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06.09.2017, 15:00 Uhr

Klasse für Geisteswissenschaften, 580. Sitzung

Prof. Dr. Klaus Wolfgang Niemöller, Köln: „Luthers Reformation und ihre interkonfessionellen Auswirkungen auf Kirchenmusik und Musikkultur bis zum 19. Jahrhundert

Die Reformation zeitigte auf dem Gebiet der Kirchenmusik weitreichende Folgen, die weit über den Einfluss der 37 Luther-Lieder hinausging. Insbesondere die Pflege kunstvoller Kirchenmusik ist in ihrer Vielfalt auf dem Hintergrund der Spannungen zwischen den territorial zersplitterten Reichsständen zu sehen. Am Beispiel der bikonfessionellen Reichsstädte Augsburg und Regensburg wird die differente Praxis deutlich. Namentlich ergibt die Weitertradierung altkirchlicher lateinischer Kirchenmusik durch die lutherischen Lateinschulen eine neue interkonfessionelle Perspektive. Sie verbindet sich mit der Wertschätzung der humanistischen Latinität durch Luther, Melanchthon und Bugenhagen. Ein Gegenbild vermitteln die Territorien am Niederrhein, in denen lediglich deutschsprachige Kirchenlieder (Bonner Gesangbuch) reformatorisches Gedankengut vermitteln. Die überkonfessionelle Bedeutung der Kirchenmusik erschließt sich besonders durch die Kompositionen, die bei reichsfürstlichen Anlässen von der Leipziger Disputation 1518 bis zum Interim 1555 ein Abbild der Situation sind. Bilddokumen-tation und Musikbeispiele veranschaulichen den Fokus des Vortrages.

Prof. Dr. Klaus Wolfgang Niemöller, geboren 1929 in Gelsenkirchen, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der Universität zu Köln. Nach Promotion 1955, Habilitation 1964 und Professur 1969 war er seit 1975 Direktor des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Münster und von 1983-1994 des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität zu Köln. Er war von 1976–2006 Vorsitzender des Joseph Haydn-Instituts, Köln; von 1989–1994 Präsident der Gesellschaft für Musikforschung und von 1991–2002 Vorsitzender des Ausschusses für Musikwissenschaftliche Editionen der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften in Mainz. Er ist seit 1986 Vorsitzender bzw. im Vorstand der Robert Schumann-Forschungsstelle, Düsseldorf und seit 1997 Vorsitzender des Instituts für deutsche Musikkultur im östlichen Europa (IME), Bonn.
Klaus Wolfgang Niemöller ist seit 1976 ordentliches Mitglied der Akademie und amtierte von 1996 bis 1999 als Sekretar der Klasse für Geisteswissenschaften und als Vizepräsident.