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15.11.2017, 15:30 Uhr

Klasse für Naturwissenschaften und Medizin, 587. Sitzung

Prof.’in Dr. Irene Esposito, Düsseldorf: Molekulare Subtypisierung des Pankreaskarzinoms: Auf dem Weg zur personalisierten Therapie?; Prof. Dr. Ulrich Kück, Bochum: Anwendungsbezogene Grundlagenforschung mit Pilzen

Vortrag 1: Molekulare Subtypisierung des Pankreaskarzinoms: Auf dem Weg zur personalisierten Therapie?

Das duktale Pankreaskarzinom (PDAC) zählt zu den aggressivsten malignen Neoplasien des Menschen. Epidemiologische und biostatistische Daten haben belegt, dass das Pankreaskarzinom bis 2030 nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache in den industrialisierten Ländern sein wird. Sowohldie ungünstige retroperitoneale Lage des Organs als auch eine intrinsische biologische Aggressivität können erklären, warum das Pankreaskarzinom oft erst diagnostiziert wird, wenn die Organgrenzen schon überschritten sind (ca. 80% der Fälle) bzw. wenn sich bereits Fernmetastasen gebildet haben (ca. 50% der Fälle). Experimentelle Daten der letzten Jahre, generiert durch komplexe genetisch modifizierte Mausmodelle und durch die Anwendung moderner Methoden der sog. next generation Sequenzierung (NGS), haben zum einen erlaubt, unterschiedliche Vorläuferläsionen des PDAC und unterschiedliche molekulare Signalwege der Karzinogenese zu identifizieren, aus denen sich verschiedene molekulare Subtypen des Pankreaskarzinoms entwickeln können. Dazu gehören beispielweise die verschiedenen Arten des Pankreaskarzinoms, die aus den intraduktalen Pankreasneoplasien entstehen und deren 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 7–70% schwankt. Zum anderen konnte gezeigt werden, dass der Genotyp des Pankreaskarzinoms sowohl für die Prognose der Patienten als auch für das Ansprechen auf Chemotherapie eine wichtige Rolle spielt. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der in der wissenschaftlichen Literatur häufig kontrovers diskutiert wurde, ist die Rolle der ausgeprägten Stroma-Reaktion (sog. Desmoplasie), die das Pankreaskarzinom charakterisiert und auch vom Genotyp der Karzinomzellen abhängig sein kann.

Prof.'in Dr. Irene Esposito wurde 1972 in Viareggio (Italien) geboren. Nach dem Medizinstudium (1991–1997) und Promotion an der Universität Pisa war sie 1997–2002 Assistenzärztin am Institut für Pathologie derselben Universität. Fokus ihrer wissenschaftlichen Interessen waren seit Anfang des Studiums die Onkologie und insbesondere die Tumorbiologie und Tumorpathologie. Während eines Forschungsaufenthaltes im Molekularbiologischen Labor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Inselspital, Universität Bern, Schweiz (2000–2001) konnte sie ihre Kenntnisse der Biologie und Genetik des Pankreaskarzinoms, welches auch Thema ihrer Promotion gewesen war, vertiefen, so dass sie, zurück in Italien, ein eigenes Labor bis zum Ende der Facharztausbildung in Pisa etablieren konnte. 2003–2007 arbeitete sie als Fachärztin am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg und im Juni 2007 habilitierte sie dort zum Thema „Role of inflammatory and stromal cells in inflammation and neoplastic diseases of the pancreas“. 2008-2010 leitete sie die Mauspathologie der Deutschen Mausklinik am Helmholtz Zentrum München und nach Ablehnung des Rufs auf eine Professur für Pathologie an der Universität Heidelberg erhielt sie 2010 den Ruf auf die Professur für Tumorpathologie an der Technischen Universität München (TUM). Anfang 2011 wurde sie zur Leitenden Oberärztin und stellvertretenden Direktorin des Instituts für Pathologie der TUM bestellt. 2012 wurde Irene Esposito mit dem Rudolf-Virchow-Preis der Deutschen Gesellschaft für Pathologie für experimentelle Arbeiten über Vorläuferläsionen des Pankreaskarzinoms geehrt. Von 2014 bis 2015 leitete sie das Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Innsbruck in Österreich. Seit August 2015 ist sie W3-Professorin für Pathologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Direktorin des Instituts für Pathologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Ihr Forschungsspektrum schließt sowohl Themen der Grundlagenforschung, wie die Untersuchung der Interaktionen zwischen Stroma und Epithel in der Organregeneration und in der Tumorentstehung, als auch translationale Aspekte, wie die molekulare Subtypisierung von pankreatobiliären Tumoren im Hinblick auf zielgerichtete Therapien ein. Irene Esposito ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften und Autorin von 160 Originalarbeiten und zahlreichen Übersichtsarbeiten und Buchbeiträgen.


