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14.09.2017, 15:30 Uhr

Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, 109. Sitzung

Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer, Aachen: Batteriesysteme für stationäre und mobile Anwendungen – Perspektiven einer Schlüsseltechnologie; Prof. Dr. Juergen B. Donges, Köln: Die unkonventionelle Geldpolitik der EZB: Überzogene Erwartungen, problematische Nebenwirkungen

Vortrag 1: Batteriesysteme für stationäre und mobile Anwendungen – Perspektiven einer Schlüsseltechnologie

Während im Automobilbereich Lithium-Ionen-Batterien in einer großen Zahl von Derivaten die quasi alleine beherrschende Technologie darstellen, gibt es im Bereich der stationären Speicher eine Reihe unterschiedlicher Technologien, die im akademischen Bereich erforscht oder durch verschiedene Start-ups in den Markt gebracht werden. Neben der in der Regel im Fokus stehenden Chemie der verschiedenen Speichertechnologien sind für einen zuverlässigen, sicheren und langlebigen Betrieb aber auch viele systemtechnische Aspekte zu beachten. Dazugehören die elektronische Überwachung, die Zustandsbestimmung inkl. des Sicherheitsstatus, Kühl- und Heizkonzepte, intelligente Lade- und Betriebsmanage-mentstrategien sowie grundsätzliche Fragen von Verschaltungskonzepten, Zell-größen und Spannungslagen. In vielen Bereichen haben sich quasi-Standards etabliert, denen aber in vielen Fällen keine harten wissenschaftlichen Fakten zu Grunde liegen. Diese sind oftmals die Folge von Zufällen oder marktverfügbaren Komponenten. Gerade auch im Bereich der Bestimmung von Zuverlässigkeit und Lebensdauer auch in Abhängigkeit des Systemaufbaus steht die Forschung noch ganz am Anfang. Gleichzeitig ist in den kommenden drei bis vier Jahren eine extreme Zunahme von Batteriesystemen sowohl im Fahrzeugbereich als auch im stationären Sektor zu erwarten.

Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer ( Jhg. 1969) studierte Physik an der TH Darmstadt und begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit der Diplomarbeit beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg im Jahr 1992. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 2000 als Gruppenleiter hat er zu den Themenschwerpunkten Speichersysteme, Energiemanagementkonzepte für dezentrale Stromerzeuger in Netzen und Netzferne Energieversorgung gearbeitet. Seine Promotion fertigte er zur Alterung von Bleibatterien und zum optimalen Aufbau und Management von netzfernen Stromversorgungen an der Universität Ulm unter Leitung von Prof. Garche an. Im Jahr 2003 wurde Dr. Sauer als einer der ersten Juniorprofessoren an die RWTH Aachen für das Lehr- und Forschungsgebiet „Elektrochemische Energie-speicherung und Speichersystemtechnik“ und 2009 bzw. 2012 als Univ.-Professor bzw. als Lehrstuhlinhaber ebendort zum gleichen Thema in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik berufen. Die Arbeitsgruppe hat derzeit etwa 75 Vollzeitmitarbeiter/innen und etwa 80 Studierende, die sich mit den Themen Batteriespeichersysteme für mobile und stationäre Anwendungen in allen Facetten beschäftigen.Dirk Uwe Sauer ist unter anderem Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften – acatech, der Nationalen Plattform Elektromobilität und einer von fünf Direktoren des wissenschaftlichen Akademieprojektes „Energiesysteme der Zukunft“, getragen durch acatech, die Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. Ferner ist er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der VGB Powertec (Kraftwerksverband), Direktor der Jülich-Aachen Research Alliance ( JARA) im Bereich Energie und seit 2006 wissenschaftlicher Leiter der jährlichen Konferenzen „International Renewable Energy Storage (IRES)“ sowie (zusammen mit Prof. Winter (Uni Münster und FZ Jülich)) seit 2009 der internationalen Konferenz „Advanced Battery Power“.

