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20.09.2017, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 585. Sitzung

Prof. Dr. Michael Kramer, Bonn: Einsteins Universum - Schwarze Löcher, Neutronensterne und Gravitationswellen; Prof. Dr. Thorsten Kleine, Münster: Die Bildung von Jupiter und wie das Wasser auf die Erde kam

Vortrag 1: Einsteins Universum - Schwarze Löcher, Neutronensterne und Gravitationswellen

Das Universum ist voll von exotischen Objekten und Phänomenen, die uns an den Rand unseres Verständnisses der fundamentalen Physik bringen. Astrono-mische Messungen erlauben uns, diese Objekte und deren Physik zu untersuchen. Der Vortrag berichtet von solchen astronomischen Messungen, insbesondere mit den neusten radioastronomischen Techniken, die auch unsere Grenzen des technologisch Machbaren, wie zum Beispiel im Bereich von Big Data und Big Data Analytics, heute und in der Zukunft verschieben.

Prof. Dr. Michael Kramer wurde 1967 in Köln geboren, wo er auch später Physik studierte. Er promovierte 1995 an der Universität Bonn mit einer Forschungsarbeit, die er am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIf R) durchführte. Nach einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPIf R ging er 1998 mit einem Otto-Hahn-Stipendium der MPG nach Berkeley. Ein Jahr später nahm er eine Position als Lecturer an der Universität zu Manchester an. Dort wurde er anschließend Senior Lecturer, Reader und schließlich 2006 Professor der Astro-physik. Gleichzeitig wurde er Leiter der Pulsar-Gruppe und Associate Director am Jodrell Bank Observatory. Im Jahre 2009 wurde er als Direktor an das MPIf R berufen, wo er die Abteilung zur Radioastronomischen Fundamentalphysik leitet. Für seine Arbeiten hat er eine Reihe von Preisen gewonnen, wie z. B. den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die Herschel Medaille der Royal Astronomical Society, oder den Marcel-Grossmann-Preis für seine Arbeiten zur relativistischen Astrophysik. Er gewann 2008 einen ERC Advanced Grant und in 2015 einen ERC Synergy Grant. Er ist außerdem ein Mitglied des Wissenschaftlichen Rats des European Research Council.

Vortrag 2: Die Bildung von Jupiter und wie das Wasser auf die Erde kam

Meteorite sind die einzigen Proben, die aus der Frühzeit der Planetenentstehung erhalten geblieben sind. Die meisten dieser Meteorite kommen aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Hochpräzise Isotopenmessungen zeigen jedoch, dass die Meteorite von Körpern stammen, die ursprünglich in einem sehr viel weiteren Bereich des Sonnensystems entstanden sind. Dabei lassen sich zwei fundamental unterschiedliche Meteoritengruppen unterscheiden, die wahrscheinlich diesseits und jenseits von Jupiter entstanden sind. Über die Datierung von Proben aus beiden Meteoritengruppen kann daher die Bildung von Jupiter zeitlich eingrenzt werden. Es zeigt sich, dass sich der Kern von Jupiter in weniger als einer Million Jahre nach Entstehung des Sonnensystems gebildet hat und dass die Akkretion von Jupiters Gashülle etwa drei bis vier Millionen Jahre in Anspruch genommen hat. Damit ist Jupiter nicht nur der größte, sondern wahrscheinlich auch der älteste Planet in unserem Sonnensystem. Diese neuen Ergebnisse machen es nicht nur erstmalig möglich, die Ent-stehung von Jupiter zu datieren, sondern sie liefern auch wichtige Einblicke in die Herkunft des Wassers auf der Erde. Durch das Wachstum von Jupiter wurden Wasserreiche Körper aus dem äußeren Sonnensystem auf exzentrische Bahnen gezwungen und gelangten so schon sehr früh in das innere Sonnensystem. Diese Körper wurden wahrscheinlich von der Erde aufgenommen, die daher schon während ihrer Hauptwachstumsphase Wasser enthalten hat. Bisher war davon ausgegangen worden, dass Wasser erst später, vielleicht durch den Einschlag von Kometen, auf die Erde gekommen ist. Solch eine späte Addition von Wasser hat nach den neuen Erkenntnissen aber wahrscheinlich nicht stattgefunden.

Prof. Dr. Thorsten Kleine studierte Geowissenschaften in Münster, wo er zwei Diplome in Geologie (2000) und in Mineralogie (2001) erwarb. Anschließend wurde er im Januar 2004 an der Universität Münster mit einer Arbeit zur Datierung der Entstehung terrestrischer Planeten promoviert. Danach war er zunächst Postdoctoral Fellow, dann Oberassistent und schließlich Assistenz-Professor an der ETH Zürich (2004–2009), an der er sich 2008 habilitierte. Im Oktober 2009 wurde Thorsten Kleine auf den Lehrstuhl für Planetologie an der Universität Münster berufen. Wissenschaftlich befasst sich Thorsten Kleine mit der Entstehung des Sonnensystems und der Bildung der Planeten. Er benutzt kleinste Unterschiede in der Isotopenzusammensetzung von Meteoriten und Mondgesteinen, um die Bildung von Asteroiden und terrestrischen Planeten zu datieren, die Entstehung des Erdmonds zu verstehen, die Herkunft des Wassers auf der Erde zu bestimmen und die Bedeutung von Jupiter in der Frühgeschichte des Sonnensystems zu untersuchen. Thorsten Kleine ist Fellow der Meteoritical Society und seine Arbeiten sind mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. mit dem Nier Prize der Meteoritical Society, der Clarke Medal der Geochemical Society und einem Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats. Thorsten Kleine ist Ko-Sprecher des Transregios TRR170 „Late accretion onto the terrestrial planets“.