Vortrag 2: Anwendungsbezogene Grundlagenforschung mit Pilzen

Es wird geschätzt, dass es ca. 6 Mio. Arten von Pilzen weltweit gibt, also mehr als Pflanzen oder Bakterien. Für die Wissenschaft stellen Pilze ideale Modellsysteme für die Forschung dar. Sie sind nicht nur einfach zu manipulieren, sondern können aufgrund ihrer phylogenetischen Nähe zu Tieren und Pflanzen als ideale Experimentalsysteme genutzt werden, um molekular zelluläre Funktionen zu untersuchen. An der Ruhr-Universität gibt es eine langanhaltende Tradition, Pilze für Forschungszwecke zu verwenden. Dort wurden in den 80iger Jahren die ersten transgenen Pilze hergestellt, die damit die Bochumer Tradition der „Molekulargenetik von Pilzen“ begründeten. Pilze sind als Pathogene im klinischen Bereich verantwortlich für eine steigende Zahl von Mykosen oder in der Landwirtschaft für erhebliche Ausfälle bei der Ernte. Neben diesen eher negativen Eigenschaften besitzen Pilze im natürlichen Ökosystem, beim Abbau und Umbau von toter organischer Materie oder auch in der Lebensmittelindustrie und der Biotechnologie eine herausragende Rolle. Sie bilden Sekundärmetabolite, die unter anderem in der pharmazeutischen Anwendung bedeutend sind. Das bekannteste pilzliche Sekundärmetabolit ist das Antibiotikum Penicillin, welches Thema dieses Vortrages sein wird. Es wird der Frage nachgegangen, welche molekularen Faktoren spielen bei der Synthese von Sekundärmetaboliten eine Rolle und inwieweit können Erkenntnisse der Grundlagenforschung beitragen, die Synthese von Sekundärmetaboliten zu beeinflussen. Außerdem werden Experimentalansätze des „Functional Genomics“ vorgestellt, welche einen ursächlichen Zusammenhang von zellulären Entwicklungsprozessen der Synthese von Sekundärmetaboliten aufzeigen. In dem Vortrag werden Erkenntnisse der Grundlagenforschung mit Pilzen, die Auswirkung auf die biotechnologische Anwendung besitzen, diskutiert.

Prof. Dr. Ulrich Kück ( Jahrgang 1950) studierte an der RWTH Aachen und der Ruhr-Universität Bochum Biologie und Chemie mit dem Abschluss Staatsexamen. 1981 erfolgte die Promotion mit dem Titel „Mitochondriale DNA bei Pilzen“ am Lehrstuhl von Karl Esser. 1982–1983 war er Research Fellow an der Harvard University (Cambridge / USA) bei Lawrence Bogorad und anschließend erfolgte die Rückkehr nach Bochum mit der Habilitation im Fach Botanik (1986). Nach einer C2-Professur an der Ruhr-Universität folgte der Ruf auf eine Professur für Botanik (C3) an die Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt im Jahr 1990. Seit 1991 ist er Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine und Molekulare Botanik an der Ruhr-Universität Bochum. Er war von 1995 bis 1999 Dekan der Fakultät für Biologie und Biotechnologie und von 2001 bis 2009 Sprecher des SFB 480 „Molekulare Biologie komplexer Leistungen von botanischen Systemen“ (2001 bis 2009). Er leitete von 2008 bis 2015 das Christian Doppler Labor für „Biotechnologie der Pilze“, welches von der Christian Doppler Gesellschaft (Wien) gefördert wurde. 2009 war er Präsident der Jahrestagung der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) mit 1300 Teilnehmern in Bochum. Außerdem war Ulrich Kück von 2010 bis 2014 Mitglied des Universitätsrates des Landes Schleswig-Holstein. Von 2011 bis 2015 war er Mitglied des Beirats der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) und ist seit 2012 Mitglied des Fachkollegiums 201 „Grundlagen der Biologie und Medizin“ der DFG. Die Ernennung zum „Fellow der American Academy of Microbiology“ erfolgte 2014. Ulrich Kück hat 208 Artikel in internationalen Zeitschriften publiziert und ist Autor von fünf Lehrbüchern und sechs wissenschaftlichen Editionen.Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der molekularen Genetik eukaryotischer Mikroorganismen, insbesondere interessiert ihn die Regulation von Sekundärmetabolismus und Morphogenese bei Pilzen sowie die Signalweitergabe bei Eukaryoten.