Vortrag 2: Die unkonventionelle Geldpolitik der EZB: Überzogene Erwartungen, problematische Nebenwirkungen

Die monetären Bedingungen für die wirtschaftliche Aktivität der Industrieländer werden seit der Weltfinanz- und -wirtschaftskrise vor zehn Jahren durch eine beispiellose ultralockere Geldpolitik der Notenbanken geprägt, auch die der Europäischen Zentralbank (EZB). Neben der Senkung der Leitzinsen bis nahe null schlug allenthalben die Stunde der „kreativen“ Geldpolitik mit einem ag-gressiven Einsatz von sehr unkonventionellen Mitteln. Die EZB legte zahlreiche Programme zur Versorgung des Bankensystems mit umfangreicher Liquidität zu sehr günstigen Bedingungen auf. Hinzugekommen ist eine Strategie des milliardenschweren Ankaufs von Staatsanleihen („Quantitative Easing“). Die Lenkungs-funktion des Zinsmechanismus, die aus Effizienzgründen unabdingbar ist, wurde außer Kraft gesetzt. Eine extreme Variante der unkonventionellen Geld-politik, über die bislang nur diskutiert wird, die aber vom EZB-Präsidenten als eine „interessante Idee“ bezeichnet wurde, wäre das friedmansche „Helikoptergeld“ zwecks Flutung der Volkswirtschaft mit Gratis-Geld.Der Vortrag untersucht zwei grundlegende Aspekte: Zum einen die makroökonomischen Auswirkungen der unkonventionellen Geldpolitik, insbesondere bezüglich der von der EZB gehegten Erwartungen über ein beschleunigtes Wirt-schaftswachstum und einer zielkonformen Inflationsrate. Zum anderen die gesamtwirtschaftlichen Risiken und Fehlanreize, die aus der immensen Geld-schwemme und den künstlich reduzierten staatlichen Refinanzierungskosten resultieren. Als Ergebnis der Überlegungen ergibt sich ein fragwürdiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Daher wird eine Kehrtwende in der europäischen Geldpolitik vorgeschlagen. Die EZB sollte – in Verbindung mit einer vorab guten Kommuni-kation der Finanzmärkte – die unkonventionellen Maßnahmen schrittweise zurückfahren („Tapering“), die Leitzinsen behutsam erhöhen und das Geld wieder knapper machen – wie es in den Vereinigten Staaten die Federal Reserve neuerdings praktiziert.

Prof. Dr. Juergen B. Donges studierte, nach dem Abitur 1958 an der Deutschen Schule in Madrid und einer dreijährigen Lehre zum Industriekaufmann in Heidenheim an der Brenz, von 1961 bis 1966 Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken (Diplom-Volkswirt). Dort wurde er 1969 zum Dr. rer. pol. promoviert. Von 1969 bis 1989 forschte er am Institut für Weltwirtschaft, Kiel, war dort erst Abteilungsleiter und von 1983 bis 1989 Vizepräsident. 1972 war er als Foreign Trade Consultant zur Weltbank, Washington DC, gegangen. Von 1979 bis 1990 war er Honorarprofessor an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Von 1989 bis 2007 war er ordentlicher Professor für Wirtschafts-wissenschaften an der Universität zu Köln und Ko-Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an dieser Universität, sowie von 2002 bis 2007 Ko-Direktor des Otto-Wolff-Instituts für Wirtschaftsordnung Köln. Juergen B. Donges war, und ist es zum Teil noch, Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beiräte von Forschungseinrichtungen, Stiftungen und staatlichen Institutionen im In- und Ausland. Von 1992 bis 2002 gehörte er dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (den „Fünf Wirtschaftsweisen“) an und war die beiden letzten Jahre dessen Vorsitzender. Von 1989 bis 1991 hatte er die Deregulierungskommission der deutschen Bundesregierung geleitet. Seit 1995 ist er korrespondierendes Mitglied (für Deutschland) der Königlich-Spanischen Akademie der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften (RACEF), Barcelona. Er ist Herausgeber der Schriftenreihe „Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik“ und Mitherausgeber der „Zeitschrift für Wirtschaftspolitik“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Konjunktur und Wachstum, Arbeitsmarkt, Außenwirtschaft, Europäische Integration und die Wirtschaft Spaniens. Juergen B. Donges ist seit 2003 ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.