 3: Prof. Dr. Justus Haucap, Düsseldorf
Themenbereich: Ökonomie

Prof. Dr. Justus Haucap, geb. 1969 in Quakenbrück (Niedersachsen), ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf. Von 2006 bis 2014 war er zudem Mitglied der Monopolkommission der deutschen Bundesregierung, davon vier Jahre als Vorsitzender (2008–2012). Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Saarbrücken und Ann Arbor (Michigan, USA) und anschließender Promotion an der Universität des Saarlandes folgten berufliche Stationen an der University of California (Berkeley, USA), der New Zealand Treasury in Wellington (Neuseeland) und der Universität der Bundeswehr in Hamburg, wo sich Justus Haucap 2003 auch habilitierte. Vor seinem Ruf an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (dort seit 8/2009) hatte er Lehrstühle an der Ruhr-Universität Bochum (2003–2007) und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (2007–2009) inne. Justus Haucap leitet die Arbeitsgruppe Wettbewerb im Verein für Sozialpolitik, er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesnetzagentur, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Mitglied im Kronberger Kreis (dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Marktwirtschaft) sowie in zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Beiräten. Er ist federführender Herausgeber des List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Mitherausgeber von Wirtschaft und Wettbewerb und Mitglied im Editorial Board von Telecommunications Policy, dem Jahrbuch für Wirtschaftswissenschaft, sowie sechs weiteren wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Wettbewerbsökonomie sowie der Regulierung infrastrukturbasierter Industrien wie Telekommunikation, Elektrizität und Verkehr. Justus Haucap ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und seit 2014 Mitglied der Nordrhein- Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Vortrag 4: Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim von Braun, Bonn
Themenbereich: Wirtschaftlicher und ökonomischer Wandel

Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim von Braun ist Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn. 1975 erhielt er das Diplom zum Diplom-Ingenieur der Agrarwissenschaften an der Universität Bonn und 1978 promovierte er zum Dr. scagr. (Agrarökonomie) an der Universität Göttingen. 1983 habilitierte er ebenfalls in Göttingen und erhielt die Venia Legendi im Bereich Agrarökonomie. Von 1990 bis 1993 war er Direktor der Food Consumption and Nutrition Policy Division am International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington, D.C., USA. Von 1993 bis 1997 war er Professor für Ernährungswirtschaft, Ernährungspolitik und Welternährungsfragen sowie Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaften und Verbrauchslehre der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel. Von 1997 bis 2002 war er Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung und Leiter der Abteilung „Wirtschaftlicher und Technologischer Wandel“. Von 2002 bis 2009 war er Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI), Washington. 2009 ist er an seine Position als Direktor im Zentrum für Entwicklungsforschung Bonn und Leiter der Abteilung „Wirtschaftlicher und Technologischer Wandel“ zurückgekehrt. Seit 2012 ist er Mitglied der Pontificia Academica Scientiarum. Joachim von Braun ist seit 1999 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Vortrag 5: Dr. Alexander Scheuch, Münster (Junges Kolleg)
Themenbereich: Jura

Dr. Alexander Scheuch (Jahrgang 1985) studierte von 2005 bis 2010 in Münster als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Rechtswissenschaften. Parallel durchlief er eine zweijährige englischsprachige Ausbildung im Common Law. In seiner 2013 abgeschlossenen Dissertationsschrift, die mit dem Harry- Westermann-Preis der Münsteraner Rechtswissenschaftlichen Fakultät ausgezeichnet wurde, befasste er sich mit den Auswirkungen der vermeintlichen Mitgliedschaft in Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Zwischen 2013 und 2015 absolvierte er das Referendariat in Bonn, Köln, Düsseldorf und London. Seit Oktober 2015 ist er Habilitand am Institut für Internationales Wirtschaftsrecht (Prof. Dr. Saenger) in Münster. Dort wirkt er auch im interdisziplinären Risk & Compliance Research Center mit. Ferner ist er Gründungsmitglied und früherer Bundesvorsitzender der Initiative Weitblick, die Bildungsprojekte fördert und Studierende aller Fachrichtungen für soziale Verantwortung sensibilisieren möchte. Alexander Scheuch ist seit 2017 Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.