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25.10.2017, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 586. Sitzung

Prof. Dr. Armido Studer, Münster: Das Elektron als Katalysator!

Ist das Elektron generell ein Katalysator in der Synthese? Diese fundamentale Frage wird gegenwärtig im Arbeitskreis von Armido Studer adressiert. Das Prinzip der Brönsted-Säure- (d. h. Protonen-) Katalyse ist in der Organischen Chemie etabliert und gemeinhin akzeptiert. Das Elektron, im Vergleich zum Proton ca. 1800 mal kleiner und ebenfalls omnipräsent, wird in der Synthese jedoch nicht als potentieller Katalysator wahrgenommen. Bestimmte Reaktionen, die über radikalische und radikalanionische Intermediate ablaufen, lassen sich als von Elektronen katalysierte Prozesse beschreiben. Katalyse mit dem Elektron als Konzept ist nahezu unerforscht. Im Vortrag soll diese neue Art der Katalyse vorgestellt und deren Potential an ausgewählten Beispielen aufgezeigt werden. Als Fernziel der Forschung ist die Etablierung der Katalyse mit dem Elektron als neuen eigenständigen Forschungszweig in der Organischen Synthese zu nennen. Hierzu muss gezeigt werden, dass dieses Konzept sehr breit und generell an-wendbar ist. Verschiedene Reaktionen, die gegenwärtig mit Metallen katalysiert werden, sollen mittels Elektronen-Katalyse übergangsmetallfrei durchgeführt werden. Im Zuge knapper werdender Ressourcen an Übergangsmetallen ist die Entwicklung von Übergangsmetall-freien Prozessen sehr bedeutend.

Prof. Dr. Armido Studer erhielt sein Diplom 1991 und promovierte 1995 an der ETH Zürich bei Prof. Dieter Seebach. Sein anschließendes Postdoktorat führte er an der University of Pittsburgh bei Prof. Dennis P. Curran durch. 1996 begann er seine eigenständige wissenschaftliche Laufbahn an der ETH Zürich. 2000 nahm er eine Professur für Organische Chemie an der Philipps-Universität Marburg an und folgte 2004 einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Organische Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2006 wurde er mit dem „Novartis Young Investigator“-Preis in Chemie, 2007 mit dem „Solvias Ligand Contest“-Preis und 2014 mit dem Forschungspreis der WWU Münster ausgezeichnet. In 2016 erhielt er einen „ERC-Advanced-Grant“ zum Thema Elektronen-Katalyse. Seine Forschung liegt im Bereich der Methodenentwicklung in der Radikalchemie, der NHC-Katalyse und der Übergangsmetall-Katalyse. Polymerchemie und Oberflächenchemie sind weitere aktuell bearbeitete Forschungsgebiete.